Bürokratieabbau

Verwaltungsdigitalisierung: Aucoteam fordert konsequente Automatisierung

Digitale Verwaltungsverfahren können Anträge schneller bearbeiten, Fehler reduzieren und Mitarbeitende entlasten. Gleichzeitig erlebt das Berliner Technologieunternehmen Aucoteam aus eigener Erfahrung, wie langwierige Genehmigungs- und Abstimmungsprozesse Investitionen ausbremsen können. Welche drei Punkte aus Sicht des Unternehmens jetzt entscheidend für den Bürokratieabbau sind, lesen Sie im Beitrag.

Von: Jens Bartels
Porträt von Jan Frederik Seidel, Geschäftsführer der Aucoteam GmbH mit Sitz in Prenzlauer Berg

Jan Frederik Seidel ist Geschäftsführer der Aucoteam GmbH mit Sitz in Prenzlauer Berg

Aucoteam kennt viele Facetten von Verwaltung und Bürokratie. Auf der einen Seite entwickeln die 108 Mitarbeitenden innovative Lösungen für Kunden aus der Wirtschaft und für öffentliche Auftraggeber. So unterstützen die Berliner zum Beispiel Verwaltungen dabei, Bürgern moderne, digitale und effiziente Dienstleistungen anzubieten. 

„Unsere Fachverfahren für Elterngeld, Wohngeld und das Wohnungswesen beschleunigen die Bearbeitung von Anträgen, reduzieren Fehler und entlasten gleich zeitig die Mitarbeitenden in den Verwaltungen“, sagt Geschäftsführer Jan Frederik Seidel.

Wie mühsam Verwaltung umgekehrt sein kann, hat Aucoteam bei einem eigenen Projekt im CleanTech Business Park Marzahn selbst erlebt. „Mit dem geplanten Batterie-Testzentrum wollten wir einen Beitrag zur Energiewende und zur technologischen Entwicklung des Industriestandortes Berlins leisten“, erzählt Seidel. Doch allein die Abstimmungs- und Entscheidungsprozesse rund um den Grundstückskauf erstreckten sich über einen Zeitraum von rund 20 Monaten. 

„Besonders herausfordernd war anschließend die Situation, dass trotz einer rechtskräftigen Baugenehmigung unterschiedliche Bewertungen naturschutzrechtlicher Fragestellungen zu einem gerichtlichen Baustopp führten“, so der Geschäftsführer. „Für Unternehmen entstehen in solchen Fällen erhebliche Planungs- und Investitionsunsicherheiten.“ Am Ende scheiterte das Vorhaben in Berlin. 

„Die Verwaltungsreform ist ein wichtiger Schritt hin zu mehr Transparenz und klareren Verantwortlichkeiten.“
Jan Frederik Seidel Geschäftsführer der Aucoteam GmbH

Auch die auf den Weg gebrachte Verwaltungsreform in Berlin würde einen vergleichbaren Fall aus Sicht des Unternehmens vorerst nicht verhindern. „Dennoch ist die Verwaltungsreform aus unserer Sicht ein wichtiger Schritt hin zu mehr Transparenz und klareren Verantwortlichkeiten“, betont Seidel. Entscheidend erscheint uns darüber hinaus eine Kultur, die Zusammenarbeit, Lösungsorientierung und wirtschaftliche Entwicklung aktiv unterstützt.“ 

Die Frage „Wie kann ich Unternehmen und Investitionen bestmöglich unterstützen?“ sollte dabei stärker in den Mittelpunkt rücken. „Gleichzeitig möchten wir ausdrücklich betonen, dass wir in der Zusammenarbeit mit der öffentlichen Verwaltung auch zahlreiche positive Erfahrungen gemacht haben“, fügt Seidel hinzu.

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Christan Buck

Konsequent automatisieren

Für die kommende Legislaturperiode nennt er drei Prioritäten beim Bürokratieabbau. 

  • Erstens: Verwaltungsprozesse konsequent automatisieren. „Viele Verwaltungen stehen aufgrund zusätzlicher Aufgaben, Fachkräftemangels und knapper Ressourcen unter erheblichem Druck“, sagt Seidel. Praxiserprobte Lösungen dafür gebe es längst. 

  • Zweitens: Datensilos abbauen. Identische Angaben werden nach seiner Erfahrung in verschiedenen Fachverfahren immer wieder neu erfasst, statt zwischen den Systemen zu wandern.

  • Und drittens: digitale Kommunikation vollständig ermöglichen. „Trotz vieler Fortschritte werden Anträge, Bescheide und Nachweise teilweise noch auf Papier oder in parallelen Kommunikationswegen versendet“, so der Geschäftsführer. Durchgängig digitale Prozesse, sagt der Unternehmer, würden Zeit sparen, Kosten senken und die Servicequalität für alle Beteiligten verbessern.