IHK Berlin. Offizieller Unterstützer der Berliner Wirtschaft.

Nach einer aufmerksamkeitsstarken Teaserphase geht die Kampagne der IHK Berlin in die nächste Stufe. Mit „WTF is IHK?“ wurde bewusst Neugier geweckt und Gespräche angestoßen.

Jetzt löst die Kammer diese Frage auf – klar, sichtbar und mit Haltung. 

Die Unternehmer stehen stellvertretend für die Vielfalt der Berliner Wirtschaft. 

Durch ihre Perspektiven wird deutlich, was der Claim konkret bedeutet – und wie die IHK Berlin Unternehmen tatsächlich unterstützt. 

IHK Berlin. Offizieller Unterstützer der Berliner Wirtschaft.

BW Business Backstage

Helpling: Eine Plattform für Reinigungskräfte will sich dem Schwarzmarkt widersetzen

Neun von zehn Haushaltshilfen sind in Deutschland schwarz angestellt. Helpling will das mit einem transparenten Marktplatz für Reinigungsservices ändern. Im Interview spricht CEO Shawn Moore über die Höhen und Tiefen des Unternehmertums.

Von: Aaron Baumgart
Co-CEO Shawn Moore im Helpling-Büro in Berlin.

Co-CEO Shawn Moore will mit Helpling an die Spitze.

In wenigen Klicks eine Haushaltshilfe engagieren, ohne sich um die Bezahlung und Versicherung sorgen zu müssen. Mit dieser Idee wurde Helpling 2014 von den Jugendfreunden Philip Huffman und Benedikt Franke in Berlin gegründet. Helpling betreibt eine Vermittlungsplattform für Haushaltshilfen und Reinigungskräfte. Kundinnen und Kunden können nach gewünschten Leistungen filtern und kurzfristig buchen. 

Buchbar sind die Haushaltshilfen in acht Ländern, darunter in Großbritannien, der Schweiz, Singapur und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Allein in Deutschland sind rund 10.000 Reinigungskräfte auf der Plattform registriert. Ähnlich wie bei den Fahrdiensten Uber oder Bolt sind sie nicht direkt bei Helpling angestellt, sondern arbeiten als Freelancer.

Shawn Moore kennt Helpling bestens. Der US-Amerikaner startete bereits vor neun Jahren als Product Manager im Unternehmen. Als der Co-Gründer Benedikt Franke aus dem Unternehmen ausstieg, avancierte er schnell zu Philip Huffmans rechter Hand. Vor drei Jahren übernahm er schließlich die Rolle des Co-CEO.

Für Moore gehört die Transparenz zum zentralen Faktor des Unternehmens, die sowohl bei Nutzerinnen und Nutzern als auch bei den Reinigungskräften für Vertrauen und Sicherheit sorgen soll. „Unser größter Konkurrent ist nicht etwa eine andere Plattform, sondern der Schwarzmarkt“, so Moore. 

Eine Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft ergab, dass rund 90 Prozent aller selbstständigen Haushaltshilfen in Deutschland ihre Arbeit nicht anmelden. Mit transparenter Bezahlung und Haftpflichtversicherung im Schadensfall will Helpling mehr Haushaltshilfen aus der Schwarzarbeit holen.  

Die interne Vision des Unternehmens ist für Moore klar: „Wir wollen der ‚best fucking Cleaning Marketplace‘ der Welt werden“. Im Interview erzählt er von den drei Hürden und Höhepunkten des Unternehmertums. 

Mitarbeiter von Helpling bei der Arbeit im Büro.

Bei Helpling kommen rund 250 Mitarbeitende aus 30 Ländern zusammen.

Die 3 größten Hürden für Helpling

Wo hat euch Bürokratie am meisten zu schaffen gemacht?

Shawn: Wir sind in mehreren verschiedenen Ländern tätig – und in jedem Land unterscheidet sich der Bereich der Haushaltsdienstleistungen erheblich. Das bedeutet auch, dass wir uns in jedem Markt mit einer anderen Bürokratie auseinandersetzen müssen. 

