Gastronomie & Robotik

Kochroboter in Berlin: Vom Pilotprojekt zum Geschäftsmodell

Kochroboter sollen künftig vor allem in der Systemgastronomie für effizientere Abläufe sorgen. In Berlin testet Persobots erste Systeme. Ein anderes Berliner Unternehmen zeigt, wie schwierig der Sprung vom Prototyp in den Markt sein kann.

Von: Jana Illhardt
Zwei Männer schauen zum CA-1-Kochroboter von Circus. Der Kochroboter füllt gerade eine Speise in einen Behälter ab.

Der CA-1 des Food-Tech-Unternehmens Circus ist einer der ersten KI-Roboter für vollständig autonome Mahlzeitenproduktion.

Pommes frittieren, Burger-Komponenten vorbereiten oder Gerichte portionsgenau zusammenstellen: Was für Küchenpersonal aus vielen einzelnen Handgriffen besteht, lässt sich aus Sicht der Robotik in standardisierte Prozesse zerlegen.

Genau hier setzen Kochroboter an. Statt humanoider Maschinen mit Kochmütze entstehen vor allem spezialisierte Anlagen, die einzelne Arbeitsschritte oder ganze Produktionsketten automatisieren.

In Berlin will die Persobots GmbH daraus ein Geschäftsmodell machen. Das Unternehmen entwickelt Roboterküchen für die Gastronomie und startet bewusst mit einem Prozess, der sich besonders gut standardisieren lässt: dem Frittieren. Die erste Anlage namens Frynius soll noch 2026 unter realen Bedingungen getestet werden. „Frynius ist unsere erste Roboterküche für die autonome Produktion frittierter Speisen. Weitere Module, etwa zum Toasten von Buns und Panieren von Hähnchen, werden folgen“, erklärt Geschäftsführer Ibrahim Buge.

Persobots testet Kochroboter in Berliner Restaurants

Persobots hat dafür zwei Partner aus der Berliner Gastronomie gefunden. „Wir konnten einen Berliner Burger- und einen Fried-Chicken-Gastronomen gewinnen. Bis Jahresende werden beide Pilotprojekte im Restaurantbetrieb erprobt“, so Buge. 

Das Prinzip dahinter reicht über einen einzelnen Roboterarm hinaus. Persobots entwickelt mit PB-Core OS eine Software, die verschiedene Arbeitsschritte innerhalb der Küche koordinieren soll – von eingehenden Bestellungen bis zur zeitlichen Abstimmung der Zubereitung.

Nach Angaben des Unternehmens sollen Mitarbeitende dadurch vor allem beim Zusammenstellen und Ausgeben der Speisen benötigt werden.

Blick auf den FRYNIUS-Kochroboter von Persobots.

Automatisiertes Frittieren: Frynius ist die erste Roboterküche des Berliner Unternehmens Persobots.

Entscheidend ist die Kombination ausMechanik, Sensorik und Software. Systeme können beispielsweise Bestellungen verarbeiten, Zutaten portionieren, Garzeiten steuern oder mehrere Zubereitungsschritte koordinieren.

Nicht jeder Kochroboter arbeitet dabei mit künstlicher Intelligenz. Von „Physical AI“ wird gesprochen, wenn KI-Systeme Informationen aus ihrer physischen Umgebung verarbeiten und daraus Handlungen einer Maschine steuern.

Für gastronomische Betriebe liegt der mögliche wirtschaftliche Nutzen vor allem in standardisierten Abläufen, reproduzierbarer Produktion und der Automatisierung wiederkehrender Tätigkeiten.

Ob sich eine Anlage rechnet, hängt jedoch unter anderem von Auslastung, Anschaffung beziehungsweise Mietmodell, Wartung, Integration und Speisenkonzept ab.

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Was sind Kochroboter?

Kochroboter sind automatisierte Systeme, die einzelne oder mehrere Arbeitsschritte bei der Zubereitung von Speisen übernehmen. Das Spektrum reicht von spezialisierten Frittier-, Brat- oder Rührsystemen bis zu weitgehend automatisierten Roboterküchen.

