Vertikale Mobilität

Berlin barrierefrei: Wie KI Aufzug-Störungen lange vor dem Stillstand erkennt

Unterwegs mit Koffer oder Kinderwagen, Rollstuhl oder Rollator: Ist der Fahrstuhl defekt, endet der Weg oft im Erdgeschoss. KI hilft, Ausfälle zu vermeiden – und Barrierefreiheit zu gewährleisten.

Von: Laura Dörling
Ein Aufzug an der U-Bahn-Station Museumsinsel in Berlin.

Berlins Aufzüge kämpfen regelmäßig mit Störungen. Künstliche Intelligenz soll für mehr Barrierefreiheit sorgen.

Des einen Komfort, des anderen Kernvoraussetzung: Aufzüge gehören zur technischen Gebäudeausrüstung und sind zugleich Teil der Barrierefreiheits- und Verkehrsinfrastruktur. Doch: 2025 hatten 11,3 Prozent der von TÜV Rheinland in Berlin untersuchten Aufzüge erhebliche Mängel. Störung vorprogrammiert?

Aufzug außer Betrieb: S-Bahn-Fahrstuhl-Störung lässt sich vermeiden

Jeden Monat kommt es im Schnitt zu 10.000 Aufzug-Störungen in Berlin. Das betrifft auch den ÖPNV. 2025 wurden 1.700 Fahrstuhl-Störungen von der BVG registriert – die allermeisten davon sind noch am selben Tag behoben. Trotzdem kann eine einzelne Störung im ÖPNV die gesamte Wegekette unterbrechen.

Barrierefreiheit ist daher nicht nur eine Frage des Einbaus, sondern auch der dauerhaften Verfügbarkeit. Stichwort Predicitve Maintenance: Die vorausschauende Wartung soll technische Probleme erkennen, bevor sie zu einem ungeplanten Stillstand führen. 

Ullrich Grommann, Niederlassungsleiter beim Aufzug-Spezialisten HUNDT CONSULT, weiß, wie KI dabei unterstützt: „Die KI ist heute Standard bei der Prozessoptimierung und Datenanalyse. Die Entwicklung wird signifikante Verbesserungen bei der Instandhaltung, Instandsetzung und bei der Verringerung von Stillstandzeiten herbeiführen.“ 

Porträt von Ullrich Grommann
„In Büro- und Wohngebäuden mit bis zu 10 Haltestellen lassen sich die Wartungen von viermal pro Jahr auf durchschnittlich 1,5-mal senken.“
Ullrich Grommann Niederlassungsleiter HUNDT CONSULT

KI-Sensoren in Aufzügen erfassen Bewegungen von Fahrstuhl und Türen. „Durch die kontinuierliche Beobachtung von Bewegungsdaten können Unregelmäßigkeiten erkannt werden, bevor es zu einem Stillstand kommt. Das Erhöht die Verfügbarkeit von Aufzügen,“ so Grommann. 

Daten analysieren, Defekten vorbeugen: Drei Gründe für intelligente Aufzüge

  1. Bedarfsorientierung: Statt starre Wartungsintervallen einzuhalten, können Betreiber anhand der KI-Daten stärker auf den tatsächlichen Zustand einer Anlage reagieren. Das spart laut Grommann Geld und erhöht die Qualität, denn „nach jeder Wartung steigt die Wahrscheinlichkeit, dass technische Probleme auftreten und ein Aufzug ausfällt.“ In Büro- und Wohngebäuden mit bis zu 10 Haltestellen ließen sich die Wartungen von viermal pro Jahr auf durchschnittlich 1,5-mal senken.
  2. Reaktionsfähigkeit: Türstörungen können schon Tage vor dem tatsächlichen Ausfall erkannt werden. Frühzeitiges Handeln beschleunigt die Wiederverfügbarkeit der Aufzüge nach Störungen – beispielsweise, wenn auf ein Ersatzteil aus Übersee gewartet werden muss.
  3. Transparente Kosten:  Kosten-Kalkulationen für anstehende Sanierungsarbeiten werden zuverlässiger, die Budgetplanung basiert dann auf den Daten der KI. Plus: Überraschende Reparaturkosten für ungeplante Aufzugsausfälle entfallen. 

