Standortentwicklung

Zukunftsort in Tegel: Wo steht Berlin bei der Urban Tech Republic

Es ist ruhiger geworden um die Urban Tech Republic. Wo steht Berlin bei der Entwicklung des neuen Standorts für Wirtschaft, Forschung und Wohnen? Wir fassen den aktuellen Stand zusammen.

Von: Mateusz Hartwich
Zu sehen ist eine Visualisierung der zukünftigen Nutzung der früheren Flughafengebäude in Tegel

So stellen sich die Planer den früheren Flughafen als Zukunftsort vor

Bei einem Thema sind sich im Grunde alle einig: Die Nachnutzung des ehemaligen Flughafenareals kann wegweisend für die Stadtentwicklung in Berlin sein. Wenn da nicht die Angst mitschwingen würde, TXL könnte nach ICC und Tempelhof eine weitere vertane Chance werden.

Für einen Zukunftsort stand Tegel zuletzt zu sehr für Selbstbeschäftigung. Im Frühjahr 2026 wurde bekannt gegeben, dass Gudrun Sack die Doppelspitze des landeseigenen Unternehmens Tegel Projekt (neu: Berlin TXL Management GmbH) verlässt, nun meldete der Tagesspiegel, dass auch Co-Geschäftsführer Frank Wolters zum Jahresende geht. Dabei darf angenommen werden, dass der Senat lieber andere Meldungen der letzten Wochen in den Vordergrund stellen würde: den Beginn des Umbaus des früheren Terminals A zur Hochschule, die Vergabe erster Grundstücke an interessierte Unternehmen, oder den Baustart fürs neue Wohnquartier.

Tegel Projekt mit neuer Ausrichtung in der Geschäftsführung
Foto von dem Tegel Tech Campus
Personalie Tegel Projekt mit neuer Ausrichtung in der Geschäftsführung
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Sebastian Stietzel warnt: Verpasst Berlin mit Tegel seine größte Zukunftschance?
Auf dem Bild ust ein Mann mit Brille und blauem Anzug zu sehen, der in einer futuristisch anmutenden Halle steht.
Bürokratie bremst Innovationsstandort Tegel Sebastian Stietzel warnt: Verpasst Berlin mit Tegel seine größte Zukunftschance?
Sebastian Stietzel

Das entsteht auf dem ehemaligen Flughafen Tegel

Was für die meisten einfach “Tegel” ist, das Gelände des ehemaligen West-Berliner Flughafens TXL, setzt sich aus mehreren Elementen zusammen:

  • Urban Tech Republic: Standort für innovative Wirtschaft - über 40 Unternehmen wurden angesiedelt, sie nutzen 34.000 Quadratmeter bestehender Flächen zuzüglich eines großen Freiraums für innovative Mobilitätskonzepte, wissenschaftsbasierte Start-ups und andere;
  • Campus TXL: damit ist hauptsächlich der Umbau des Terminals A (das Sechseck, auch bekannt aus dem Berliner “Tatort”) als Erweiterung der Berliner Hochschule für Technik aus Wedding gemeint, offizieller Baubeginn war im Sommer 2026, eine Fertigstellung wird frühestens 2031 erwartet;
  • Schumacher Quartier: ein neues Wohngebiet auf den Freifeldern des TXL-Areals (46 Hektar) mit mehr als 5.000 Wohnungen, im September startete die erste Bauphase.

Zusätzlich entsteht auf 152 Hektar Fläche die “Tegeler Stadtheide”, ein Natur- und Landschaftsschutzgebiet.

Zu sehen ist eine Visualisierung des zukünftigen Nutzungsplans des TXL-Geländes

Visualisierung der zukünftigen Nutzungen des TXL-Geländes

Die Zukunft nicht verpassen

Es bleibt abzuwarten, ob der neue Senat den Ehrgeiz aufbringen wird, das Projekt weiter zu entwickeln. Schon im Herbst 2025 sah IHK-Präsident Sebastian Stietzel die Gefahr, dass Tegel “ein Standort mit enormem Potenzial, aber ohne klare Perspektive” bleiben könnte. Ohne den notwendigen politischen Willen “droht Tegel zum nächsten Kapitel in der langen Geschichte unvollendeter Berliner Großprojekte zu werden”, warnte er.

Aus der Zivilgesellschaft kam die Idee, TXL bei der geplanten EXPO 2035 einzubinden. Trotz einiger wohlmeinender Reaktionen aus der Politik, sind Berlins Pläne für eine Weltausstellung kaum weitergekommen. Wird sich die Hauptstadt offiziell bewerben? Eventuell gemeinsam mit Brandenburg? Bevorzugen die politischen Entscheider den Standort Schönefeld? Kurz bevor die Weichen für die nächsten fünf Jahre gestellt werden, sind viele Frage offen und ein verbindliches Commitment bleibt aus.

Das Problem des politischen Willens und der richtigen Prioritäten sieht auch Sebastian Stietzel so: “Solange es vom Berliner Haushalt abhängt, wird es immer noch Unverlässlichkeiten und Verzögerungen geben”. Für ihn könnten Öffentlich-Private-Partnerschaften (PPP) die Lösung sein, wofür es bereits einige erfolgreiche Beispiele in Deutschland gibt. Ob sich der neue Senat das zutraut, bleibt abzuwarten.