Zu sehen ist ein Mann in hellblauem Hemd und dunklem Sakko. Er hat kurze schwarze haare, einen Bart und blickt freundlich in die Kamera.
„Die größte Nachfrage kommt aus der Systemgastronomie. Die möchte schneller und einfacher skalieren.“
Ibrahim Buge Geschäftsführer Persobots GmbH

Warum Kochroboter vor allem für die Systemgastronomie interessant sind

Die Zielgruppe ist wirtschaftlich relevant. Gerade für Ketten ist Standardisierung Teil des Geschäftsmodells: Produkte und Prozesse sollen an unterschiedlichen Standorten möglichst reproduzierbar funktionieren.

Ein Kochroboter muss deshalb nicht möglichst viele verschiedene Gerichte beherrschen. Wirtschaftlich interessanter kann es sein, wenige häufig wiederkehrende Vorgänge zuverlässig, schnell und über viele Standorte hinweg identisch auszuführen.

Hinzu kommt der Arbeitsmarkt. Die Bundesagentur für Arbeit führt Köchinnen und Köche auch für 2025 unter den Berufen mit Engpässen. Für Unternehmen mit vielen Standorten erhöht die schwierige Rekrutierung den Anreiz, besonders repetitive Prozesse zu automatisieren.

Für Berlin kommt wirtschaftlicher Druck hinzu: Der Umsatz der Berliner Gastronomie stieg 2025 nominal zwar um ein Prozent, preisbereinigt sank er jedoch um 2,8 Prozent.

Genau hier sieht Buge den größten Markt für Persobots: „Die größte Nachfrage kommt aus der Systemgastronomie. Die möchte schneller und einfacher skalieren, tut sich aber aufgrund steigender Kosten, hoher Personalfluktuation und wachsender Komplexität in den Küchen sehr schwer.“

Kochroboter in Berlin: Ein kleiner Markt in einem großen Robotik-Standort

Berlin bietet dafür grundsätzlich ein ausgeprägtes Robotik-Ökosystem. Nach Angaben des Landes gibt es in der Hauptstadt rund 140 Anbieter- und Entwicklerunternehmen mit etwa 6.000 Beschäftigten entlang der robotischen Wertschöpfungskette.

Zu den Schwerpunkten zählen Industrierobotik und Automatisierung sowie Software und Machine Learning. Kochrobotik wird in der Statistik nicht als eigenes Segment ausgewiesen.

Tatsächlich ist auch der Kreis der Unternehmen, die sich in Berlin konkret mit automatisierter Speisenzubereitung beschäftigen, überschaubar. Noch.

Persobots gehört gegenwärtig zu den wenigen Entwicklern eigener Roboterküchen. Das Berliner Unternehmen SimpliOffice dagegen ist kein Hersteller, sondern Händler. Für sein Gastronomiekonzept setzt SimpliOffice die „SimpliFood“-Technik des Hamburger Kochroboter-Herstellers GoodBytz ein. Der erste Roboter wurde im SimpliParadyse an der Nürnberger Straße installiert. Weitere Systeme in Berlin und Leipzig sind laut Unternehmen geplant.

GoodBytz zeigt gleichzeitig, wohin sich die Technik entwickelt. Das Unternehmen stellte im September 2026 mit „emma.“ ein kompakteres System vor, das laut Hersteller 80 bis 120 Gerichte pro Stunde zubereiten kann und 40 Prozent weniger Fläche benötigt als vergleichbare Vorgängersysteme. Diese Angaben sind Herstellerangaben, zeigen aber, welche Kriterien inzwischen im Mittelpunkt stehen: Durchsatz, Flächeneffizienz und die Integration in bestehende Betriebe.

Eine weitere Berliner Spur führt zu Aitme. Das 2019 gegründete Berliner Start-up entwickelte einen eigenen Kochroboter und wurde 2023 vom Food-Tech-Unternehmen Circus übernommen. Die Technologie floss anschließend in die Robotikentwicklung von Circus ein. Das Unternehmen ist allerdings heute kein Berliner Anbieter mehr: Circus verlegte seinen Hauptsitz 2025 nach München.

KUNDENMARKT
36 Mrd.
Euro
betrug 2025 der Umsatz der Systemgastronomie in Deutschland. Das Segment stand damit für 41 Prozent der gesamten Außer-Haus-Gastronomie.
BESCHÄFTIGUNG
120.000
Menschen arbeiten in den Mitgliedsunternehmen des Bundesverbands der Systemgastronomie – an nahezu 3.000 Standorten.
ROBOTIK-STANDORT
rund 6.000
Beschäftigte zählt Berlin entlang der robotischen Wertschöpfungskette. Rund 140 Anbieter und Entwickler sind hier aktiv.
Mehrere Menschen mit Kamera fotografieren den KI-Roboter "Freh & Smart" der Circus Group in einem Rewe-Markt.

