IHK Berlin. Offizieller Unterstützer der Berliner Wirtschaft.

Nach einer aufmerksamkeitsstarken Teaserphase geht die Kampagne der IHK Berlin in die nächste Stufe. Mit „WTF is IHK?“ wurde bewusst Neugier geweckt und Gespräche angestoßen.

Jetzt löst die Kammer diese Frage auf – klar, sichtbar und mit Haltung. 

Die Unternehmer stehen stellvertretend für die Vielfalt der Berliner Wirtschaft. 

Durch ihre Perspektiven wird deutlich, was der Claim konkret bedeutet – und wie die IHK Berlin Unternehmen tatsächlich unterstützt. 

IHK Berlin. Offizieller Unterstützer der Berliner Wirtschaft.

BW Business Backstage

Reflex Aerospace: Zwischen Start-up-Speed und Weltraumbürokratie

Satellitenbau dauert meist Jahre. Reflex Aerospace will das ändern – und verbindet leistungsfähige Satellitentechnik mit schnelleren Produktionsmethoden. Im Interview spricht Mitgründer und CEO Walter Ballheimer über den Aufbau des Unternehmens, seine Erfolge und die bürokratischen Hürden auf dem Weg ins All.

Von: Katrin Lohse
Reflex Aerospace-Gründer Walter Ballheimer vor einem seiner Satelliten.

Reflex-Aerospace-CEO Walter Ballheimer will Tempo in die Satellitenproduktion bringen.

Drei bis vier Jahre dauert es, bis ein neues Satellitenmodell produktionsbereit ist. Reflex Aerospace will diese Zeit deutlich verkürzen – und neue Satelliten innerhalb eines Jahres fertig entwickeln. „In der Klasse von 500-Kilogramm-Satelliten sind wir schon die Schnellsten“, erzählt Mitgründer und CEO Walter Ballheimer. 

Dafür setzt das 2021 gegründete Berliner Unternehmen auf automatisierte Prozesse und schlanke Abläufe. Dieses Maß an Effizienz sei aber nur möglich, weil das Ganze auf der grünen Wiese erschaffen wurde: „Das wäre aus einem bestehenden Unternehmen heraus, wo viele Prozesse schon verkrustet sind, viel schwieriger gewesen.“

Reflex Aerospace will das Beste aus zwei Welten verbinden: individuell angepasste Satelliten wie in der klassischen Raumfahrt – aber mit dem Tempo von New Space. Das Unternehmen nennt diesen Ansatz „NextSpace®“.

Walter kennt die Branche seit mehr als einem Jahrzehnt. Nach seinem Luft- und Raumfahrttechnikstudium an der TU Berlin gründete er 2014 sein erstes Raumfahrtunternehmen für kleinere Satelliten. Mit Reflex Aerospace stellen er und sein Team jetzt 75 bis 500 Kilogramm schwere Satelliten her, die sowohl für zivile als auch militärische Anwendungen gedacht sind. 

„Gerade angesichts steigender europäischer Investitionen in Verteidigung und Weltraumsicherheit gewinnt dieser Dual-Use-Ansatz an Bedeutung“, sagt er. Den zivilen Kern wolle Reflex Aerospace dennoch behalten. „Alle Firmen, die jetzt alles Zivile abstreifen und nur noch Militärprodukte herstellen, werden eine harte Zeit haben, sich wieder in eine friedliche Welt einzugliedern.“ Uns hat Walter im Interview von den bisherigen Hürden und Höhenflügen des Unternehmens erzählt.

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Wo hat euch Bürokratie am meisten zu schaffen gemacht?

Walter: Für uns sind die besonderen Anforderungen in der Zusammenarbeit mit staatlichen Kundinnen und Kunden herausfordernd. Sie müssen sich gegen Insolvenz absichern und verlangen deshalb Sicherheiten wie eine Bankbürgschaft. 

Wir hatten die Situation, dass ein Projekt vollständig im Voraus bezahlt werden konnte; dafür gewährten wir einen Rabatt. Gleichzeitig mussten wir aber eine Sicherheit hinterlegen, also mussten wir das Geld auf einem Sicherheitskonto parken und das Projekt dann eben doch selbst vorfinanzieren. Dafür musste ich Geld bei Investoren raisen – damit wandert ein Stück Kontrolle vom Gründer zu den Investoren. Ich kann damit leben, aber ich frage mich, ob das im Sinne von staatlichen Kundinnen und Kunden ist.

