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LAP Coffee: Wie eine Berliner Kaffee-Kette den Einzelhandel neu erfinden möchte

LAP Coffee verbindet qualitative Kaffeeprodukte mit einem effizienten Retail-Modell und einem starken Markenfokus. Gründer und CEO Ralph Hage erzählt, wie aus seiner Idee eine der spannendsten Coffee-Brands des Landes wurde, welche Hürden das Team auf diesem Weg überwinden musste – und was ihn trotz Gegenwind weiter antreibt.

Von: Antonia Ostersetzer
Ralph Hage steht im Eingang einer LAP-Filiale.

Expansion im urbanen Umfeld: Gründer und CEO Ralph Hage eröffnet in diesem Jahr LAP-Filialen in Köln und Frankfurt a. M.

LAP – die Kaffee-Kette mit den blauen Markisen ist inzwischen in vielen Berliner Kiezen vertreten. Der Cappuccino kostet erschwingliche 2,50 Euro, das zieht viele Kundinnen und Kunden in die kleinen, trendigen Läden. Seit der ersten Eröffnung 2023 in der Rosenthaler Straße wächst das Unternehmen stetig, inzwischen gibt es LAP Coffee Shops an 30 Standorten in Berlin, München und Hamburg. Weitere Eröffnungen in Köln und Frankfurt a. M. stehen kurz bevor.

Die LAP-Story: Micro-Retail-Konzept trifft den Puls der Zeit

Gründer Ralph Hage verbindet die Story zu LAP Cofee mit seiner Idee von Zugehörigkeit. Aufgewachsen in Beirut, später unterwegs in Shanghai, New York und Dubai, kam er vor acht Jahren nach Berlin. Als Einwanderer, sagt er, sei „Zuhause“ kein einfaches Wort. Aus dieser Erfahrung entstand LAP, kurz für „Life Among People“: Kaffee als verbindendes Element in der schnelllebigen Großstadt.

Zugleich ist LAP von Beginn an ein klar kalkuliertes Geschäftsmodell aus der Feder von Vollprofis. Hage, zuvor unter anderem bei Red Bull und Delivery Hero, identifizierte mit Mitgründer Tonalli Arreola, zuvor bei Flink und Lime, im deutschen Kaffeemarkt eine Marktlücke zwischen günstigem Kaffee mit schwacher Qualität – und hochwertigem Kaffee zu hohen Preisen. 

Die Antwort: kleine Standorte, effiziente Abläufe – der LAP-Kaffee kommt aus dem zeitsparenden Vollautomaten –, reduzierte Kosten und ein konsequenter Fokus auf bezahlbare Qualität. Große Investoren wie Foodlab und HV Capital stiegen ein.

Die rasche Expansion der Kaffee-Brand löste zugleich eine Debatte darüber auslöst, wie moderner Einzelhandel in deutschen Städten aussehen kann. „Micro Retail ist unserer Meinung nach die Zukunft des Einzelhandels, man sieht das beispielsweise in Japan. Und LAP ist in Deutschland ein Vorreiter dieses Modells,“ sagt der 37-jährige CEO.

LAP: Günstiger Kaffee mit Community-Gefühl

Hage und sein Team aus inzwischen 150 Mitarbeitenden setzen das Konzept konsequent um: „Man mietet einen kleineren Laden, die Kosten für den Aufbau des Stores, sowie die Betriebskosten, sind somit niedriger. Zudem wird weniger Personal gebraucht, um ihn zu betreiben,“ so Hage. „Und trotzdem kann man Kundinnen und Kunden schnell und mit freundlichem Service bedienen.“

Die Marke verstehe sich selbst aber auch als Treffpunkt für die Nachbarschaft, betont Hage: „LAP ist eine Brand, die zeitgemäß ist, die im Trend liegt und zudem sehr gastfreundlich agiert. Allein im vergangenen Jahr haben wir 250 Events für unsere Community veranstaltet.“

Front einer Lap-Filiale.

Micro-Retail als Zukunftsmodell: Die 21 LAP-Filialen befinden sich stets auf kleinen Ladenflächen mitten in den Berliner Kiezen.

Gleichzeitig ist LAP längst auch Teil einer größeren Debatte geworden. Kritikerinnen und Kritiker werfen der Kette vor, mit niedrigen Preisen und schneller Expansion kleinere Cafés unter Druck zu setzen und Gentrifizierung zu befördern. Hage erlebte Farbattacken und Boykottaufrufe gegen seine Filialen. Wie er mit dem Gegenwind umgeht, welche Hürden er außerdem beim Aufbau von LAP überwinden musste und welche Seiten des Unternehmertums ihn positiv stimmen, erzählt er im Interview.

