IHK Berlin. Offizieller Unterstützer der Berliner Wirtschaft.

Nach einer aufmerksamkeitsstarken Teaserphase geht die Kampagne der IHK Berlin in die nächste Stufe. Mit „WTF is IHK?“ wurde bewusst Neugier geweckt und Gespräche angestoßen.

Jetzt löst die Kammer diese Frage auf – klar, sichtbar und mit Haltung. 

Die Unternehmer stehen stellvertretend für die Vielfalt der Berliner Wirtschaft. 

Durch ihre Perspektiven wird deutlich, was der Claim konkret bedeutet – und wie die IHK Berlin Unternehmen tatsächlich unterstützt. 

IHK Berlin. Offizieller Unterstützer der Berliner Wirtschaft.

Nachhaltiges Wirtschaften

ESG & Nachhaltigkeit: Was die neuen Vorgaben für Berliner KMU bedeuten

Auch kleine und mittlere Unternehmen müssen zunehmend strukturierte Nachhaltigkeitsinformationen vorlegen können. Welche Entwicklungen Berliner Unternehmen jetzt kennen sollten und wie sie die ESG-Thematik strategisch nutzen können.

Von: Sirka Sander
Blick auf einen Wald, darübergelegt sind Symbole zum Thema Nachhaltigkeit.

ESG in Unternehmen: Herausforderung besteht darin, Anforderungen zu verstehen – und die notwendigen Informationen zusammenzutragen.

Viele Berliner KMU haben derzeit andere Sorgen: steigende Kosten, Fachkräftemangel, schwache Konjunktur und jede Menge Unsicherheit. Da wirkt ESG für viele Unternehmen zunächst wie die nächste Aufgabe auf einer ohnehin schon langen Liste.

ESG: Druck kommt aus dem Markt heraus

Zwar wurden die direkten Berichtspflichten für viele kleinere Unternehmen zuletzt reduziert, gleichzeitig kann eine frühzeitige Beschäftigung mit ESG Unternehmen aber dabei helfen, Risiken zu erkennen, Wettbewerbsvorteile zu sichern und sich auf künftige Anforderungen vorzubereiten.

„ESG-Themen werden vor allem deshalb relevanter, weil sich der Druck zunehmend vom Gesetzgeber in den Markt verlagert“, sagt Björn Barutzki, Fachkoordinator Nachhaltigkeit im Bereich Gründung, Start-ups & Nachhaltigkeit bei der IHK Berlin. Denn Banken, Kunden und Auftraggeber erwarten zunehmend strukturierte Nachhaltigkeitsinformationen, die über Finanzierung, Aufträge und Förderzugang mitentscheiden können. 

Für Berliner KMU stellt sich deshalb die Frage: Welche Anforderungen kommen tatsächlich auf sie zu und wie können sie die ESG-Thematik nutzen, um ihre Zukunftsfähigkeit zu stärken?

Was bedeutet ESG?

ESG steht für die englischen Begriffe Environmental, Social and Governance – also Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Die ESG-Kriterien wurden unter anderem durch Initiativen der Vereinten Nationen geprägt und dienen heute weltweit als Orientierungsrahmen für nachhaltiges Wirtschaften.

Sie sollen Unternehmen dabei helfen, ihre Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft ebenso in den Blick zu nehmen wie Fragen guter Unternehmensführung. Dabei geht es nicht nur um die Interessen des Unternehmens selbst, sondern auch um den verantwortungsvollen Umgang mit verschiedenen Stakeholdern, etwa Mitarbeitenden, Kundinnen und Kunden, Lieferanten oder Finanzierungspartnern.

Die drei Bereiche umfassen unter anderem:

  • Environmental: Klimaschutz, Energieeffizienz, Ressourceneinsatz, Recycling, Abfallmanagement und der Umgang mit Emissionen.
  • Social: Arbeitsbedingungen, Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz, Menschenrechte, Diversity sowie der Umgang mit Mitarbeitenden, Kundschaft und Lieferanten.
  • Governance: Transparenz, ethisches Handeln, Compliance, Risikomanagement und die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben.

ESG-Vorgaben: Diese Anforderungen sollten Berliner KMU kennen

Mit dem sogenannten Omnibusverfahren wurden die Berichtspflichten der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) zuletzt für viele Unternehmen reduziert. Die europäische Richtlinie regelt, welche Unternehmen über Nachhaltigkeitsthemen berichten müssen und welche Informationen dabei offengelegt werden müssen.

Für viele KMU entfällt durch das Omnibusverfahren zwar die direkte Berichtspflicht, ganz vom Tisch ist das Thema damit jedoch nicht. „Auch nicht berichtspflichtige KMU müssen zunehmend ESG-Daten liefern – etwa gegenüber Banken, Partnerunternehmen in der Lieferkette oder Auftraggebern“, so Barutzki. Wer relevante Daten frühzeitig erfasst und dokumentiert, ist besser auf solche Anfragen vorbereitet. 