Das muss man vor allem bei den neuen, riesigen Programmen bedenken. Wenn man von Start-up-Innovation profitieren will, muss man sich überlegen, wie ein Start-up überhaupt ein Programm von Hunderten Millionen Euro Gesamtvolumen bekommen darf, wenn die Rechtslage verlangt: Finanzier das mal vor. Wie sollen wir das machen? Man sollte das zarte Pflänzchen NewSpace nicht durch Regulierung erschlagen.

Reflex Aerospace-Mitarbeitende in einem großen, hellen Büro.

Das Team von Reflex Aerospace baut individuelle Satelliten, ohne jedes Mal bei null anzufangen – und will so die Raumfahrt schneller und skalierbarer machen.

Was waren weitere Herausforderungen?

Walter: Förderprogramme. Die Forschungszulage oder GRW sind gut gedacht. Aber so schön das Geld ist, so wenig kann man damit planen. Wir hatten mehrfach die Mittel in unserer Finanzplanung berücksichtigt. Doch man muss erst investieren, dann die Ausgaben nachweisen und erst danach bekommt man die Förderung zurück – das dauert oft länger als vorgesehen. Entweder ist der zuständige Mitarbeiter im Urlaub oder man erreicht beim Finanzamt niemanden. Ich rechne nicht mehr mit diesen Geldern in meiner Finanzplanung. Wir beantragen sie alle, aber pünktlich kommen sie nie. 

Man sollte das zarte Pflänzchen NewSpace nicht durch Regulierung erschlagen.“
Walter Ballheimer Mitgründer und CEO Reflex Aerospace

Wo seid ihr noch auf Schwierigkeiten gestoßen?

Walter: Bei Visa-Verfahren für unsere internationalen Mitarbeitenden. Das dauert in der Ausländerbehörde teilweise wirklich sehr lange, obwohl es hochqualifizierte Leute sind, die wir dringend brauchen.

Die großen Bürokratie-Herausforderungen kommen tatsächlich erst noch. Das geplante Weltraumgesetz in Deutschland und Europa wird Genehmigungen vorschreiben und damit unsere Entwicklungszeiten ausbremsen. Ein Satellit darf nicht daran scheitern, dass er nicht rechtzeitig genehmigt wird. Deshalb fordern wir, dass Anträge nach einer bestimmten Frist automatisch als genehmigt gelten.

Walter Ballheimer von Reflex Aerospace im Gespräch.

Am Standort Berlin, direkt an der Spree, entwickelt Reflex Aerospace hauptsächlich die Software, in München werden die Satelliten gebaut.

Die 3 größten Pluspunkte des Unternehmertums

Was lief bei Reflex Aerospace leichter als erwartet?

Walter: Die ersten 60 bis 80 Mitarbeitenden zu finden. Wir legen viel Wert darauf, eine Art Eliteuniversität aufzubauen; ein Team, das alle nach oben zieht. Heute arbeiten bei Reflex Aerospace 130 Menschen aus über 25 Nationen. Und obwohl Konzerne oft mehr zahlen können, bleiben sie, weil wir ihnen etwas bieten, das sie dort nicht finden. 

Was ist für dich der größte Gewinn am Gründen?

Walter: Ich stehe jeden Tag mit einem Lächeln auf und teilweise erwische ich mich sogar dabei, lieber auf Arbeit zu sein als zu Hause. Raumfahrttechnik ist etwas Besonderes: Wir bauen an einzigartiger Hochtechnologie in einem noch jungen Feld, in dem man vielleicht sogar Spuren in der Geschichte hinterlassen kann. Für die meisten im Team ist das deshalb kein 9-to-5-Job, sondern mehr – und das macht mich stolz.

Ein Mitarbeiter von Reflex Aerospace bei der Arbeit.

Reflex Aerospace Mission ist es, die Widerstandsfähigkeit kritischer Weltrauminfrastruktur langfristig zu stärken.

Inwiefern profitiert Reflex Aerospace von Berlin als Standort?

Walter: Die TU Berlin ist ein großer Vorteil für uns – wir haben eine gute Beziehung, viele unserer Mitarbeitenden haben dort studiert. Berlin entfaltet gerade im Bereich Software-Entwicklung eine internationale Zugwirkung. Ich kann das direkt mit München vergleichen: Es ist einfacher, Software Engineers in Berlin zu finden, auch wenn man in München höhere Gehälter zahlt. Gehalt scheint nicht alles zu sein. 

Anders sieht es in der Herstellung von Satelliten aus – da ist München etwas besser aufgestellt. Ein großer anderer Vorteil ist natürlich: Berlin ist die Hauptstadt, dadurch ist man näher an der Politik dran. Und die Politik ist für unser Geschäft nicht unwichtig.