Neue Partner für die Hauptstadtwirtschaft

3 Berliner Start-ups, die Unternehmen jetzt kennen sollten

KI-Buchhaltung für kleine GmbHs, CO₂ im Beton, Wärmespeicher in der Decke: Drei junge Berliner Unternehmen haben gerade frisches Kapital eingesammelt. Für Betriebe in der Hauptstadt sind sie mögliche Dienstleister, Lieferanten und Partner.

Von: Jana Illhardt
mika-Gründerin Agnieszka Walorska liegt zwischen Aktenordnern

Schluss mit Belegen sortieren: Gründerin Agnieszka Walorska will kleinen GmbHs und UGs die Arbeit mit Buchhaltung und Steuern per KI abnehmen.

Der Deutsche Startup Monitor 2026 zeigt: Deutsche Start-ups verkaufen inzwischen 76,5 Prozent ihrer Leistungen an andere Unternehmen. Doch nur noch 54,1 Prozent arbeiten mit etablierten Firmen zusammen, 2024 waren es noch 61,9 Prozent. Dabei bewerten 74,2 Prozent der Start-ups mit solchen Kooperationen den Nutzen positiv.

Wie solche Partnerschaften in Berlin aussehen können, zeigen drei junge Unternehmen, die zuletzt frisches Kapital eingesammelt haben.

mika: Die KI-Finanzabteilung für kleine Kapitalgesellschaften

Steckbrief mika

  • Unternehmen: Get Mika GmbH, Berlin-Kreuzberg
  • Am Markt: in der heutigen Form seit 2024
  • Gründerteam: Agnieszka Walorska (CEO), Luke Linnekuhle (CFO), Henry Müssemann (CTO)
  • Branche: Fintech, KI
  • Letzte Finanzierung: 6 Millionen Euro Seed, September 2026
  • Investoren: Smedvig Ventures (Lead), Wecken & Cie., Keen Venture Partners, Dutch Founders Fund sowie Business Angels
  • Kunden: knapp 900 Unternehmen, davon knapp ein Viertel in Berlin (Stand: Oktober 2026)
  • Zielgruppe: GmbHs, UGs und AGs, von der Neugründung bis rund 20 Millionen Euro Umsatz

Was macht mika? Das Berliner Start-up  übernimmt für Kapitalgesellschaften die laufende Buchhaltung, die Umsatzsteuervoranmeldung, den Jahresabschluss und die Steuererklärungen. Eine KI ordnet Belege und Zahlungen zu und bucht sie. Angestellte Buchhalter prüfen die Ergebnisse und greifen bei komplexen Fällen ein. „mika ist quasi die Steuer- und Finanzabteilung für Unternehmen, die zu klein sind, um eine eigene zu haben“, erklärt Gründerin und CEO Agnieszka Walorska.

Warum jetzt im Blick behalten? Im September 2026 hat mika 6 Millionen Euro eingesammelt. Die Kundenzahl wächst schnell: Anfang des Jahres waren es laut Unternehmen rund 400 Firmen, inzwischen sind es knapp 900. Im Juli 2026 überschritt mika nach eigenen Angaben eine Million Euro Jahresumsatz. „Wir wollen weitere Branchen und Unternehmensgrößen abdecken und unser Produktangebot erweitern“, sagt Walorska. Bisher sei mika vor allem organisch gewachsen, nun baut das Start-up ein eigenes Vertriebsteam auf.

Was heißt das für Berliner Unternehmen? Knapp ein Viertel der Kunden sitzt in der Hauptstadt. „In Berlin betreuen wir natürlich viele Start-ups, Agenturen und SaaS-Firmen, mittlerweile aber auch Immobilienunternehmen, digitalisierten Einzelhandel, Gastronomie und etwas größere Handwerksbetriebe“, sagt Walorska. Interessant sei mika vor allem für Firmen, die bereits mit KI-Werkzeugen arbeiten: „Unsere Kunden können ihre Finanzdaten direkt mit den KI-Tools verbinden, die sie ohnehin nutzen, und mit ihren eigenen Zahlen sprechen.“

Es gibt aber klare Grenzen: „Wir arbeiten für Kapitalgesellschaften, also GmbHs, UGs und AGs. Freiberufler und Einzelunternehmen betreuen wir im Moment nicht“, so Walorska. Eine individuelle Steuerberatung bietet mika ebenfalls nicht an, dafür arbeitet das Start-up mit zugelassenen Steuerberatern zusammen.

