Ausbildung aus Überzeugung

Klosterfrau Berlin investiert 60 Millionen Euro – und in Fachkräftenachwuchs

Die Klosterfrau Berlin GmbH investiert rund 60 Millionen Euro in ihren Pharma-Standort in Marienfelde. Damit wächst auch der Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften – und genau die bildet das Unternehmen seit Jahrzehnten selbst aus.

Von: Jens Bartels

Patricia Kaiser, Senior HR Business Partnerin mit Timothy Lotz, Auzbi bei Klosterfrau Berlin GmbH

Die Klosterfrau Berlin GmbH baut ihren Produktionsstandort in Marienfelde kräftig aus. Rund 60 Millionen Euro investiert die Klosterfrau Group innerhalb von vier Jahren in neue Anlagen. Damit sollen bestehende Arbeitsplätze gesichert und neue geschaffen werden. Umso wichtiger wird eine Ressource, die sich nicht einfach bestellen lässt: gut ausgebildete Fachkräfte.

Beim Fachkräftenachwuchs setzt Klosterfrau schon lange auf die eigene Ausbildung. 2025 erhielt der Berliner Standort dafür das IHK-Siegel für exzellente Ausbildungsqualität. Es zeichnet Unternehmen aus, die besondere Standards bei der beruflichen Ausbildung erfüllen.

Klosterfrau Berlin GmbH baut Pharma-Produktion aus

Seit 1971 produziert Klosterfrau in Berlin-Marienfelde. Inzwischen ist der Standort auf rund 45.000 Quadratmeter gewachsen und der größte Produktionsstandort der Gruppe. Gefertigt werden unter anderem flüssige Arzneiformen, medizinische Lutschtabletten und sterile Einwegspritzen. Rund 300 Menschen arbeiten nach aktuellen Angaben in Marienfelde.

Der Standort wächst weiter. Für rund 25 Millionen Euro entstand eine neue hochautomatisierte Sterilfertigung mit 1.200 Quadratmetern Reinraumfläche. Sie ist auf eine Kapazität von bis zu 50 Millionen vorgefüllten Spritzen pro Jahr ausgelegt. Ein weiterer Neubau für medizinische Lutschtabletten soll folgen.

Damit steigt auch der Bedarf an Fachkräften, die moderne Produktionsanlagen bedienen, überwachen und weiterentwickeln können. Gerade technische und pharmazeutische Ausbildungsberufe gewinnen deshalb für Klosterfrau weiter an Bedeutung.

„In den letzten Jahren konnten wir trotz aller Vorzüge nicht mehr alle Ausbildungsplätze besetzen.“
Patrcia Kaiser Senior HR Business Partnerin

Bis zu 10 Ausbildungsberufe bei Klosterfrau Berlin

Aktuell bietet der Betrieb zehn Ausbildungsberufe an. Dabei setzt das Unternehmen auf eine starke Einbindung in den Betriebsalltag. „Bei uns werden die Azubis direkt in den Betriebsablauf involviert, um sich schnell mit der Klosterfrau-Familie und unseren Produkten sowie unserer Geschichte zu identifizieren“, sagte Patricia Kaiser, Senior HR Business Partnerin bei Klosterfrau Berlin, bereits anlässlich der Auszeichnung 2025.

Viele Ausbilderinnen und Ausbilder haben selbst bei Klosterfrau gelernt. Das erleichtere es, die Bedürfnisse der Nachwuchskräfte zu verstehen, so Kaiser. Klosterfrau wirbt aktuell zudem mit intensiver Betreuung sowie guten Übernahme- und Weiterbildungsmöglichkeiten.

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Investition in Berlin
60 Mio. Euro
investiert die Klosterfrau Group innerhalb von vier Jahren in neue Produktionsanlagen am Standort Marienfelde.
Neue Sterilproduktion
50 Mio. Spritzen
kann das neue Werk nach Unternehmensangaben pro Jahr maximal produzieren.
Beschäftigte in Marienfelde
rund 300
Mitarbeitende beschäftigt Klosterfrau aktuell am Berliner Standort.

Fachkräftemangel: Viele Ausbildungsplätze bleiben trotzdem frei

Doch selbst attraktive Bedingungen garantieren inzwischen nicht mehr, dass alle Ausbildungsplätze besetzt werden. „In den letzten Jahren konnten wir trotz aller Vorzüge nicht mehr alle Ausbildungsplätze besetzen“, sagte Kaiser bereits 2025.

Das Problem betrifft viele Berliner Betriebe. Laut einer IHK-Umfrage vom August 2026 konnten vier von zehn Ausbildungsunternehmen ihre angebotenen Plätze nicht oder nicht vollständig besetzen. Als Hauptgrund nannten die Betriebe fehlende passende Bewerbungen. Gleichzeitig würden 85 Prozent der befragten Auszubildenden ihren Arbeitgeber weiterempfehlen.

Auch die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zeigen das Missverhältnis: Ende August 2026 waren in Berlin noch 3.999 betriebliche Ausbildungsstellen unbesetzt, während gleichzeitig 8.415 Bewerberinnen und Bewerber noch keinen Ausbildungsplatz hatten. Angebot und Nachfrage finden also häufig nicht zusammen.

Pharma-Fachkräfte: Weiterbildung nach der Ausbildung

Für technische und pharmazeutische Fachkräfte endet die Qualifizierung nicht mit der Abschlussprüfung. Wer beispielsweise eine Ausbildung zum Pharmakanten abgeschlossen und Berufspraxis gesammelt hat, kann sich unter anderem zum Industriemeister Pharmazie weiterbilden.

Die IHK Berlin beschreibt Industriemeisterinnen und Industriemeister der Fachrichtung Pharmazie als technische Fach- und Führungskräfte, die beispielsweise Produktionsabläufe steuern, Qualität sichern und Mitarbeitende führen können. Gerade an hochautomatisierten Pharma-Standorten eröffnet Weiterbildung damit zusätzliche Karrierewege.

Ausbildung wird für Klosterfrau zum Standortfaktor

Dass Ausbildung für das Unternehmen mehr als Nachwuchsmarketing ist, zeigt die Entwicklung in Marienfelde. Neue Produktionsanlagen brauchen Fachkräfte mit pharmazeutischem, technischem und digitalem Know-how.

Für Klosterfrau treffen damit zwei Entwicklungen aufeinander: Der Berliner Standort wächst – gleichzeitig bleibt es schwierig, geeigneten Fachkräftenachwuchs zu finden. Eigene Ausbildung und anschließende Weiterbildung werden deshalb zu einem wichtigen Baustein, um Fachkräfte langfristig an den Standort zu binden.