Die 3 größten Pains bei LAP Coffee

Wo hat euch Bürokratie bisher am meisten gehemmt? 

Der Prozess eine Genehmigung zu beantragen, sie zu bekommen, herauszufinden, wer die richtige Ansprechperson ist – das ist in Berlin definitiv kein reibungsloser Prozess. Die Hälfte meiner Stores hat zum Beispiel noch keine Außengenehmigung, dadurch haben unsere Kundinnen und Kunden keinen Platz zum Sitzen. Das ist in anderen Städten tatsächlich anders und ein konkreter Pain Point, den wir hier beim Thema Bürokratie erlebt haben.

LAP-Gründer Ralph Hage lacht
Micro Retail ist unserer Meinung nach die Zukunft des Einzelhandels – und ich glaube, LAP ist in Deutschland ein Vorreiter dieses Modells“
Ralph Hage Gründer & CEO von LAP Coffee

Welche Herausforderung prägt darüber hinaus das Alltagsgeschäft?

Die größte wirtschaftliche Herausforderung besteht darin, permanent die Balance zwischen Kosten und Profit zu halten. Besonders, wenn man Preisführer ist. Wir müssen die Ausgaben sehr genau kontrollieren, um das Versprechen an die Kundinnen und Kunden aufrecht erhalten zu können.

Was war sonst schwierig?

Ein wichtiges Learning aus den vergangenen drei Jahren ist für mich: Es ist als Consumer Brand ausschlaggebend, die Kontrolle über das Narrativ der Marke zu übernehmen, bevor es andere tun. Viele Leute wundern sich, beispielsweise, dass wir nicht nur To-Go-Becher anbieten, sondern auch Keramiktassen. Ein Beispiel für Fehlinformationen, die zu verbalen und physische Angriffen auf LAP-Stores und meine Angestellten beigetragen haben. 

Dieses Thema habe ich wirklich unterschätzt. Ich hätte nicht erwartet, dass LAP so schnell so groß wird und die Kultur in Berlin so stark prägt. Die Feindseligkeit, die uns entgegenschlug, war deutlich aggressiver als ich es in Deutschland erwartet hätte.

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Die 3 größten Pluspunkte an der Gründung von LAP Coffee

Was lief einfacher als erwartet?

Der beste und einfachste Teil an LAP sind die Menschen, mit denen ich arbeite. Ich hatte das Glück viel leichter gute Leute zu finden als ich erwartet hätte. Und was mich freut sind die 200 Bewerbungen für Barista-Jobs in Berlin, die uns jede Woche erreichen – von Menschen aus aller Welt und aus allen möglichen Lebensbereichen. Das zeigt uns, dass wir als attraktive Marke und als attraktiver Arbeitgeber gelten. 

Barista bereitet Kaffee in einer LAP-Filiale zu.

Rund 150 Menschen arbeiten im Unternehmen, davon mehr als 130 in den LAP-Filialen.

Wie befruchtet Berlin dein Business?

Was ich an Berlin wirklich schätze, ist, dass es ein Ort kulturellen und historischen Reichtums ist, und gleichzeitig sehr international. Ich glaube, die Internationalisierung der deutschen Kultur und Deutschlands bedeutet grundsätzlich einen enormer Schub für die Wirtschaft. So wie Einwandererinnen und Einwanderer schon früher zum Aufschwung der deutschen Wirtschaft massiv beigetragen haben. Ich hoffe, dass wir das weiterhin sehen.

Was ist für dich am Unternehmertum besonders bereichernd? 

Man muss schon ein gewisses Maß an Verrücktheit mitbringen, um Gründer zu sein. Aber ich schätze es, weil es mir die Möglichkeit gibt, etwas dass ich vor 15 Jahren im Kopf hatte, zum Leben zu erwecken. Deshalb bin ich auch nicht sauer, wenn uns jemand den ‚Aldi unter den Kaffee-Ketten nennt‘ Na und? Aldi ist einer der größten Arbeitgeber in Deutschland und eine Marke, die inzwischen auf der ganzen Welt agiert

Ich würde es natürlich bevorzugen, wenn man LAP Coffee den ‚Porsche unter den Kaffee-Ketten‘ nennt – aber Porsche hat auch mit dem Käfer angefangen.