IHK Berlin. Offizieller Unterstützer der Berliner Wirtschaft.

Nach einer aufmerksamkeitsstarken Teaserphase geht die Kampagne der IHK Berlin in die nächste Stufe. Mit „WTF is IHK?“ wurde bewusst Neugier geweckt und Gespräche angestoßen.

Jetzt löst die Kammer diese Frage auf – klar, sichtbar und mit Haltung. 

Die Unternehmer stehen stellvertretend für die Vielfalt der Berliner Wirtschaft. 

Durch ihre Perspektiven wird deutlich, was der Claim konkret bedeutet – und wie die IHK Berlin Unternehmen tatsächlich unterstützt. 

IHK Berlin. Offizieller Unterstützer der Berliner Wirtschaft.

BW Business Backstage

ODE: Berliner Gründergeist aus der Flasche

ODE-Gründer Stefan Graf Becker und Thorsten Konrad sind als Branchenfremde in die Getränkeindustrie eingestiegen. Warum ihnen wahrscheinlich gerade das zu Erfolg verholfen hat und warum der Weg dorthin alles andere als geradlinig war, erzählen sie uns im Interview.

Von: Katrin Lohse
Die ODE-Aperitif-Gründer posieren mit Flaschen.

Stefan Graf Becker (links) und Thorsten Konrad setzen mit ODE neue Akzente im Aperitif-Segment.

Als die beiden Designer Stefan Graf Becker und Thorsten Konrad sich in einem Berliner Coworking-Space kennenlernten, schmiedeten sie schon bald Pläne für ein gemeinsames Gründungsprojekt. Einen Aperitif hatten sie initial gar nicht im Sinne – die Idee zu ODE entstand, wie so oft bei guten Gründungsgeschichten, eher nebenbei. Bei einem ihrer regelmäßigen Brainstorming-Dinner 2019 fiel ihnen auf, was im Aperitif-Markt fehlte: Qualität, Vielfalt, Zeitgeist

Wo ein ganzes Küchenteam zwölf Stunden lang an jedem Detail eines Tellers tüftelt, stand auf der Getränkekarte oft nur eine einzige, süße Aperitif-Option, orange und allgegenwärtig. „Wir fanden es irre, dass es nichts in besserer Qualität gab", sagt Stefan. 

Bunte ODE-Flaschendeckel und ein gemixtes ODE-Getränk.

ODE findet man in gehobenen Bars und Restaurants, Concept Stores, ausgewählten Onlineshops und im Fachhandel.

Die beiden begannen, den Markt aus Marketing-Perspektive zu analysieren – und entwickelten ein Produkt, das Naturaromen, Design und Handwerk neu zusammendenkt. Im improvisierten Küchen-Setting suchten sie nach einer neuen Aromatik: „Wir haben bei über 650 botanischen Rohstoffen getestet, wann bei einer Extraktion der optimale Geschmackspunkt erreicht ist“, erzählt Thorsten.

Herausgekommen sind bisher zwei Varianten ODE Aperitif. Das Getränk mit dem ikonischen Deckel wird auf Riesling-Basis in Berlin produziert, enthält keine Geschmacks- und Farbstoffe sowie kaum Zucker. ODE finanziert sich komplett aus Eigenkapital, verkauft wird mittlerweile nach ganz Europa, das aktuell fünfköpfige Team wächst. 

Im Interview sprechen Thorsten und Stefan über die Herausforderungen und Erfolge ihres bisherigen unternehmerischen Weges.

Die 3 größten Painpoints für ODE

Was hat euch bisher am meisten zu schaffen gemacht?

Thorsten: Wir sind ohne Branchenkenntnis in ein hochreguliertes Umfeld eingestiegen. Alkoholsteuer, Zollbestimmungen, EU-Kennzeichnungspflichten: Alles Neuland für uns! Weil unsere Produktionsweise so ungewöhnlich ist – wir verarbeiten Botanicals manuell und dabei entstehen Rückstände, die dokumentiert und behördlich vernichtet werden müssen – mussten wir uns vieles eigenständig erarbeiten und neue Wege finden.

Stefan: Wein fällt unter Lebensmittelrecht, also galten für unsere Produktionsstätte plötzlich Gaststättenvorschriften: vier Waschbecken, Toilettenvorraum, spezielle Wandbeschichtungen, all sowas. Und weil in Berlin nun mal kein Winzer sitzt, musst du jeden Schlauch aus Weinregionen bestellen – und dem Schweißer vor Ort erst mal erklären, was ein Weintank ist.

