Unternehmen im digitalen Wettbewerb

SEO-Experte: „Google-Sichtbarkeit kann über Umsatz oder Umsatzverlust entscheiden“

Ob Onlinehandel, Dienstleister oder Industrieunternehmen: Wer im Internet gefunden werden will, muss seine Website regelmäßig überprüfen. SEO-Experte Kaspar Szymanski erklärt, welche Folgen Google-Updates haben können, warum KI-Tools nicht jede SEO-Frage lösen und mit welchen drei Maßnahmen Unternehmen ihre Sichtbarkeit verbessern können.

Von: Diana Zöller
Professionelles Porträt einer Person in dunklem Poloshirt vor neutralem grauem Hintergrund. Zu sehen ist Kaspar Szymanski von Search Brothers

Kaspar Szymansky, SEO Consultant Search Brothers

Kaspar Szymanski ist Mitgründer von SearchBrothers, einer auf Suchmaschinenoptimierung (SEO) spezialisierten Beratung. Der ehemalige Google-Mitarbeiter berät Unternehmen weltweit zu Themen wie Google-Sichtbarkeit, Website-Audits und der Erholung nach Rankingverlusten.

Plötzlicher Sichtbarkeitsverlust: Warum Unternehmen um ihre Google-Präsenz bangen

Sie beschäftigen sich seit vielen Jahren mit dem Thema Google-Sichtbarkeit. Welche Unsicherheiten erleben Unternehmen dabei am häufigsten?

Ich befasse mich seit mittlerweile 20 Jahren mit diesem Thema und begann meine berufliche Laufbahn bei Google Search – bin also quasi Insider. Aktuell fürchten viele Unternehmen einen plötzlichen Verlust ihrer Sichtbarkeit bei Google. Gerade für Onlinehändler kann das gravierende Folgen haben: Wenn potenzielle Kunden die Website nicht mehr finden, brechen häufig auch die Umsätze ein. Besonders kritisch wird es im vierten Quartal, wenn Weihnachtsgeschäft, Black Friday und Cyber Monday einen großen Teil des Jahresumsatzes ausmachen.


Die Ursachen für einen Sichtbarkeitsverlust sind entweder ein Verstoß gegen die Google-Richtlinien auf der Webseite oder, dass ein größeres Google-Update, wie z.B. Google Spam im August 2026, die Bewertung von Websites verändert.


Betroffene Webplattformen versuchen oft zunächst, eine manuelle Strafmaßnahme in Eigenregie zu entfernen, und scheitern vielfach an der Komplexität des Themas. Und hier gilt: Wer zu lange wartet oder auf ungeeignete Maßnahmen setzt, kann die Situation verschlimmern und damit nachhaltig Vertrauen verlieren.


Darüber hinaus sorgen größere Google-Updates auch immer wieder für Überraschungen: Sie können dazu führen, dass Websites von heute auf morgen deutlich schlechter gefunden werden. Deshalb sollten Unternehmen ihre Online-Präsenz regelmäßig überprüfen und Risiken frühzeitig erkennen.


Ein häufiger Fehler ist dabei die Hoffnung auf schnelle, weil vermeintlich kostengünstige KI-Lösungen. Automatisierte Analysen können hier zwar Hinweise liefern, ersetzen aber keine fundierte SEO-Prüfung durch erfahrene Fachleute.
 

Wie können Unternehmen vorbeugen? 

Unternehmen, die einen relevanten Teil ihres Umsatzes online erzielen, sollten ihre Website regelmäßig prüfen lassen. Ein professionelles SEO-Audit analysiert sowohl technische Schwachstellen als auch die Einhaltung der Google-Richtlinien. 

Wichtig ist dabei der Blick von außen. Interne Teams kennen ihre Systeme oft zu gut, um Probleme mit der nötigen Distanz zu bewerten. Externe Spezialisten erkennen Risiken häufig schneller. 

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Welche Folgen können technische System-Updates haben? 