Porträtfoto von mika-Gründerin Agnieszka Walorska

Agnieszka Walorska hat mika gegründet und führt das Berliner Start-up als CEO. Knapp 900 kleine Kapitalgesellschaften überlassen ihm inzwischen Buchhaltung, Jahresabschluss und Steuererklärung.

Kalz: Wie ein TU-Spin-off in Neukölln CO₂ in Baustoffen bindet

Steckbrief Kalz

  • Unternehmen: Kalz GmbH, Berlin
  • Herkunft: Ausgründung der Technischen Universität Berlin
  • Gründerteam: Dr. Till Strunge (CEO), Dr. Dario Kremer (CTO), Dr. Jason Collis (CRO)
  • Branche: Climate Tech, Baustoffe
  • Finanzierung: Investment von IBB Ventures (Juli 2026, Höhe nicht veröffentlicht), zuvor 1,3 Millionen Euro Förderung durch das Bundesforschungsministerium
  • Anlage: Demonstrationsanlage „Kalz Mega“ auf dem NLND-Gelände an der Neuköllnischen Allee, Inbetriebnahme im Herbst 2026
  • Kapazität: bis zu rund 0,25 Tonnen CO₂ pro Stunde

Was macht Kalz? Kalz bringt CO₂, etwa aus Industrie- oder Biogasanlagen, mit mineralischen Reststoffen zusammen, zum Beispiel mit Betonbrechsand oder Aschen. Dabei wird das CO₂ als Karbonat dauerhaft gebunden. Das Ergebnis ist ein Material, das emissionsintensive Bestandteile von Zement und Beton ersetzen kann. „Das CO₂ ist danach fest im Material gebunden (‚versteinert‘) und kann nicht wieder entweichen“, erklärt Gründer und CEO Dr. Till Strunge.

Warum jetzt im Blick behalten? In Neukölln steht die Demonstrationsanlage „Kalz Mega“ kurz vor dem Start. Der Aufbau ist fast abgeschlossen, die Inbetriebnahme läuft in diesem Herbst. Laut Unternehmen ist es eine der größten Anlagen zur CO₂-Mineralisierung in Europa. „Im Dauerbetrieb kann die Anlage bis zu rund eine Viertel Tonne CO₂ pro Stunde dauerhaft mineralisch binden und dabei gut eine Tonne alternatives Zementmaterial erzeugen“, sagt Strunge.

Der Weg dorthin war lang. Das Verfahren wurde im Projekt „Seq-Kalz“ an der TU Berlin wissenschaftlich geprüft. „Am schwierigsten war es, einen Prozess, der im Labor mit wenigen Gramm funktioniert, so zu übertragen, dass er zuverlässig im Tonnenmaßstab läuft“, sagt Strunge. Parallel musste das Team aus dem Forschungsprojekt ein Unternehmen machen: Patente von der TU übernehmen, Investoren überzeugen und in Berlin eine geeignete Fläche finden. Die Falling Walls Foundation zählt Kalz zu den „Top 100 Science Start-ups to Watch“ 2026.

Was heißt das für Berliner Unternehmen? Kalz sucht Partner an beiden Enden der Kette. „Auf der Rohstoffseite suchen wir Unternehmen, bei denen mineralische Reststoffe wie Betonbrechsand oder Aschen anfallen, sowie Betreiber von Biogasanlagen, die ihr CO₂ sinnvoll verwerten möchten“, sagt Strunge. Auf der Abnehmerseite spricht das Start-up Zementhersteller, Betonwerke und Fertigteilhersteller an, künftig auch Bauunternehmen. Dazu kommen Bauherren wie Wohnungsbaugesellschaften, „die klimafreundlicher bauen wollen“.

Das Kalz-Gründungsteam Dr. Jason Collis (CRO), Dr. Till Strunge (CEO) und Dr. Dario Kremer (CTO) (von links nach rechts) am neuen Produktionsstandort.

Dr. Jason Collis, Dr. Till Strunge und Dr. Dario Kremer (v. l.) haben Kalz aus der TU Berlin heraus gegründet. Auf dem NLND-Campus in Neukölln nimmt ihr Start-up diesen Herbst eine Anlage in Betrieb, die CO₂ dauerhaft in Baustoffen bindet.