 

Was war eure größte Herausforderung?

Stefan: Das schnelle Wachstum! Man braucht mehr Flaschen, mehr Ware, mehr Platz, mehr Infrastruktur: Das alles erfordert Investitionen, bevor die entsprechenden Umsätze nachziehen. Cashflow ist ein riesiges Thema.

Thorsten: Seit unserer Gründung mit ODE folgte eine Krise auf die nächste – Energiekrise, Ukraine-Krieg. Das hat zum Beispiel die Glasflaschen stark verteuert, weil viele aus der Ukraine kamen. Wir mussten andere Flaschen auf Vorrat kaufen und so Kapital binden, das wir eigentlich nicht hatten. Das wiederum hat uns früh beigebracht, mit Ressourcen zu jonglieren. Es gab zudem monatelang keine Kartonagen, weil auch diese Lieferketten gestört waren – und unsere sind custom [individuell gefertigt - Anm. d. Redaktion], Standardgrößen passen bei unserer Flasche nicht.

Wo seid ihr noch auf Schwierigkeiten gestoßen?

Stefan: Eigentlich in jedem Bereich, aber genau das hat die Reise so lehrreich gemacht! Selbst beim Verschluss: Weil wir Wein statt Wasser als Basis nehmen und weniger Zucker haben, ist die Kriechgeschwindigkeit der Flüssigkeit anders. Ein Standard-Inlay dichtet nicht ab. Gemerkt haben wir das, als nach drei Wochen eine ganze Charge auslief. Alles aufschrauben, Inhalt zurück in den Tank, Flaschen entsorgen, und von vorn.

Thorsten: Die Flasche hat fünf Elemente: Glas, Flüssigkeit, Etikett, Deckel, Kugel. Jedes davon hat uns vor neue Aufgaben gestellt. Haar-Riss im Tank, falsches Etikettenmaterial. Wir haben bei ODE ja alles im Alleingang aufgebaut – Produktion, Vertrieb, Logistik, Marketing. So konnten wir uns Schritt für Schritt umfassendes Know-how erarbeiten. Rückblickend ist genau das einer unserer größten Vorteile.

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Antonia Ostersetzer
Die ODE-Gründer.

Den Riesling bezieht das ODE-Duo von Winzer Nico Espenschied aus Rheinhessen.

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Was lief bei ODE leichter als erwartet?

Thorsten: Ich glaube, nichts war leichter als erwartet. Ich bin als Designer mit der romantischen Idee reingegangen, dass ein Produkt sich irgendwann selbst verkauft – man muss es ja „nur noch herstellen". Das war mein größter Denkfehler. 

Stefan: Ich glaube, das Branchenfremdsein hat uns einen echten Vorteil gegeben. Wer aus der Industrie kommt, macht das, was man immer gemacht hat. Wir hatten keine Schablone – und deswegen sieht ODE auch aus und schmeckt wie nichts, was es sonst gibt.

Ich glaube, das Branchenfremdsein hat uns einen echten Vorteil gegeben.“
Stefan Graf Becker Mitgründer und Co-CEO ODE

Was ist für euch der größte Gewinn am Gründen? 

Stefan: Unsere Fangemeinde. Die fiebern mit, helfen, schreiben uns manchmal sogar Briefe. Die Leute merken, dass da jemand viel Arbeit reingesteckt hat. Diese gegenseitige Wertschätzung gibt dem ganzen Wahnsinn Sinn!

Thorsten: Und dafür steht ODE auch: Ode an die Freude, Ode an die Freunde. Menschen kommen zusammen, genießen ihr Leben. Dafür stehen wir morgens auf.

Die Gründer von ODE Aperitif.

Thorsten und Stefan arbeiten bereits am nächsten ODE-Produkt.

Inwiefern profitiert ODE von Berlin als Standort? 

Thorsten: Auf Messen kommt sofort: „Ihr kommt aus Berlin?". Das öffnet Türen. Berlin steht – gerade im Ausland – für eine bestimmte Denke: anders, unkonventionell, mutig. Das passt zu uns. Wir haben ein Produkt gemacht, das komplett aus dem Rahmen der Branche fällt und Berlin ist gewissermaßen der glaubwürdige Kontext dafür.

Stefan: Ein Weinproduzent aus Berlin-Mitte: Das hat Licht und Schattenseiten. Die Schattenseiten kennen wir – Logistik, Mieten. Aber die Lichtseite ist, dass die Leute neugierig werden: „Ihr seid verrückt, zeigt mal her!" Und genau diese Neugier hat uns oft weitergebracht.