IHK Berlin. Offizieller Unterstützer der Berliner Wirtschaft.

Nach einer aufmerksamkeitsstarken Teaserphase geht die Kampagne der IHK Berlin in die nächste Stufe. Mit „WTF is IHK?“ wurde bewusst Neugier geweckt und Gespräche angestoßen.

Jetzt löst die Kammer diese Frage auf – klar, sichtbar und mit Haltung. 

Die Unternehmer stehen stellvertretend für die Vielfalt der Berliner Wirtschaft. 

Durch ihre Perspektiven wird deutlich, was der Claim konkret bedeutet – und wie die IHK Berlin Unternehmen tatsächlich unterstützt. 

IHK Berlin. Offizieller Unterstützer der Berliner Wirtschaft.

BW Business Backstage

kukki Cocktail – eine „Schnapsidee“ entpuppt sich als Millionengeschäft

Mit tiefgefrorenen Cocktails hat kukki eine völlig neue Produktkategorie geschaffen. Der Weg vom Prototyp bis in tausende Gastrobetriebe und Supermärkte war geprägt von bürokratischen Hürden – sowie auch überraschend schnellen Erfolgen. Mitgründer und Co-CEO Saif Rudi gibt uns einen Einblick ins Business.

Von: Katrin Lohse
kukki Cocktail-Gründer Saif Rudi in der kukki Fabrik.

Mitgründer und Co-CEO Saif Rudi in der Produktionshalle von kukki Cocktail.

Ein Cocktail mit Eiswürfeln und frischen Früchten – direkt aus der Flasche und überall dort verfügbar, wo es keine Cocktailbar gibt. Mit dieser Idee gründeten Saif Rudi, Andreas Romanowski und Josef Klemm 2016 kukki Cocktail. Heute produziert das Unternehmen bis zu 25.000 Flaschen täglich, beliefert mehr als 7.000 Gastronomiebetriebe und ist deutschlandweit in mehr als 3.000 Supermärkten vertreten. 

Doch bis dahin war es ein langer Weg. „Am Anfang hat niemand an das Produkt geglaubt“, erinnert sich Co-CEO Saif. „Der Tenor war zunächst: Tiefgefrorene, fertige Drinks – wer soll das denn brauchen?“

Das Team blieb hartnäckig – und das zahlte sich aus: Heute beschäftigt kukki 31 Mitarbeitende, verteilt auf den Berliner Standort und die Produktion im brandenburgischen Wustermark, und erwirtschaftete zuletzt rund acht Millionen Euro Umsatz. Uns gibt Saif Einblicke in die Höhen und Tiefen der bisherigen Unternehmensgeschichte.

Die 3 größten Painpoints für kukki Cocktail

Wo hat euch die Bürokratie am meisten zu schaffen gemacht?

Saif: Für unser Produkt gab es keine bestehenden Regularien. Wir haben ja etwas entwickelt, das es vorher nicht gab – tiefgekühlte Cocktails. Das Problem? Es gab keine passende Norm, wie der Alkoholgehalt gemessen werden sollte. Da geht es auch um die Alkopopsteuer: Ob man die zahlen muss, entscheidet sich an der 10%-Grenze beim Alkoholgehalt. Gemessen wird dieser Wert aber immer bei 20 Grad und genau das war das Problem. 

kukki wird gefroren verkauft und angetaut getrunken. Um den amtlichen Messwert zu bekommen, muss der komplette Cocktail aber erst vollständig auf 20 Grad auftauen – ein Zustand, in dem ihn niemand konsumiert. Wir mussten unzählige Gespräche mit Behörden führen und standen kurz davor, daran zu scheitern.

Johanna Wittig/raufeld

Bei kukki Cocktail werden täglich rund 25.000 Flaschen gefüllt.

Was waren weitere Herausforderungen?

