IHK Berlin. Offizieller Unterstützer der Berliner Wirtschaft.

Nach einer aufmerksamkeitsstarken Teaserphase geht die Kampagne der IHK Berlin in die nächste Stufe. Mit „WTF is IHK?“ wurde bewusst Neugier geweckt und Gespräche angestoßen.

Jetzt löst die Kammer diese Frage auf – klar, sichtbar und mit Haltung. 

Die Unternehmer stehen stellvertretend für die Vielfalt der Berliner Wirtschaft. 

Durch ihre Perspektiven wird deutlich, was der Claim konkret bedeutet – und wie die IHK Berlin Unternehmen tatsächlich unterstützt. 

IHK Berlin. Offizieller Unterstützer der Berliner Wirtschaft.

BW Business Backstage

Popeia: Wie aus Socken eine Geschäftsidee wurde

Gibt es in der Modewelt noch neue Ansätze? Sara und Anna vom Modelabel Popeia zeigen, wie man mithilfe der eigenen Community und einer starken Vision eine Fashion Brand aufbauen kann. Im Interview erzählen sie von den Höhen und Tiefen des Gründens.

Von: Aaron Baumgart
Ein Porträt der Popeia-Gründerinnen vor einer Kleiderstange mit bunten T-Shirts.

Starteten mit 2.000 Paar Socken: Popeia-Gründerinnen Sara Rentsch (links) und Anna Michel.

Wer ein Produkt nicht finden kann, muss es eben selbst entwerfen. So erging es zumindest Sara Rentsch und Anna Michel mit ihrem Modelabel Popeia. Bei einem gemeinsamen Abend auf der Terrasse fiel den beiden auf, dass die Sockenschublade von vielen Frauen ein Update gebrauchen könnte. Statt langer, schwarzer Socken sollten es bunte Modelle sein, die auch den Alltag gut überstehen. 2021 gründeten die beiden schließlich Popeia. 

„Wir haben es einfach ausprobiert und 2.000 Socken aus Portugal bestellt. Auch wenn es ein simples Produkt ist, haben wir am Design und an den Details eine ganze Weile getüftelt. Und wir haben schnell gemerkt, dass das gut ankommt“, so Anna. So kamen zu den Socken noch andere Basics wie T-Shirts oder Blusen dazu – und aus dem Zwei-Personen-Business wurde ein Unternehmen mit 12 Mitarbeitenden. 

Links: Ein gestreiftes T-Shirt an einer Kleiderstange. Rechts: Viele Popeia-Socken in einer Kiste.

Die Marke Popeia versteht sich als Kontrast zu moderner Fast Fashion.

Die Kraft der Community: Social Media als digitales Schaufenster

Sara und Anna verstehen sich als Gegenstück zu moderner Fast-Fashion. Die Kleidung wird in der EU mit nachhaltigen und qualitativ hochwertigen Stoffen produziert. Für jede getätigte Bestellung spendet das Unternehmen zusätzlich ein Paar Socken an Projekte, die Frauen in Not unterstützen. 

Um die Vorlieben und Wünsche ihrer Kundinnen und Kunden beurteilen zu können, nutzen die beiden vor allem soziale Medien wie Instagram. So können gleichzeitig auch Margen und Produktbestellungen besser eingeschätzt werden. „Heute ist es wichtig, dass Menschen wissen, von wem sie kaufen. Das merken wir auch in unserer digitalen Community. Wir zeigen Gesicht, und das baut Vertrauen auf“, sagt Anna. 

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Das neueste Produkt des Labels ist Babykleidung. Entstanden ist die Idee ebenfalls auf Wunsch der Community, aber auch aus einem persönlichen Grund: Die beiden Gründerinnen sind mittlerweile selbst Mütter. „Anna und ich sind fast gleichzeitig Mütter geworden. Das war schon eine Herausforderung für uns und das Team“, sagt Sara. „Denn für geschäftsführende Mütter gibt es nicht gerade viele Vorbilder.“ Auch das wollen die beiden mit ihrem Auftritt in den sozialen Median ändern, um so bestenfalls auch andere Mütter zum Gründen zu ermutigen. 

Im Interview erzählen Sara und Anna von den weiteren Hürden und Höhepunkten ihrer Gründung. 

Popeia: Die drei größten Hürden für das Modelabel

Anna, Sara, gab es etwas, bei dem euch die Bürokratie ausgebremst hat? 

Sara: Dazu könnten wir leider ein ganzes Buch füllen. Wir sind als GbR gestartet. Eine UG hätte 300 Euro gekostet, also haben wir entschlossen, erst einmal eine GbR zu gründen, um Popeia zu testen. Wir hatten das Glück, dass die Idee funktioniert hat. Wir haben uns dann später für den Gründungsbonus beworben und diesen auch bekommen. 