Auf einen Blick: Nachhaltigkeits- und ESG-Begriffe kurz erklärt

  • CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive)Die EU-Richtlinie regelt die Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen. 
  • VS (Voluntary Sustainability Reporting Standard): Ein freiwilliger Berichtsstandard, der insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen als Orientierung dienen kann. Er hilft dabei, Nachhaltigkeitsinformationen strukturiert zu erfassen und bereitzustellen.
  • PPWR (Packaging and Packaging Waste Regulation): Die neue EU-Verpackungsverordnung soll Verpackungsabfälle reduzieren und höhere Anforderungen an Recyclingfähigkeit, Wiederverwendbarkeit und Ressourceneffizienz schaffen.
  • EmpCo-Richtlinie: Die Richtlinie soll irreführende Nachhaltigkeits- und Umweltaussagen stärker regulieren und Greenwashing erschweren.
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Die größten Hürden bei der Umsetzung von ESG

In der praktischen Umsetzung stoßen viele Unternehmen derzeit vor allem auf zwei große Hürden: die fehlende Standardisierung und den hohen Umsetzungsaufwand. Konkret heißt das: Banken, Kunden und Geschäftspartner fragen unterschiedliche Nachhaltigkeitsdaten ab, deren Erfassung Zeit und Ressourcen kostet. 

„Unternehmen sehen sich mit uneinheitlichen Fragebögen, unterschiedlichen Anforderungen und einer hohen Datentiefe konfrontiert – gleichzeitig fehlt es oft an Zeit und personellen Ressourcen“, fasst Barutzki zusammen.

ESG-Themen werden vor allem deshalb relevanter, weil sich der Druck zunehmend vom Gesetzgeber in den Markt verlagert.“
Björn Barutzki Fachkoordinator Nachhaltigkeit IHK Berlin

Für viele Unternehmen besteht die Herausforderung nicht nur darin, die Anforderungen zu verstehen, sondern auch darin, die notwendigen Informationen zusammenzutragen. Wer sie systematisch erfassen will, muss Zuständigkeitenklären, Prozesse aufbauen und Daten zusammenführen. 

ESG strategisch nutzen: Welche Chancen sich für KMU ergeben

Trotz des zusätzlichen Aufwands kann die Beschäftigung mit ESG Unternehmen konkrete Vorteile bringen. Wer Energieverbräuche, Lieferketten oder Materialeinsätze systematisch erfasst, erkennt häufig schneller, wo Kosten entstehen, Ressourcen verschwendet werden oder Risiken bestehen. Die gewonnenen Daten können helfen, Investitionen gezielter zu planen und betriebliche Abläufe zu verbessern. Gleichzeitig steigt die Transparenz gegenüber Kunden, Banken und anderen Geschäftspartnern.

„Der zentrale Mehrwert liegt dabei weniger im Reporting selbst als in den Verbesserungen, die dadurch im Unternehmen angestoßen werden“, sagt Barutzki. Nachhaltigkeit wird damit nicht nur zu einer regulatorischen Anforderung, sondern kann auch dazu beitragen, Unternehmen zukunftsfähiger und widerstandsfähiger aufzustellen.

Checkliste: Schritt für Schritt zur ESG-Strategie

  1. Doppelte Wesentlichkeitsanalyse durchführen: Welche Nachhaltigkeitsthemen sind für das Unternehmen besonders relevant?
  2. Prioritäten setzen: Die wichtigsten Handlungsfelder festlegen und realistische Ziele definieren.
  3. Zuständigkeiten klären: Verantwortlichkeiten im Unternehmen festlegen.
  4. Daten zusammentragen: Bereits vorhandene Informationen zu Energieverbrauch, Lieferketten oder sozialen Aspekten erfassen.
  5. Prozesse schrittweise aufbauen: ESG in bestehende Abläufe integrieren und die Maßnahmen nach und nach erweitern.
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ESG-Unterstützung für KMU durch die IHK Berlin

Die IHK Berlin bietet Unternehmen eine erste Orientierung und unterstützt dabei, Nachhaltigkeitsthemen praxisnah anzugehen. In Erstgesprächen können Unternehmen individuelle Herausforderungen besprechen gibt es verschiedenen Veranstaltungs- und Netzwerkangebote der IHK Berlin

Ein Beispiel ist der Roundtable für Nachhaltigkeitsbeauftragte, den die IHK Berlin gemeinsam mit Partnern wie Berlin Partner und der Koordinierungsstelle für Kreislaufwirtschaft, Energieeffizienz und Klimaschutz im Betrieb (KEK) organisiert. Netzwerke wie das Berliner Bündnis für Biodiversität sollen Unternehmen darüber hinaus unterstützen, konkrete Nachhaltigkeitsmaßnahmen in die Praxis zu übertragen. 

Porträt von Björn Barutzki
Björn Barutzki
Fachkoordinator Nachhaltigkeit Bereich "Gründung, Start-ups & Nachhaltigkeit"