HUNDT CONSULT begleitet das Liftmanagement der GSG Berlin, etwa hier in der Geneststraße am Südkreuz.

Berlin will hoch hinaus: Fünf Fakten über Fahrstühle

Die Fülle an (KI-)Daten liefert überraschende Zahlen zu Berliner Aufzugsanlagen. Ullrich Grommann teilt das Insider-Wissen von HUNDT CONSULT:

  1. In Berlin gibt es rund 35.000 Fahrstühle.
  2. Das Risiko, im Fahrstuhl stecken zu bleiben, ist in Berlin doppelt so groß wie in Frankfurt am Main. „Prinzipiell ist das Risiko aber verschwindend gering,“ meint Ullrich Grommann.
  3. Ein klassischer Wohnhausaufzug ist etwa 1 bis 1,6 m/s schnell und legt bei einem mittleren Wohnhaus ca. 3 km pro Tag zurück. In Bürogebäuden sogar noch mehr. Hochfrequentierte Bürohausaufzüge können leicht 75 Kilometer pro Tag zurücklegen.
  4. Auf 100.000 Fahrten ist in Berlin mit rund sechs Störungen zu rechnen. Der häufigste Defekt von Fahrstühlen sind Störungen an den Türen.
  5. Eine durchschnittliche Aufzugsanlage für ein sechsstöckiges Wohngebäude kostet ca. 95.000 Euro beim Einbau. Der LIFT GUARDIAN von HUNDT kostet zuzüglich 40 Euro im Monat.
Wegweiser im Aktendschungel: Wie das KI-Tool Haystack Verwaltung und Verteidigung entlastet
Zu sehen ist ein hoher Stapel aus Papierdokumenten vor blauem Hintergrund, der sich zur rechten Seite in digitale Datenlinien und Symbole wie Schloss, Schutzschild, Dokument und Cloud auflöst.
KI für den öffentlichen Sektor Wegweiser im Aktendschungel: Wie das KI-Tool Haystack Verwaltung und Verteidigung entlastet
Lesezeit: 4 Minuten
Julia Frese
Wenn der Steuerberater einen KI-Kollegen bekommt
Animierte Arbeit am Laptop mit KI- und Steuersymbolen
Buchhaltung mit KI Wenn der Steuerberater einen KI-Kollegen bekommt
Lesezeit: 3 Minuten
Laurenzia Kiesche
Wie der KI-Boom den Standort antreibt
Digital Health Berlin Wie der KI-Boom den Standort antreibt
Lesezeit: 4 Minuten
Christian Buck

An der Barrierefreiheit sparen? Nein, aber unnötigen Aufwand vermeiden

Berlin wächst nach oben, vertikale Mobilität könnte kritisch werden. Für zuverlässige Aufzugsanlagen ist das Zusammenspiel aus Planung, Technik und Betrieb entscheidend. KI-Überwachung hilft, Wartungsfenster besser zu koordinieren, Reparaturen gezielter vorzubereiten – und Teilhabe zu gewährleisten.

„Bei einem Stillstand entscheidet nicht nur die Höhe der Reparaturkosten, sondern auch die Dauer bis zur Wiederverfügbarkeit der Anlage, wie man idealerweise vorgeht“. Einsparpotenzial liege laut Grommann ganz einfach in der Frage, ob sich Bauteile reparieren lassen, statt reflexartig den Austausch durch Neuware zu beauftragen.“ Lieferzeiten für Ersatzteile können Wochen betragen. In vielen Fällen würde eine zeitlich und finanziell deutlich weniger aufwändige Reparatur reichen. Der wirtschaftliche Effekt sei erheblich.

HUNDT CONSULT

HUNDT CONSULT ist seit 1973 Spezialist für Aufzüge und Fahrtreppen. Neubau, Modernisierung, Wartung und Betrieb: Nach eigenen Angaben betreut das Unternehmen mehr als 65.000 Anlagen in Deutschland, Österreich und den Niederlanden.