Jede neue Vorschrift oder bürokratische Hürde, die auf uns zukommt, kann bedeuten, dass unser Rechtsteam einen Monat damit verbringen muss, sie zu verstehen. Dann muss die Rechtsabteilung noch Zeit mit dem Produktteam verbringen, um herauszufinden, was das für das Geschäft bedeutet. All das kann sehr schnell 10 oder 15 Prozent eines gesamten Innovationsteams in Anspruch nehmen – nur für eine einzige bürokratische Hürde. 

Was war eure größte finanzielle Herausforderung?

Shawn: Unsere größte finanzielle Herausforderung war ganz sicher COVID. Manche Unternehmen sind in dieser Zeit stark gewachsen – für uns kam es wiederum darauf an, die verschiedenen Märkte zu betrachten und die geltenden Regeln einzuhalten. In Singapur war es etwa für einen ganzen Monat verboten, eine Reinigungskraft ins Haus zu holen. Für ein Unternehmen, das genau darauf angewiesen ist, war das enorm störend und mit großer Unsicherheit verbunden

Wenn man sich unsere finanzielle Entwicklung ansieht, sieht man einen Monat, in dem praktisch nichts passiert ist. Für viele im Unternehmen war das ein Kampf, aus dem wir schlussendlich erfolgreich hervorgehen konnten. Das ist ein großer Pluspunkt von Helpling: Wir können uns an den Markt anpassen. Am Ende sind wir gestärkt aus der Krise hervorgegangen.

Heutzutage ist es wichtig, ein einladendes Visumsystem zu schaffen, um Top-Talente zu gewinnen.“
Shawn Moore Co-CEO Helpling

Wo stößt du im Arbeitsalltag noch auf Schwierigkeiten?

Shawn: Ich bin sehr gerne unter Menschen und fühle mich in unserem Büro sehr wohl. Daher ist es für mich als Führungskraft seit COVID die Umstellung auf mehr Remote-Arbeit eine persönliche Herausforderung. Am Anfang hat das wirklich viel organisatorische Anpassungen erfordert, für alle Führungskräfte. Ich versuche auch jetzt noch, mich darauf einzustellen und wir entwickeln uns als Unternehmen stetig mit der Situation weiter. 

Shawn Moore von Helpling im Gespräch.

Shawn Moore startete als Product Manager bei Helpling – heute ist er Co-CEO.

Die 3 größten Pluspunkte des Unternehmertums

Shawn: Ich bin ein sehr geselliger Mensch. Ich liebe es zu reisen, neue Kulturen kennenzulernen und meine Perspektiven ständig zu überdenken. Und genau diese Art von Ökosystem haben wir in Berlin. Ich selbst bin Einwanderer aus den USA und auch bei Helpling arbeiten Menschen aus etwa 30 verschiedenen Nationen. Das alles bedeutet, dass ich jeden Tag aufs Neue herausgefordert werde, neue Leute kennenlerne und mit verschiedenen Kulturen und unterschiedlichen Menschen zusammenarbeite – und das liebe ich wirklich. 

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Inwiefern profitiert Helpling noch von Berlin als Standort?

Shawn: Ich finde, dass Berlin sehr offen gegenüber Ausländern ist, besonders aus dem Tech-Bereich. Die Stadt bietet auch für Menschen, die kein Deutsch sprechen und es lernen wollen, viele Integrationsmöglichkeiten. Ich bin zuerst nach Großbritannien ausgewandert und habe vier Jahre lang in London gearbeitet, bevor ich nach Berlin kam. Das Blue-Card-Visum der EU und die Maßnahmen, die talentierte Tech-Fachkräfte hierherholen sollen, sind meiner Meinung nach im Vergleich zu anderen Ländern deutlich wirkungsvoller. 

Heutzutage ist es wichtig, ein einladendes Visumsystem und entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen, um Top-Talente zu gewinnen. Der Wettbewerb darum ist groß. Ich finde, Berlin macht das wirklich gut.