Geschichte zum Spielen

Playing History: Wenn Games Geschichte vermitteln

Playing History hilft, Wissen unterhaltsam zu vermitteln. Nach öffentlichen Aufträgen geht das Unternehmen nun an Produkte für den freien Markt.

Von: Almut Kaspar
Zu sehen ist ein junger Mann, mit kurzen dunklen Haaren und einem hellen Hemd. Er schaut lächelnd in die Kamera.

Martin Thiele-Schwez ist Mitgründer und Co-Geschäftsführer der Playing History GmbH.

Eines der ersten Spiele, die sie herausbrachten, war das Brettspiel „Bürokratopoly“. Die Game-Designer Dr. Martin Thiele-Schwez und Michael Geithner, beide 1985 in der DDR geboren, stießen bei Recherchen zur Spielkultur der DDR auf das Original dieses Spiels, das in den 1980er-Jahren im politischen Untergrund kursierte.

„Wir fanden dieses Fundstück so inspirierend, dass wir beschlossen haben, es neu aufzulegen, zu komprimieren und als Bildungsmaterial in Schulen zu bringen“, sagt Thiele-Schwez, Co-Geschäftsführer der 2015 gegründeten Playing History GmbH. „Damit haben wir angefangen, Spiel und Geschichtsvermittlung miteinander zu verbinden – ein Geschäftsfeld, das es damals in dieser Form noch kaum gab.“

Playing History verbindet Game-Design und Geschichtsvermittlung

Diese Arbeit an der Schnittstelle zwischen Bildungsarbeit und Game-Design ist offenbar gefragt: Die schon mehrfach preisgekrönte Firma hat aktuell 13 Beschäftigte, macht einen Jahresumsatz von etwa 1,3 Mio. Euro und realisiert analoge, digitale oder performative Spielideen für Museen, Gedenkstätten, Bildungseinrichtungen oder öffentliche Institutionen.

Zum Beispiel „Tribunal 45“, ein digitales Spiel über die Kriegsverbrecherprozesse von Nürnberg, oder das Brettspiel „Friedrich Ebert – Der Weg zur Demokratie“ über Leben und Wirken des ersten Reichspräsidenten.

Seit der Gründung hat Playing History knapp 40 Spiele und museale Installationen entwickelt, jedes Jahr entstehen mehrere neue Spieleprojekte. „Die meisten unserer bisherigen Veröffentlichungen wurden mittelbar oder unmittelbar aus öffentlichen Geldern finanziert“, sagt Thiele-Schwez, „deshalb sind viele dieser Spiele für die Nutzerinnen und Nutzer kostenlos zugänglich.“

„Es braucht viel Kommunikation, Behutsamkeit und gegenseitiges Vertrauen.“
Dr. Martin Thiele-Schwez Mitgründer und Co-Geschäftsführer der Playing History GmbH

Bildungsspiele für Museen, Gedenkstätten und Schulen

Während die Auftraggeber ihre fachliche, historische oder pädagogische Expertise einbringen, steuert Playing History seine Game-Design- und Produktionskompetenz bei, um aus komplexen Inhalten ein spielerisches Format zu erstellen, das nicht nur korrekt ist, sondern auch inhaltlich trägt und spielerisch überzeugt.

„In einem solchen Arbeitsprozess braucht es viel Kommunikation, Behutsamkeit und gegenseitiges Vertrauen.“

Playing History entwickelt eigene Spiele für den freien Markt

Jetzt will das Unternehmen – mit bereits erhaltenen Mitteln aus der Games-Bundesförderung und vom Medienboard – auch Spiele realisieren, die nicht als Auftragsarbeit entstehen, sondern als eigene Produkte für den freien Markt. „Unserem Markenkern wollen wir dabei treu bleiben“, so Thiele-Schwez, „auch die eigenen Titel werden anspruchsvoll sein, Themen ernst nehmen und trotzdem als Spiele wirklich Spaß machen.“

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