Saif: Zu Beginn ganz klar: die Finanzierung. Wir waren jung und naiv und dachten, wir könnten das Projekt über Banken finanzieren. Das hat nicht funktioniert, weil niemand an die Idee geglaubt hat. Also mussten wir Privatinvestoren gewinnen und dafür Unternehmensanteile abgeben. Dann kam das Wachstum. Man muss in Anlagen investieren, in Marketing und Vertrieb. Wir hatten ja eigentlich drei Startups in einem: Wir haben eine Getränkemarke etabliert, einen eigenen Toaster entwickelt und eine komplett neue Eismaschinentechnologie gebaut – eine patentierte Eigenkonstruktion, in die wir richtig viel Kapital investierten.

Ehrlich gesagt: Alles, was wir hier an Maschinen und Anlagen entwickelt haben, war einfacher als die Bürokratie.“
Saif Rudi Mitgründer und Co-CEO kukki Cocktail

Wo seid ihr noch auf Schwierigkeiten gestoßen?

Saif: Unsere Verpackungen müssen wir gemäß Verpackungsgesetz melden. Die gemeldeten Zahlen werden nochmal von jemandem geprüft – nochmal für Geld. Das ist eine Kette an Ineffizienz und Kostensteigerung, die total unnötig ist. Dann die Logistik: Im Tiefkühlbereich gibt es nur wenige Speditionen und wir merken, dass die Speditionsbranche enorme Schwierigkeiten hat. Es wird permanent unpünktlich geliefert, wenig ist digitalisiert. Wir erfahren von fehlenden Paletten oft zuerst vom Kunden, nicht vom Spediteur. Das ist ein absolut bitterer Umsatzverlust.

Wir haben zudem GRW-Mittel in Berlin abgerufen, sind dann aber mit der Produktion hierher nach Wustermark gezogen, weil es in Berlin keine passende Halle für uns gab. Dadurch mussten wir die bereits ausgezahlten Mittel zurückzahlen und konnten die Restsumme nicht mehr abrufen – das war wirklich ärgerlich. Dabei steht überall „Berlin-Brandenburg“ drauf, es wird ein großer gemeinsamer Wirtschaftsraum draus gemacht – aber die beiden Länder kooperieren nicht miteinander und verschieben diese Gelder nicht.

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Katrin Lohse
kukki Cocktail-Falschen im Kühlregal.

kukki hat ein patentiertes Verfahren entwickelt, bei dem komprimierte Eiswürfel in einer eigens konstruierten Eismaschine hergestellt werden, sodass die Cocktails nicht verwässern.

Die 3 größten Pluspunkte des Unternehmertums

Saif: Ich hätte nicht gedacht, dass der Einstieg in den Einzelhandel so schnell funktionieren würde. Wir hatten ursprünglich geplant, innerhalb eines Jahres 3.000 Supermärkte zu erreichen. Dieses Ziel haben wir schon nach wenigen Monaten geschafft. Dass wir heute deutschlandweit bei Kaufland und Rewe gelistet sind und unsere Präsenz bei Edeka weiter ausbauen, hat uns selbst überrascht. Das zeigt, dass sich die jahrelange Vorarbeit in der Gastro ausgezahlt hat.

Was ist für dich der größte Gewinn am Gründen?

Saif: Die maximale kreative Freiheit. Ich kann morgens eine Idee haben und sie mit dem Team direkt umsetzen. Am Ende steht vielleicht ein neues Produkt im Supermarktregal. Dieses kreative Arbeiten, viele Projekte gleichzeitig voranzutreiben und gemeinsam mit einem starken Team neue Dinge zu entwickeln – genau das macht Unternehmertum für mich aus.

Johanna Wittig/raufeld

Der „kukki-Toaster“ erwärmt die Cocktails via Infrarot und wurde bisher rund 15.000 Mal verkauft.

Inwiefern profitiert kukki Cocktail von Berlin als Standort?

Saif: Berlin gibt uns einen enormen Image-Vorteil. Wenn wir sagen, dass wir aus Berlin kommen, heißt es oft sofort: ‚Na klar, wo sonst entsteht so eine Idee?‘. Dieses kreative Image färbt auf uns ab. Gleichzeitig haben wir hier viele offene Menschen kennengelernt – bei Banken, in Netzwerken oder Institutionen. In Berlin sind außergewöhnliche Ideen nichts Ungewöhnliches.