IHK Berlin. Offizieller Unterstützer der Berliner Wirtschaft.

Nach einer aufmerksamkeitsstarken Teaserphase geht die Kampagne der IHK Berlin in die nächste Stufe. Mit „WTF is IHK?“ wurde bewusst Neugier geweckt und Gespräche angestoßen.

Jetzt löst die Kammer diese Frage auf – klar, sichtbar und mit Haltung. 

Die Unternehmer stehen stellvertretend für die Vielfalt der Berliner Wirtschaft. 

Durch ihre Perspektiven wird deutlich, was der Claim konkret bedeutet – und wie die IHK Berlin Unternehmen tatsächlich unterstützt. 

IHK Berlin. Offizieller Unterstützer der Berliner Wirtschaft.

Technologie

Finetech: Mikrosystemtechnik made in Marzahn

Vom patentierten Verfahren zum internationalen Hightech-Unternehmen: Finetech-Geschäftsführerin Carlotta Baumann erklärt, wie der Berliner Spezialist für Mikrosystemtechnik mit Präzision, interner Entwicklung und dem Fokus auf Zukunftsmärkte wächst – ganz ohne Investoren.

Von: Laura Dörling
Carlotta Baumann in der Finetech Produktion

Finetech: Berliner Unternehmen revolutioniert die Halbleiter-Branche.

Für Smartphones, schnelles Internet oder Medizintechnik: Finetech-Maschinen platzieren winzige Chips mit einer Genauigkeit von bis zu 0,3 Mikrometern in elektronischen Geräten. 

Was 1992 mit dem patentierten Fineplacer-Prinzip als technischem Grundstein begann, ist heute ein international tätiges Unternehmen für flexible Bonding-Systeme im Bereich der Mikrosystemtechnik. Für seine hochpräzisen Maschinen ist Finetech weit über die Berliner Stadtgrenzen hinaus bekannt und bedient heute über 3.000 internationale Kunden aus Bereichen wie Medizin, Raumfahrt, Quantentechnologie, Industrie, Sensorik und Forschung. 

Erfolgreich mit 0.1 Mikrometern: Finetech-Maschinen für Maßarbeit

Platzier-, Montage- und Reworksysteme sind Maschinen, die elektronische Bauteile wie Halbleiter-Chips mikrometer-genau zueinander ausrichten. Und zwar nicht einmalig im Labor, sondern reproduzierbar für spätere Serienfertigungen. Die Finetech-Maschinen zeichnen sich über eine Ausrichtungsgenauigkeit von 0.1 Mikrometern aus. Das Unternehmen hat sich auf SMD Rework und Die Bonding spezialisiert. Mikrosystemtechnik-Crash-Kurs für Newbies: 

  • SMD Rework meint die Nacharbeit auf bestückten elektronischen Trägern wie Leiterplatten: Einzelne Bauteile auf der Leiterplatte eines elektronischen Geräts werden gezielt ausgetauscht – zum Beispiel, weil sie defekt sind.
  • Die Bonding meint die Platzierung einzelner Chips auf einem neuen Träger. Dieser Schritt ist wichtig, um aus einzelnen Komponenten später ein funktionsfähiges elektronisches Bauteil zu machen – man nennt den Prozess auch „Packaging“.
Mitarbeiter bedient Finetech-Maschinen

Finetech-Maschinen für Mikrosystemtechnik von morgen.

Je kleiner die Bauteile, desto weniger Spielraum gibt es bei der Präzision: Chips müssen auf Bruchteile eines menschlichen Haardurchmessers genau positioniert werden. Schon Abweichungen von wenigen Mikrometern können ihre Funktion beeinträchtigen. 

Wie bringt man Talente und Wissen gezielt im eigenen Unternehmen ein?

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Patent aus der Platte: Von der Mietwohnung in den Weltmarkt

Kurz nach der Gründung zieht das (damals noch) Start-up von der Ost-Berliner Mietwohnung nach Marzahn – bis heute Firmensitz und Hauptstandort. Unter Dr. Georg Baumann als strategischem Investor wird die Produktwelt massiv ausgebaut. Das Unternehmen wächst schnell. Neue Standorte entstehen in den USA, China, Japan und Südostasien.

2021 übernimmt Georg Baumanns Tochter Carlotta die Führung und treibt die Weiterentwicklung des Portfolios vom reinen Entwicklungsgerät (R&D-Bonder) hin zu halb- und vollautomatischen Produktionssystemen konsequent voran – als erste ExpertIN an der Spitze. Nur drei Jahre später wird sie als EY Entrepreneur of the Year in der Kategorie Innovation ausgezeichnet. 

Sie ist stolz darauf, dass von der Hardware bis zur Software alles im Haus entwickelt wird und das Unternehmen dabei aus eigener Kraft wächst. “Finetech ist über die Jahre aus eigener Kraft gewachsen, ohne externe Investoren. Diese finanzielle Unabhängigkeit gilt als strategisches Prinzip, man wächst organisch und reinvestiert konsequent in Innovation,” betont Baumann.