Technische Änderungen an einer Website werden häufig unterschätzt. Schon Anpassungen an der Seitenstruktur oder dem Quellcode können dazu führen, dass Google Inhalte anders bewertet. Die Folge können starke Schwankungen in der Sichtbarkeit sein. Für Unternehmen bedeutet das im schlimmsten Fall weniger Besucher, geringere Umsätze und belastete Cashflows. 

Häufige technische Veränderungen können zu Ranking-Volatilität, also großen Schwankungen in der Sichtbarkeit der Website führen. Im Klartext bedeutet das, dass inkonsistente technische Signale bei den Google-Algorithmen für Verwirrung sorgen. Das ist alles andere als optimal und sollte möglichst vermieden werden.

Wer die Kontrolle über technische Änderungen behalten möchte, setzt deshalb oft auf eigene Systeme oder plant Updates gezielt außerhalb wichtiger Verkaufsphasen.

Was sind aus Ihrer Sicht die TOP-3 Praxis-Tipps, die sich auch für kleinere Unternehmen umsetzen lassen? 

Man kann klar sagen: Nicht jedes Unternehmen muss SEO priorisieren. Kleinere Betriebe kommen oft mit einer kompakten Website aus, die keine umfangreiche Optimierung erfordert. Für Unternehmen, die entweder global und/oder in einem sehr umkämpften Markt agieren, ist SEO oft ein Muss. Das wird umso wichtiger, je größer der über organischen Traffic generierte Umsatzanteil ist. 

ABER: Auch wenn SEO massiv zur Verkaufssteigerung beitragen kann, stehen das Produkt bzw. die Dienstleistung stets an erster Stelle. Anders gesagt: Ein Unternehmen, das ein klares Alleinstellungsmerkmal hat, wird mit SEO viel bewirken können. Suchmaschinenoptimierung allein ist aber kein Ersatz für eine solide Business Strategie. 

 

Folgende Tipps hätte ich: 

  1. Die Website schnell machen 

    Eine schnelle Website verbessert die Nutzererfahrung und wird von Google bevorzugt. Das liegt vor allem an der schwindenden Aufmerksamkeitsspanne der Nutzer. Lange Ladezeiten führen dagegen häufig dazu, dass Besucher abspringen, bevor die Seite vollständig geladen ist. Wenn also nur ein Faktor positiv beeinflusst werden kann, sollte es unbedingt die Website-Performance sein.

  2. Inhalte aktuell halten 

    Veraltete Inhalte oder nicht mehr verfügbare Produkte sollten nicht dauerhaft in den Suchergebnissen erscheinen. Finden Nutzer auf einer Seite nicht das, was sie erwarten oder landen sie zu oft auf Fehlerseiten („Soft 404“), wirkt sich das langfristig negativ auf die Sichtbarkeit aus. 

  3. Website regelmäßig prüfen lassen 

    Aber der wichtigste Rat lautet: Technik, Inhalte und externe Verlinkungen sollten regelmäßig überprüft werden. Wer mögliche Probleme früh erkennt, kann größere Sichtbarkeitsverluste meist vermeiden. 

    Dabei gilt: Suchmaschinenoptimierung kann Wachstum fördern, ersetzt aber keine gute Unternehmensstrategie. Entscheidend bleiben ein überzeugendes Produkt, ein klarer Kundennutzen und ein nachhaltiges Geschäftsmodell. 

SearchBrothers wurde 2013 von den ehemaligen Google-Mitarbeitern Kaspar Szymanski und Fili Wiese gegründet. Das Unternehmen unterstützt Firmen weltweit bei der Verbesserung ihrer Sichtbarkeit in Suchmaschinen und berät unter anderem zu SEO-Audits, Google-Abstrafungen, Rankingverlusten nach Algorithmus-Updates sowie Website-Migrationen. Dabei bringt SearchBrothers die Perspektive ehemaliger Mitglieder des Google-Search-Teams ein, um Risiken frühzeitig zu erkennen und nachhaltige Strategien für digitale Sichtbarkeit zu entwickeln.