Anna: Als wir weiter gewachsen sind, war für uns klar, dass wir eine GmbH werden mussten. Die Umwandlung von der GbR zur GmbH war dann ein sehr aufwendiger Prozess. Das hatte am Ende auch mit dem Gründungsbonus zu tun. Damit wir ihn nicht zurückzahlen mussten – was für uns sehr viel Geld gewesen wäre – mussten wir eine formale Umwandlung machen.

Sara: Dieser Prozess mit Anwälten, Notaren und allem, was dazugehört, hat uns am Ende mehr Geld gekostet als der Gründungsbonus selbst. Rückblickend hätten wir damals die 300 Euro für die UG investieren sollen.

Was war eure größte wirtschaftliche Herausforderung? 

Anna: Ein Business aufzubauen bedeutet am Anfang oft, dass man sich keinen Lohn auszahlen kann. Privat mussten wir deshalb viel zurückstecken.

Sara: Man muss schon wirklich dafür brennen, um das durchzuziehen. Gleichzeitig hat uns der Aufbau auch Energie gegeben. Für uns war Popeia mehr als nur eine Geschäftsidee. Wir arbeiten auch einfach sehr gern zusammen.

Wo gab es weitere Schwierigkeiten? 

Anna: Eine große Herausforderung war für uns natürlich auch das Thema Mutterwerden und Selbstständigkeit. Wir haben unsere Lebenspläne schon vor etwa zwei Jahren grob miteinander abgeglichen und gemerkt, dass wir beide Kinder bekommen wollten. Damals waren wir noch zu zweit, und es war klar: Wenn das passiert – möglicherweise sogar gleichzeitig –, brauchen wir ein gutes Team. Sonst ist es faktisch nicht möglich. Im Nachhinein ist das gut aufgegangen. Aber als Unternehmerinnen ist das noch einmal eine andere Situation. Wir mussten private und berufliche Strukturen schaffen, damit das Unternehmen weiterlaufen kann.

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Die drei Höhepunkte des Unternehmertums

Was lief bei Popeia leichter als erwartet?

Sara: Der Teamaufbau. Vor ein paar Jahren war es für uns noch schwer vorstellbar, wie man gute Leute einstellt – und ob überhaupt jemand bei uns arbeiten möchte. Rückblickend sind wir extrem stolz auf unser Team. Es ist sehr stark und hat sich auf eine sehr natürliche Weise aufgebaut. 9 von unseren 10 Mitarbeiterinnen kamen über Initiativbewerbungen zu uns. Wir hätten nicht gedacht, dass unsere eigenen Kommunikationskanäle dabei so gut funktionieren. Über LinkedIn kamen eher gemischte Bewerbungen. Über unsere Community – etwa per E-Mail – haben wir sehr viele und sehr passende Bewerbungen bekommen.

Anna und Sara schauen sich Farbmusterkarten an.

Popeia ist im Co-Working Space B-Part am Gleisdreieck zuhause.

Wofür hat sich der ganze Stress schlussendlich doch für euch gelohnt? 

 

Anna: Dafür, jetzt an einem Punkt zu sein, an dem wir ein laufendes Business haben, mit dem wir glücklich sind. Dafür, dass wir Mütter geworden sind und das mit dem Unternehmen verbinden können. Und dafür, dass wir ein Team haben, das funktioniert. Vereinbarkeit war für uns immer eine große Vision: ein Leben zu gestalten, in dem wir selbstbestimmt arbeiten können. Wir sagen gerade oft, dass wir unser eigenes „New Normal“ schaffen.

Sara: Und wenn man dann auf der Straße fremde Menschen mit unserer Kleidung sieht, ist das einfach besonders. Am Anfang waren es vielleicht nur ein paar Socken, inzwischen sehen wir wirklich viele Menschen, die unsere Teile tragen und so auch unsere Werte präsentieren. Das ist für uns das Größte.

Welche Rolle spielt die Stadt Berlin für Popeia? 

Sara: Wir lieben diese Stadt. Und natürlich ist das Netzwerk hier sehr wertvoll. Wir haben unser Team in Berlin gefunden – viele ambitionierte, kreative Menschen. Ich glaube, wir hätten Popeia vielleicht nicht überall auf die gleiche Weise aufbauen können. Für uns ist Popeia ganz klar in Berlin zuhause. 

Anna: Berlin hat außerdem eine Strahlkraft. Wenn man sagt, dass etwas aus Berlin kommt, verbindet man damit den Puls der Zeit: etwas Neues, Cooles, Trendiges. Das passt sehr gut zu uns.

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