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FORMATION: „Drei Typen am Computer“ wollen die Industrie digitalisieren

FORMATION bietet Asset-Tracking und Standortintelligenz für die Industrie – und erleichtert so den Alltag einer ganzen Branche. Im Interview spricht CEO Ian Hannigan über die Hoch- und Tiefpunkte des Unternehmertums.

Von: Aaron Baumgart
Jacob Otto, Ian Hannigan und Jilles van Gurp in einer Kaffeeküche.

Jacob Otto, Ian Hannigan und Jilles van Gurp (v.l.n.r.) im Delta Campus in Neukölln.

Wer seinen Schlüsselbund schon einmal verlegt hat, wünscht sich vielleicht, direkt mit ihm kommunizieren zu können, um seinen Standort herauszufinden. FORMATION lässt das Realität werden – im großen Stil. Das Unternehmen hat eine Software entwickelt, mit sich Waren in der Industrie und Logistik jederzeit orten lassen.

„Industriearbeiterinnen und -arbeiter machen einen sehr großen Anteil der weltweiten Erwerbsbevölkerung aus. Gleichzeitig gibt es nicht viele Unternehmen, die speziell für sie Software entwickeln“, sagt Ian Hannigan. Der Ire sah genau hier eine Chance, etwas Nützliches zu schaffen, und gründete FORMATION im Jahr 2018. 

Heute beschreibt er das Unternehmen scherzhaft als „drei Typen am Computer“. Gemeinsam mit seinen Kollegen Jacob Otto und Jilles van Gurp hat er ein Büro im Delta Campus in Neukölln bezogen. In dem Innovationshub in Neukölln kommen Start-ups, Gründer und die Community zusammen.

FORMATION bietet seinen Kunden ein Software-Komplettpaket inklusive App. Neben den Karten, auf denen Objekte millimetergenau eingezeichnet werden können, liegt ein weiterer Fokus auf dem sogenannten Asset-Tracking. 

„Das ist vergleichbar mit einem Verfahren aus der Medizin: Dort wird ein Kontrastmittel in die Blutbahn gegeben und anschließend beobachtet, welchen Weg es nimmt. So kann man beispielsweise Blockaden erkennen“, sagt Hannigan. „Im Grunde ist unser Verfahren ähnlich – nur dass es hier nicht um Blut geht, sondern um Objekte, die sich durch Produktionsabläufe bewegen.“

Teamarbeit statt Wachstum um jeden Preis

Besonders wichtig ist Hannigan die Zusammenarbeit mit der Bundeswehr. Die Technologie hilft dabei, zusammengehörige Baugruppen auf großen, komplexen Betriebsgeländen zu lokalisieren und Suchzeiten bei der Instandsetzung zu reduzieren.

Anstatt stark zu wachsen, setzt das Unternehmen auf eine weitgehend ausgereifte, flexibel konfigurierbare Plattform sowie zunehmend auf KI-Tools, um Prozesse zu automatisieren und effizienter zu arbeiten. „Das Letzte, was wir wollen, ist, unsere Mitarbeiterzahl ohne klaren Grund einfach zu verdoppeln, zu verdreifachen oder zu vervierfachen“, sagt Hannigan.

Mitarbeiter von FORMATION im Büro.

Ian Hannigan möchte sein Team bewusst klein halten, um fokussiert und effizient arbeiten zu können.

Die 3 größten Hürden für FORMATION

Wo kommen bei eurer Arbeit die meisten Probleme auf?

Ian: Es gibt natürlich eine große Sprachbarriere. Wir arbeiten auf Englisch und wir sind in der Tech-Szene tätig. Hier wollen alle nur Englisch sprechen. 

Mit unserem Produkt sprechen wir vor allem Industrieunternehmen an, aber dabei gibt es oft Situationen, in denen einfach niemand verfügbar ist, der Englisch spricht. Auch wenn man mit der Bürokratie zu tun hat, läuft das auf Deutsch. Das sorgt im Alltag für Reibung. 

