Management & Bildung

ESMT Berlin: Die Business School zieht immer mehr internationale Talente an – auch aus den USA

Die ESMT gewinnt international an Sichtbarkeit. Junge Menschen aus 98 Ländern lernen mittlerweile hier. Auch Studierende und Professoren aus den USA entscheiden sich verstärkt für Berlin. ESMT-Präsident Jörg Rocholl erklärt, warum Wissenschaftsfreiheit, Internationalität und Forschung zum Standortvorteil werden.

Sabine Hölper
Sechs junge Menschen stehen im Halbkreis zusammen. Sie lächeln sich freundlich an.

Mehr als 1.100 Studierende aus 98 Nationen sind gegenwärtig am ESMT eingeschrieben.

Manager fallen nicht vom Himmel. Sie brauchen eine gute Ausbildung. In der European School of Management and Technology, kurz ESMT Berlin, erhalten sie diese laut des Executive Rankings der Financial Times.

In der Rangliste von 2026belegt die ESMT weltweit Platz 4 für maßgeschneiderte Seminare. Damit hat Berlin eine staatlich anerkannte private wissenschaftliche Hochschule mit internationalem Ansehen. 

ESMT in Berlin: 30 Prozent mehr Studierende aus den USA seit 2025

Nach Ansicht von ESMT-Präsident Jörg Rocholl kann die Hochschule in diesen Zeiten aber noch mit etwas viel Wichtigerem punkten: mit der in Artikel 5 des Grundgesetzes verbrieften Freiheit der Wissenschaft, Forschung und Lehre. Diese sei in vielen Ländern der Erde nicht mehr gegeben. 

Daher hat Rocholl Mitte 2025 gemeinsam mit Jens Wüstemann, Präsident der Mannheim Business School, und Christian Andres, dem Dekan der WHU Otto Beisheim School of Management, in einem Handelsblatt-Kommentarinternationale Studierende dazu aufgerufen, in Deutschland zu studieren. „Der Anlass war die Politik von Donald Trump, die die Freiheiten US-amerikanischer Universitäten einschränkt“, sagte der ESMT-Präsident damals.

Wie sieht es heute, also mehr als ein Jahr später, aus?

„Gegenüber 2025 verzeichnen wir 30 Prozent mehr Studierende aus den USA an unserem Campus“, so Rocholl. Ob diese Entwicklung auf die US-Regierung zurückzuführen sei, lasse sich nicht eindeutig feststellen. „Bereits 2025 wurden jedoch in vielen Bewerbungen aus den USA die politische Entwicklung und die Situation an amerikanischen Universitäten als Gründe für ein Studium in Europa genannt“, sagt der ESMT-Präsident.

Seit 2015 hat sich die Zahl der Studierenden aus den USA nach Angaben der ESMT versechsfacht – und stellen inzwischen die fünftgrößte nationale Gruppe an der Hochschule. 

Professor steht mit zwei Studentinnen und zwei Studenten im Gespräch in einem Hörsaal

Jörg Rocholl mit Studierenden der ESMT

Internationalität der ESMT als Alleinstellungsmerkmal

Insgesamt sind derzeit 1.128 Studierende aus 98 Nationen eingeschrieben. Rund zwei Drittel aller Studierenden stammen aus dem Ausland. Doch die ESMT versucht, ihre internationale Studierendenschaft noch weiter auszubauen und Talente aus unterschiedlichen Regionen der Welt für ein Studium in Deutschland zu gewinnen.

Ein Beispiel dafür ist die Initiative „Say JA to Germany“, die die ESMT gemeinsam mit der Mannheim Business School und der WHU – Otto Beisheim School of Management ins Leben gerufen hat. „Als die drei führenden deutschen Business Schools wollen wir so auf unsere Stärken als Studien- und Forschungsstandort hinweisen“, sagt Jörg Rocholl.

Die internationale Ausrichtung zeigt sich dabei nicht nur in der Zusammensetzung der Studierendenschaft, sondern auch in den weltweiten Kooperationen der Hochschule. Im Netzwerk der Partnerhochschulen sind Institutionen aus mehreren Kontinenten vertreten, darunter Yale in den USA, die Indian School of Business und die University of Melbourne in Australien. 

„Hinzu kommt die internationale Expansion. So haben wir beispielsweise unser DEEP – Institute for Deep Tech Innovation nach Katar gebracht und verbinden mit DEEP Qatar künftig die Innovationsökosysteme von Berlin und Doha“, so Jörg Rocholl.