Fachkräftemangel in hochspezialisierten technischen Feldern bleibt eine Herausforderung, der Wettbewerb um Talente ist hart.“
Carlotta Baumann Geschäftsführerin von Finetech

Heute ist Finetech nicht einfach „nur“ ein Maschinenbauer, sondern „Lösungsanbieter, der Kunden über den gesamten Weg von der Idee bis zur Serie begleitet.“ Carlotta Baumann sieht in dieser Prozessbegleitung einen großen Mehrwert. Die Strategie geht auf, das Unternehmen wächst und zählt heute weltweit rund 200 Mitarbeitende.

Finetech-Geschäftsführerin Carlotta Baumann

Erfolgreiche Nachfolge: Carlotta Baumann ist seit 2021 geschäftsführende Gesellschafterin von Finetech.

Aus dem Labor in den Alltag: Wo finden Finetech-Systeme Anwendung?

Mikrosystemtechnik findet man fast überall: in Smartphones und Autos, in Medizintechnik oder Rechenzentren. Carlotta Baumann verdeutlicht das mit drei alltagsnahen Anwendungsbeispielen, die Finetech-Präzisionsarbeit erfordern: 

  • Medizin: künstliche Netzhäute für Sehprothesen und Hirnimplantate gegen Epilepsie, deren winzige Chips submikrongenau montiert werden
  • Moderne Displays: MicroLEDs für hochauflösende Farbdisplays
  • Sensorik: mechanisch-elektronische Sensoren, beispielsweise für Smartphones und smarte Geräte 

Auch in Branchen wie der Halbleiterindustrie oder der Quantentechnologie sind die Maschinen unverzichtbar. Als namhafte Kunden nennt Baumann Bosch, Google, Samsung und Forschungseinrichtungen wie das MIT. Finetech bietet ihnen zuverlässige Komplettlösungen für Die-Packaging-Prozesse.

Technik von heute für Technologien von morgen: Welche Rolle spielt KI?

Die Finetech-Maschinen leben von Automatisierungen, um Präzision reproduzierbar zu machen. „Vollautomatische Bonder platzieren Chips im Mikrometerbereich schneller und konstanter, als es von Hand je möglich wäre, mit weniger Fehlern und rund um die Uhr,“ erklärt die Geschäftsführerin. 

KI unterstützt dabei als Qualitäts-, Effizienz- und Innovationstreiber, der die Anforderungen an das Advanced Packaging – das Kombinieren und Stapeln verschiedener Chips und Chips-Typen. Finetech begegnet diesen Anforderungen mit immer neuen Lösungen als Antwort auf Zukunftsfragen.

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Halbleiter aus der Hauptstadt: Wie profitiert Finetech vom Standort Berlin?

Um sich neuen technologischen Herausforderungen zu stellen, bedarf es Spezialisten mit Tatendrang. Berlin bietet einen starken Talentpool: „Mit der TU Berlin und weiteren Forschungseinrichtungen finden wir gut ausgebildete Fachkräfte für unsere Spezialfelder wie Mikrosystemtechnik, Elektrotechnik und Softwareentwicklung.“

Hinzu komme die gute infrastrukturelle Anbindung, das große Berliner Start-up-Hub, das Networking erleichtert und Austausch fördert. „Berlin als lebendige Metropole hilft, internationale Fachkräfte zu gewinnen“, meint Baumann aus Recruiting-Perspektive. 

Der CleanTech Business Park Marzahn biete zudem Raum zum Wachsen, auch wenn der Standort nicht in jeder Hinsicht punktet: "Deutschland als Produktionsstandort bedeutet hohe Lohn-, Energie- und Bürokratiekosten im internationalen Vergleich. Und Berlin ist kein klassischer Halbleiter-Cluster wie Dresden oder Standorte in Asien, die räumliche Nähe zu großen Branchenpartnern fehlt teils," sagt Baumann.

Mitarbeiter von Finetech bedienen Maschinen

Menschen im Mittelpunkt: Finetech setzt auf Teamwork, Ausbildung und Personalentwicklung.

Trotz Nähe zur Berliner Wissenschaft und Start-up-Szene ist der Fachkräftemangel in hochspezialisierten technischen Arbeitsfeldern deutlich spürbar. Die Expertin weiß das aus Erfahrung: „Fachkräftemangel in hochspezialisierten technischen Feldern bleibt eine Herausforderung, der Wettbewerb um Talente ist hart.“

Firmensitz von Finetech

Hauptsitz in Marzahn: Finetech ist auf der Suche nach spezialisierten Fachkräften.

Finetech: Innovation als Antrieb

Die Marktführung in Zukunftsfeldern wie Advanced Packaging, Silicon Photonics und Hybrid Bonding will Finetech weiter ausbauen. 

„Uns treibt der Anspruch an, Innovationsführer in der Nische zu sein, früh zu sehen, was kommt – oft Jahre vor der kommerziellen Reife,“ so Baumann. „Das konkrete Ziel: Dort präsent sein, wo die nächsten technologischen Durchbrüche entstehen und sie für Kunden weltweit produzierbar machen.“