Rewe testet den KI-Roboter „Fresh & Smart“ der Circus Group in einem Markt in Düsseldorf.

Der Markt für Kochroboter lässt sich noch nicht beziffern

Wer nach einer globalen Marktgröße für Kochroboter sucht, findet bisher nur zahlreiche Prognosen. Auch die International Federation of Robotics (IFR) führen „Kochroboter“ bislang nicht als klar abgegrenztes Marktsegment, spricht aber ausdrücklich von einem neu entstehenden Einsatzgebiet.

Interessanter ist ein anderer Trend: Der Bestand an Robot-as-a-Service-Systemen innerhalb einer IFR-Erhebung wuchs um 31 Prozent. Miet- und Abonnementmodelle können hohe Anfangsinvestitionen senken und sind deshalb gerade für neue Robotikanwendungen ein möglicher Weg in den Markt.

Bei Kochrobotern entscheidet nicht nur die Technik über den Erfolg

Dass ein Roboter kochen kann, bedeutet noch nicht, dass sich daraus ein skalierbares Geschäft entwickelt. Die eigentliche Bewährungsprobe beginnt im laufenden Betrieb. Wie schwierig der Schritt vom Prototyp zur industriellen Skalierung sein kann, zeigt ausgerechnet Circus – das Unternehmen, das 2023 das Berliner Start-up Aitme übernommen hatte. Im Juli 2026 senkte Circus seine Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr von ursprünglich 44 bis 55 Millionen Euro auf 5,2 Millionen Euro. Als Grund nannte das Unternehmen unter anderem die Verschiebung geplanter Systemeinführungen auf 2027 und richtete den Fokus stärker auf die operative Skalierung.

Das ist kein Beleg gegen das Geschäftsmodell Kochroboter. Es zeigt aber, dass zwischen einer funktionierenden Maschine und einem wirtschaftlich skalierbaren Produkt ein erheblicher Unterschied liegt.

Auch international werden automatisierte Küchen deshalb schrittweise eingeführt. Die US-Restaurantkette Sweetgreen setzte ihre „Infinite Kitchen“-Technologie Ende Juni 2026 in 35 von insgesamt 287 Restaurants ein. Das Unternehmen entscheidet nach eigenen Angaben unter anderem anhand der erwarteten wirtschaftlichen Vorteile eines Standorts, wo die Automatisierung eingesetzt wird.

Für Kochroboter dürfte deshalb weniger entscheidend sein, wie spektakulär eine Maschine aussieht. Wichtiger sind Kennzahlen wie Gerichte pro Stunde, Auslastung, Verfügbarkeit, Wartungsaufwand, Flächenbedarf und die Kosten je produziertem Gericht.

„Bei Schnellrestaurantketten an To-go-Spots werden hoch automatisierte Prozesse in Roboterküchen mit Physical AI im Wettbewerb entscheiden.“
Ibrahim Buge Geschäftsführer Persobots GmbH

Wo Kochroboter zuerst wirtschaftlich interessant werden

Die bisher sichtbaren Einsatzfelder weisen in eine klare Richtung: Automatisierung wird zunächst dort erprobt, wo hohe Stückzahlen auf stark standardisierte Abläufe treffen. Dazu gehören Schnellrestaurants, Betriebsgastronomie, Hotels, Convenience-Konzepte oder Standorte mit langen Öffnungszeiten.

Das bedeutet nicht, dass Küchenpersonal aus der Gastronomie verschwindet. Vielmehr verschiebt sich die Arbeitsteilung.

Auch Buge zieht eine klare Grenze zwischen verschiedenen gastronomischen Konzepten: „Es wird weiter diverse Konzepte geben, und vom Fine Dining bis zum Streetfood werden Menschen von Menschen bedient werden. Aber bei Schnellrestaurantketten an To-go-Spots werden hoch automatisierte Prozesse in Roboterküchen mit Physical AI im Wettbewerb entscheiden.“