Foto von Jörg Rocholl, Präsident der internationalen Wirtschaftshochschule ESMT Berlin.
„Die Internationalität ist eines der herausragenden Merkmale der ESMT. Etwas Vergleichbares gibt es sonst nirgends in Deutschland.“
Jörg Rocholl Präsident

Seit zwei Jahrzehnten Wirtschaftshochschule in Berlin

Die ESMT blickt auf eine 20-jährige Geschichte zurück: 2002 wurde sie von 25 global tätigen Unternehmen gegründet, 2006 nahm der Betrieb auf. Das Angebot umfasst Master-, MBA- und PhD-Studiengänge sowie Managementweiterbildungen. Neben den Studierenden spricht die ESMT auch Führungskräfte an, die sogenannte Executive Education Programme belegen können – 3.380 nehmen dieses Angebot jedes Jahr wahr.

Die Internationalität sei eines der herausragenden Merkmale der ESMT. „Etwas Vergleichbares gibt es sonst nirgends in Deutschland“, sagt Präsident Jörg Rocholl. Aus diesem Grund ist Rocholl 2007 auch nach acht Jahren in den USA nach Berlin gekommen. „In den USA wurde ich laufend gefragt, warum es in Deutschland keine international renommierte Business School gibt.“ Als sie dann plötzlich im Entstehen war, „hat es mich angetrieben, sie mitzugestalten und weiterzuentwickeln“.

Ein heller Hörsaal mit Studierenden und einem Dozenten

Vorlesung in einem Hörsaal der ESMT

Internationale Lehrende an der ESMT – auch vermehrt aus den USA

Auch beim Lehrkörper baut die ESMT ihre internationale Ausrichtung weiter aus. Insgesamt lehren 49 Professorinnen und Professoren aus 18 Nationen an der Hochschule, der Unterricht findet überwiegend auf Englisch statt. Zuletzt konnten auch Lehrende aus den USA für die ESMT gewonnen werden.

Einige haben bereits an die Berliner Hochschule gewechselt. Dazu zählen Rebecca Schaumberg von der von der Wharton School der University of Pennsylvania sowie ein Michael Weber von der University of Chicago Booth School of Business. „Das Interesse von Professorinnen und Professoren aus den USA an der ESMT ist weiterhin hoch, und wir bleiben offen für weitere Gespräche“, sagt Rocholl.

Die inhaltlichen Schwerpunkte der ESMT liegen auf Innovation, Führung und Analytics. Das ist insbesondere für jene interessant, die ein Unternehmen gründen oder leiten wollen. Ferner ist die Business School führend im Bereich Forschung, welche laut Rocholl „eine wesentliche Voraussetzung für die Qualität der Lehre ist“. 

Um dies zu gewährleisten, „holen wir die besten Professoren zu uns, sie veröffentlichen in den renommiertesten Publikationen wie etwa dem Journal of Finance oder der American Economic Review“, sagt er. 

Die Außenansicht des Gebäudes, in dem die ESMT sitzt. Aufgenommen von einer Drohne.

Außenansicht der ESMT: Die Business School sitzt im ehemaligen Staatsraatsgebäude in Mitte

ESMT-Gebäude mit historischer Tiefe

Außerdem sitzt die Business School im ehemaligen Staatsratsgebäude. Hier wurde Erich Honecker zum Staatschef ernannt und auch wieder abgesetzt. Und was mancher nicht weiß: Hier regierte der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder von 1999 bis 2001. Er war es im Übrigen auch, der sich gemeinsam mit dem damaligen Berliner Regierenden Klaus Wowereit für den Einzug der ESMT in die einstige DDR-Zentrale einsetzte.

In der Folge sanierte der Berliner Architekt Hans-Günter Merz das Gebäude aufwendig, aber behutsam. Was er damals noch nicht ahnen konnte: dass die Lernenden und und Lehrenden heute auf die Fassade des Humboldt-Forums blicken können. 

Personal
45
Lehrkräfte
aus 20 Ländern vermitteln die Inhalte an Studierende und Führungsräfte.
Studierende
100
Nationen
sind aktuell unter den rund 1.000 Studierenden repräsentiert.

Wie finanziert sich die ESMT in Berlin?

Die Finanzierung der Wirtschaftshochschule steht laut Jörg Rocholl auf drei Haupt-Säulen:

  1. Studiengebühren: Ein 24-monatiger Master im „Global Management“ kostet 38.000 Euro, sofern die Studierenden kein Stipendium erhalten.
  2. Weiterbildung: Eine zweite Einnahmequelle sind die Gebühren für Weiterbildungsprogramme. Diese werden teilweise von den Arbeitgebern der Teilnehmer übernommen.
  3. Stiftungsvermögen: Weitere Einnahmen stammen aus Stiftungslehrstühlen und den Erträgen des Stiftungsvermögens. Unterstützt wird die ESMT von zahlreichen Unternehmen. Zu den Gründungsunternehmen zählen unter anderem Allianz, Deutsche Bank, Siemens und KPMG.