Buchhaltung mit KI

Wenn der Steuerberater einen KI-Kollegen bekommt

Künstliche Intelligenz eröffnet neue Möglichkeiten für Buchhaltung und Steuerberatung. Doch längst nicht alles lässt sich automatisieren. Wo KI heute schon hilft – und wie das Start-up Limetax daraus ein Geschäftsmodell formte.

Von: Laurenzia Kiesche
Animierte Arbeit am Laptop mit KI- und Steuersymbolen

Effizienz steigern: KI-Tools können insbesondere bei wiederkehrenden und datenintensiven Arbeitsschritten unterstützen.

Laut einer Umfrage des Münchner ifo Instituts setzen rund 55 Prozent der Unternehmen Künstliche Intelligenz in ihren Geschäftsprozessen ein – 15 Prozent mehr als noch 2025. Zwar wird KI in unterschiedlichen Arbeitsabläufen eingesetzt, kann aber vor allem bei Routineaufgaben helfen.

Limetax: 36 Millionen für KI-Start-up aus Berlin

Auch in der Buchhaltung kann KI bereits heute unterstützen oder Aufgaben teilweise übernehmen. Besonders relevant ist das vor allem für kleine und mittelständige Unternehmen (KMU), die keine eigene Steuerabteilung haben. Sie müssen sich entweder selbst den Bürokratiedschungel kämpfen, oder lagern diese Aufgaben an eine Steuerkanzlei aus.

Genau da setzt auch das aufsteigende Start-up Limetax an. Anders als herkömmliche Steuer-Tools richtet sich Limetax nicht direkt an die Kundinnen und Kunden, sondern unterstützt Steuerkanzleien mit digitalen Werkzeugen und KI. So sollen die Kanzleien ihre Mandanten besser betreuen können.

Das Berliner Start-up baut eine Gruppe aus bestehenden Steuerkanzleien auf und stellt ihnen zentrale Technologie für wiederkehrende Aufgaben zur Verfügung. „Bei einer Limetax-Kanzlei bekommen Mandanten eine Kombination, die heute noch nicht selbstverständlich ist: persönliche Betreuung, moderne digitale Prozesse und der gezielte Einsatz von KI im Hintergrund,“ sagt Christoph Gamon, einer der Gründer sowie CEO von Limetax.  

Inzwischen hat das Start-up 36 Millionen Euro für den Ausbau erhalten – unter anderem von Investoren wie Ex-Bundesfinanzminister Christian Lindner und einem Konsortium deutscher Banken.

KI-gestützte Buchhaltung und Steuertools: Macht KI das Steuerbüro überflüssig?

In der Online-Veranstaltung der IHK Berlin am Donnerstag, den 15. Oktober 2026, von 10 bis 12 Uhr, klären TaxTech-Experten zu KI-gestützter Buchhaltung und Steuertools auf und liefern praxisnahe Einblicke:

  • Dr. Roger Gothmann, Geschäftsführer und Co-Founder der Taxdoo GmbH
  • und Dr. Mathias Hildebrandt, Geschäftsführer der Immunitas Digital Steuerberatungsgesellschaft mbH

Die Teilnahme ist für IHK-Mitglieder kostenfrei – hier geht es zur Anmeldung.

Die GF von Limetax, Christoph Gamon, Christoph Dansard und Maximilian Meyer.

Berliner Gründer auf Erfolgskurs: Christoph Gamon, Christoph Dansard und Maximilian Meyer von Limetax.

Limetax bezeichnet seine Lösung als „agentische Plattform“. Sie setzt auf DATEV, einer Software für Steuerberater und Unternehmen, auf und nutzt verschiedene KI-Agenten, die bei Routineaufgaben unterstützen sollen. 

„Wir bieten Steuerberatung und sind keine Alternative zu Buchhaltungssoftware. Unsere eigene Technologie kommt dort zum Einsatz, wo die steuerliche Arbeit beginnt: Sie unterstützt beispielsweise bei der Jahresabschlusserstellung, einreichen von Steuererklärungen, Buchen von Rechnungen, bei Prüfungen und der Strukturierung von Informationen“, so Gamon.

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Doch was kann KI konkret bereits übernehmen? „KI kann heute insbesondere bei wiederkehrenden und datenintensiven Arbeitsschritten unterstützen“, so Gamon. Dazu gehören etwa die Erfassungund Zuordnung von Belegen, das Erstellen von Buchungsvorschlägen, das Strukturieren von Unterlagen, das Erkennen von Auffälligkeiten oder die Unterstützung bei fachlichen Recherchen.

KI in der Steuerberatung: Technologie unterstützt, Menschen entscheiden

Aber KI wird den Beruf des Steuerberaters nicht ganz ersetzen können. Christoph Gamon zufolge liegen die Grenzen von KI überall dort, wo Erfahrung, Abwägung und ein Verständnis für den individuellen Kontext eines Unternehmens gefragt sind. „Steuerliche Gestaltung, komplexe Sachverhalte oder wichtige unternehmerische Entscheidungen gehören in die Hände erfahrener Berater.“ 

Denn ein Fehler in der Buchhaltung ist nicht nur ein kleiner Ausrutscher: Er kann beispielsweise in die Steuererklärung einfließen und dazu führen, dass die Steuerlast eines Unternehmens falsch berechnet wird. Die Verantwortung dafür trägt aber nicht die KI, sondern die zuständige Steuerkanzlei beziehungsweise der verantwortliche Steuerberater.

„Unser Ansatz ist deshalb klar: Technologie unterstützt die Arbeit unserer Experten, ersetzt sie aber nicht. Und wenn für eine Fragestellung zusätzliche Expertise erforderlich ist, können unsere Kanzleien auf Spezialisten innerhalb der Limetax Gruppe in ganz Deutschland zurückgreifen“, sagt Gamon. Die fachliche Kontrolle bleibe immer bei den Experten.

Datenschutz bei KI-Einsatz beachten

Zwar kann KI viele Aufgaben im Hintergrund übernehmen, die Verantwortung für die Beratung bleibt jedoch beim Steuerberater oder der Steuerberaterin – oder beim Unternehmen selbst, wenn es seine Buchhaltung eigenständig führt.

Besonders beim Einsatz externer KI-Dienste spielt der Datenschutz eine wichtige Rolle. Rechnungen, Gehaltsdaten oder Bankverbindungen können personenbezogene Daten enthalten. Unternehmen sollten daher darauf achten, welche Daten sie an einen Anbieter weitergeben und wie dieser damit umgeht. Je nach Einsatz können dabei unter anderem die Vorgaben der DSGVO, der GoBD und des EU AI Acts relevant sein.

KI kann also Arbeit abnehmen, aber nicht die Verantwortung für das Ergebnis.