Ich finde, es gibt einfach viel zu viele Verpflichtungen für kleine Unternehmen, die nichts mit der eigentlichen Aufgabe zu tun haben, nämlich zu beweisen, ob es Innovationspotenzial gibt und ob ein tragfähiges Unternehmen entstehen kann.

„Die Aufbauphase hat uns viel persönlichen Einsatz und auch einige Opfer abverlangt. Das wird oft unterschätzt, wenn man von außen auf ein junges Unternehmen schaut.“
Ian Hannigan Gründer und CEO FORMATION

Was war eure größte finanzielle Herausforderung?

Ian: Die größte finanzielle Herausforderung war der Cashflow. Ein junges Unternehmen braucht gerade am Anfang viel Aufmerksamkeit und Fürsorge, damit es sich stabil entwickeln kann. Lange Verhandlungen und administrative Prozesse machen die Planung dabei nicht leichter. Diese Aufbauphase hat uns viel persönlichen Einsatz und auch einige Opfer abverlangt. Das wird oft unterschätzt, wenn man von außen auf ein junges Unternehmen schaut. 

Stößt ihr beim Vertrieb eurer Produkte auf Schwierigkeiten?

Ian: Unsere Kunden kommen vor allem aus der Industrie, der Logistik und dem Verteidigungsbereich.  Bei der Einführung neuer Technologien gibt es verständlicherweise Fragen und manchmal auch Vorbehalte – gerade beim Thema Tracking. Deshalb ist es wichtig, Vertrauen aufzubauen und konkret zu zeigen, wie unsere Lösung den Arbeitsalltag erleichtert. Sobald der praktische Nutzen sichtbar wird, wächst auch die Offenheit dafür.

Ian Hannigan von FORMATION im Gespräch.

Ian Hannigan hat vor FORMATION bereits in Irland ein Unternehmen gegründet.

Die 3 größten Pluspunkte des Unternehmertums

Was lief bei FORMATION leichter als erwartet?

Ian: Zu Beginn von FORMATION habe ich dem Team in etwa gesagt: „Wenn wir in fünf oder sechs Jahren die Polizei, den Rettungsdienst oder die Armee als Kunden gewinnen können, haben wir es wirklich geschafft.“ Das war für mich die höchste Stufe des Vertrauens. Letztlich wurde die Bundeswehr dann unser erster großer Kunde. Dazu gehörte vielleicht auch etwas Glück, aber das braucht es eben manchmal auch. 

Worin liegt für dich der größte Gewinn, Geschäftsführer eines Unternehmens zu sein?

Ian: In unserer Branche gibt es die Redewendung, dass ein Jahr bei einem Start-up so viel wert ist wie fünf Jahre in einem Großunternehmen. Man geht ständig an die Grenzen seiner Fähigkeiten und kann sich dadurch schnell verbessern. 

Dazu kommt noch die Freiheit. Viele Menschen haben Angst davor, den Schritt der Gründung zu wagen. Wenn man ein kleines Unternehmen leitet und merkt, dass niemand über einem steht, ist das zu gleichen Teilen beängstigend und bestärkend. Zu wissen, dass das Unternehmen in meinen Händen liegt, ist wunderschön – und auch eine Lektion fürs Leben. 

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Warum hast du dich entschieden, hier in Berlin zu gründen? 

Ian: Ich habe zuvor eine Firma in Irland gegründet. Dort sind wir quasi in ein Büro gegangen und mit einer Firma herausgekommen. Bürokratisch ist das dort deutlich gelassener. Aber ich habe in Irland meine heutige Freundin kennengelernt. Nach einigen Jahren Fernbeziehung hatte ich die Möglichkeit, nach Deutschland zu gehen. Ich wollte das einfach mal ausprobieren – mittlerweile ist das 16 Jahre her.  Von dieser Entscheidung habe ich unglaublich profitiert. Das liegt an der Aufgeschlossenheit und der Vielfalt der Menschen in Berlin. 

Gerade hier im Delta Campus wimmelt es von Menschen, die einfach innovativ sein wollen, coole Dinge auf die Beine stellen wollen, und sie sind kompetent und bereit, Risiken einzugehen. Ich glaube, Berlin hat sehr gute Chancen, zur führenden Innovationsstadt in Europa zu werden.