Nanolope: Decken und Wände als Wärmespeicher

Steckbrief Nanolope

  • Unternehmen: Nanolope GmbH, Technologiepark Berlin-Adlershof
  • Gegründet: 2025
  • Gründerteam: Dr. Felix Marske (CEO), Eric Matthes, Dominik L. Schreiber
  • Branche: Deep Tech, Energie, Gebäudetechnik
  • Letzte Finanzierung: 800.000 Euro Pre-Seed, August 2026
  • Investoren: IBB Ventures sowie Business Angels und Fachleute aus Energie, Immobilien und Materialtechnik

Was macht Nanolope? Das Adlershofer Start-up entwickelt patentgeschützte Speicherpaneele für Decken, Wände und Böden. Sie nehmen Wärme oder Kälte auf und geben sie zeitversetzt wieder ab, ganz ohne Technik. Die Paneele bestehen aus pflanzlichen Rohstoffen aus der EU und sind laut Unternehmen recycelbar.

Warum jetzt im Blick behalten? Mit dem Pre-Seed-Kapital will Nanolope die Produktion hochfahren, erste Pilotprojekte umsetzen und das Team vergrößern. Damit sucht das Start-up genau jetzt Gebäude, in denen die Technik zum ersten Mal im Alltag läuft.

Was heißt das für Berliner Unternehmen? Nanolope richtet sich an Wohnungsunternehmen und gewerbliche Nutzer wie Hotels, Büros und Cafés. Die Paneele sollen den Heiz- und Kühlbedarf senken und das Raumklima stabilisieren, ohne große Sanierung. Für Eigentümer im Berliner Altbaubestand kann das ein schneller Hebel für Energiekosten und Klimaziele sein.

Kooperation
54,1 Prozent
So viele Start-ups arbeiten 2026 mit etablierten Unternehmen zusammen, 2024 waren es noch 61,9 Prozent.
Zufriedenheit
74,2 Prozent
So viele kooperierende Start-ups sind mit dem Return on Investment ihrer Partnerschaften zufrieden.
Geschäft
76,5 Prozent
Diesen Anteil ihres Umsatzes machen Start-ups mit anderen Unternehmen, so viel wie nie zuvor.

Warum sich Kooperationen mit Start-ups für Unternehmen lohnen

Alle drei Start-ups verkaufen an Unternehmen, nicht an Privatkunden. Und alle drei brauchen für ihren nächsten Schritt Partner aus der etablierten Wirtschaft: mika neue Firmenkunden, Kalz Lieferanten von Reststoffen und CO₂ sowie Abnehmer in der Bauwirtschaft, Nanolope Gebäude für erste Pilotprojekte.

Für etablierte Unternehmen kann sich das auszahlen: In einer Befragung des Startup-Verbands und der Beratung Accenture von 2025 berichten 86 Prozent der etablierten Unternehmen mit Kooperationserfahrung von positiven Erfahrungen. 61 Prozent haben gemeinsam mit Start-ups Marktneuheiten entwickelt. Als wichtigsten Grund für eine Zusammenarbeit nennen 90 Prozent das Innovationspotenzial der jungen Firmen.

Auch die Start-ups ziehen eine positive Bilanz. Laut Startup Monitor 2026 bewerten 67,5 Prozent der kooperierenden Start-ups den Weg vom Pilotprojekt zur langfristigen Partnerschaft positiv. Schwächer schneidet das Tempo ab: Nur 44,6 Prozent sind mit der Geschwindigkeit der Abläufe zufrieden.

Warum wird trotzdem seltener kooperiert? Ein Grund ist die Suche. 59 Prozent der etablierten Unternehmen fällt es laut Startup-Verband und Accenture schwer, ein passendes Start-up zu finden. 76 Prozent setzen deshalb auf Vermittler wie Investoren, Hochschulen oder Beratungen, 80 Prozent nennen Veranstaltungen als wichtigen Startpunkt.

IBB Ventures und der Fonds B#

Kalz, Nanolope und AERLIN haben eines gemeinsam: Sie wurden über B# („be sharp“) finanziert, den Pre-Seed-Fonds von IBB Ventures, der Wagniskapitalgesellschaft der Investitionsbank Berlin. Der Fonds investiert insgesamt 10 Millionen Euro in Deep-Tech-Gründungen der Frühphase, je Start-up 100.000 bis 400.000 Euro. Das Geld stammt aus dem EU-Programm STEP.

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