Köpfe der Berliner Wirtschaft

Beheizbare Kleidung made in Berlin - Andreas Mischok von Heizteufel im Gespräch

Beheizbare Kleidung auf dem Motorrad? Mit dieser Idee entstand Andreas Mischoks "Heizteufel". Heute stellt sein Unternehmen in Berlin-Spandau innovative Speziallösungen für Industrie, Medizin und Forschung - sogar Expeditionen in die Antarktis - her. Wie aus kalten Biker-Händen ein international gefragtes Geschäft wurde, erzählt er im Interview.

Von: Michael Gneuss
Porträtfoto von Andreas Mischok, Gründer von Heizteufel

Andreas Mischok, Gründer von Heizteufel

Wie sind Sie auf die Geschäftsidee für Ihre Firma gekommen? 

Das ist 30 Jahre her, ich war Ganzjahres-Biker und habe im Winter auf dem Motorrad oft furchtbar gefroren. Deshalb hatte ich mir Gedanken gemacht, wie man Kleidung beheizen kann. Mit Handschuhen und Sohlen habe ich angefangen. Als dann Gleitschirmflieger und Menschen mit Handicap auf mich zukamen, merkte ich, wie groß der Markt ist. Unser Name Heizteufel ist der Inbegriff dessen, was wir machen: Wir können richtig gut heizen, auch bei Temperaturen von minus 40 Grad.

Welche Wärmequelle nutzen Sie?

Anfangs war es das Bordnetz der Motorräder. Aber dann habe ich schnell begonnen, Akkupacks für den universellen Einsatz von Heizbekleidung zu konfektionieren. Heute ergänzen 12V/24V-Industrienetzgeräte mit hohem Wirkungsgrad unser Sortiment hervorragend.

Wie breit ist heute Ihre Produktpalette?

Die Anwendungsvielfalt für Heiztechnik ist enorm, und daraus resultieren die vielen und sehr speziellen Heizlösungen für private sowie für Gewerbekunden. Für den Menschen im Rollstuhl gibt es beheizbare Schlupfsäcke, für amputierte Gliedmaßen beheizte 3D-Inlays für Prothesen, für Raynaud-, Sklerodermie- und Rheumapatienten beheizbare Handschuhe und Diabetikersocken. Wir fertigen beheizbare Edelstahlplatten für Schubläden, damit zum Beispiel Gynäkologen ihr Spekulabesteck vorwärmen können oder Kaffeehäuser eine warme Espressotasse haben. Für technische Taucher produzieren wir Akkutanks, Heizsteuerungen und Bekleidung.

Gezeigt ist Herr Mischok, wie er an einer Werkbank am Layout für den Zuschnitt von Heizpads arbeitet. Schablonenlinien sind auf einem Stoff gezeichnet.

Layout für den Zuschnitt von Heizpads

Beliefern Sie auch die Industrie?

Ja, für die Industrie liefern wir thermostatgeregelte Heizmatten für Schaltschränke und Geldautomaten, Rohrleitungen und Ventile. Unsere wasserfesten beheizbaren Gummimatten finden Sie auf Hebebühnen, Kehrmaschinen und in E-Nutzfahrzeugen. Neben den Standardprodukten liefert Heizteufel auch sehr spezielle, kundenindividuelle Lösungen, die wir als ein ganzheitliches Paket zusammen mit den Kunden erstellen - von der ersten Beratung über die Prototypenentwicklung bis zur Serienproduktion und Inbetriebnahme. Wir haben zudem schon für Antarktis-Expeditionen Heizmatten geliefert, mit denen Akkus betriebsfähig gehalten werden.

Das klingt nach einer interessanten Wachstumsstory.

Es ist leider eine ausgebremste Wachstumsstory. Wir könnten noch viel mehr machen, wenn wir mehr Fachkräfte –Elektroniker – bekommen könnten und uns die Überregulierung nicht so zu schaffen machen würde. Wir sind im deutschsprachigen Raum ein exponierter Spezialhersteller, der auch sehr komplexe Lösungen mit Netzwerkpartnern in Europa schafft. Sowas spricht sich herum – wir bekommen Anfragen von potenziellen Kunden außerhalb Europas, zum Beispiel aus Kanada oder den USA. Aber in die USA können wir Akkus nur für sehr viel Geld als Gefahrengut exportieren. Wir haben auch international aufgrund unserer Qualität einen guten Ruf und einige feste Kunden, aber Anbieter aus Asien haben viel günstigere Exportrahmenbedingungen und können Standardprodukte deutlich billiger anbieten.

Und in Deutschland?

Hier kommen ständig neue nationale und EU-Regeln und -Gesetze auf uns zu. Wir teilen uns das auf: Jeder meiner Mitarbeiter und ich selbst müssen Bürokratieadministration machen. Dabei bräuchten wir die Kapazitäten vielmehr für Kundenpflege und Produktentwicklungen.