Berlins Start-up-Szene im Check

Startup Monitor 2026: 8 wichtige Zahlen für Berlin

Rekord bei Unicorns, Milliarden für KI und Defense – und Berlin mittendrin: Der Deutsche Startup Monitor 2026 zeigt, wohin sich die Gründerszene bewegt. Acht Zahlen zeigen, was das für Deutschlands Start-up-Hauptstadt bedeutet.

Von: Jana Illhardt
Eine Illustration: Eine Hand hält eine Glühbirne. Sie ist oben aufgebrochen und eine Rakete schießt heraus.

Der deutschen Start-up-Szene geht es gut – auch in Berlin. Die Hauptstadt hat so viele Unicorns wie noch nie.

Der Deutsche Startup Monitor 2026 zeichnet ein überraschend robustes Bild der Gründerszene: Während die deutsche Wirtschaft schwächelt, entstehen so viele Start-ups wie nie zuvor. Investments legen zu, KI wird zum Standard und die Zahl der milliardenschweren Unternehmen erreicht einen Rekord.

Für den aktuellen Startup Monitor hat der Deutsche Startup-Verband Daten von 1.803 Start-ups ausgewertet und zusätzlich Investment- und Gründungsdaten einbezogen. Die Ergebnisse gelten für Deutschland insgesamt. Doch viele der Entwicklungen lassen sich in Berlin besonders deutlich beobachten. Von n8n über Moss bis STARK: Diese 8 Zahlen zeigen, wo die Hauptstadt vom neuen Start-up-Boom profitiert – und wo neue Herausforderungen entstehen.

Trend 1: Berlins Unicorn-Liste wächst weiter

39 Unicorns zählt Deutschland Mitte September 2026 – so viele wie nie zuvor. Allein in diesem Jahr kamen 10 Unternehmen mit einer Bewertung von mindestens 1 Milliarde US-Dollar hinzu.

Berlin steuert gleich mehrere prominente Namen zur deutschen Unicorn-Landschaft bei. Zu den bekanntesten milliardenschweren Start-ups aus der Hauptstadt gehören Trade Republic, N26, n8n, Enpal, GetYourGuide, Choco und Raisin.

Und die Liste wächst: Im Juni sammelte das Berliner DefenseTech STARK 500 Millionen Euro ein und wurde dabei mit mehr als 3,5 Milliarden Euro bewertet. Im August erreichte auch das Berliner Fintech Moss mit einer Bewertung von 1 Milliarde Euro den Unicorn-Status.

Top 10 Unicorns in Berlin – diese Start-ups sind mehr als eine Milliarde wert
Eine Illustration eines blauen Einhornes.
Startup-Metropole Top 10 Unicorns in Berlin – diese Start-ups sind mehr als eine Milliarde wert
Lesezeit: 4 Minuten
Jana Illhardt
Berlins neue Milliarden-Start-ups
3,5 Mrd. Euro
Bewertung des Berliner DefenseTech-Unternehmens STARK nach seiner Series-C-Runde im Juni 2026.
Berlins neue Milliarden-Start-ups
1 Mrd. Euro
Bewertung des Berliner Fintechs Moss seit August 2026.

Trend 2: Berlin bleibt Deutschlands VC-Hotspot

Der bundesweite Investmenttrend zeigt steil nach oben: Bis Ende September flossen laut Deutschem Startup Monitor bereits 8,0 Milliarden Euro Wagniskapital in deutsche Start-ups – mehr als im gesamten Jahr 2025. Besonders große Runden treiben die Entwicklung.

Berlin profitiert davon stark. Bereits im ersten Halbjahr 2026 sammelten Berliner Start-ups laut Startup-Barometer der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young) rund 1,69 Milliarden Euro ein. Damit lag die Hauptstadt beim Finanzierungsvolumen bundesweit vorn. Auch die Zahl der Deals war mit 95 Finanzierungsrunden höher als in jedem anderen Bundesland. Bayern kam auf 93.

Ganz ungefährdet ist Berlins Spitzenposition allerdings nicht. München zieht vor allem besonders große Runden an: 5 der 10 größten Finanzierungsrunden 2026 kamen aus München, zudem sitzen 13 der aktuell 39 deutschen Unicorns in Bayern. Der Wettbewerb der beiden wichtigsten deutschen Start-up-Standorte wird damit enger.

EY Startup-Barometer: Berlin führend bei Start-up-Finanzierungen
Zu sehen ist eine Grafik eines Diagramms. Eine Lupe ist über das Diagramm gehalten.
Start-ups EY Startup-Barometer: Berlin führend bei Start-up-Finanzierungen
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Trend 3: KI wird zum Standard – Berliner Start-ups sind vorne dabei

Mehr als jedes zweite deutsche Start-up hat Künstliche Intelligenz inzwischen ins Zentrum seines Produkts gestellt: Der Anteil stieg innerhalb eines Jahres von 45,1 auf 53,3 Prozent. 2024 waren es erst 39 Prozent.

In Berlin lässt sich dieser Wandel an einigen der wachstumsstärksten Unternehmen beobachten.

  • n8n verbindet Workflow-Automatisierung zunehmend mit KI und wurde nach einem Investment von SAP im Mai 2026 mit rund 5,2 Milliarden US-Dollar bewertet. Damit gilt das Unternehmen als wertvollstes KI-Start-up Deutschlands.
  • Auch Parloa entwickelt KI-Lösungen für den Kundenservice.
  • Choco setzt KI unter anderem zur Automatisierung von Bestellprozessen im Lebensmittelhandel ein.

KI entwickelt sich damit zu einem der wichtigsten Wachstumstreiber der Berliner Start-up-Szene.

Trend 4: 500 Millionen Euro für STARK – DefenseTech wird auch in Berlin zum Milliardenmarkt

Besonders viel Geld fließt 2026 in technologieintensive Start-ups. Bundesweit stiegen die Investitionen in DeepTech von 2,9 auf 6,4 Milliarden Euro, im Defense-Bereich sogar von 1,1 auf 3,0 Milliarden Euro.

Berlin hat mit STARK eines der sichtbarsten Beispiele für diesen Boom. Das 2024 gegründete Unternehmen entwickelt unbemannte Systeme für den Verteidigungssektor und sammelte im Juni 500 Millionen Euro ein. Die Bewertung: mehr als 3,5 Milliarden Euro. Zu den Geldgebern zählen der NATO Innovation Fund sowie internationale und Berliner Investoren.

Damit verschiebt sich auch das Profil der Berliner Gründerszene. Neben FinTech, E-Commerce und Software gewinnen kapitalintensive Bereiche wie KI, DeepTech und DefenseTech an Bedeutung.

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Trend 5: 76,5 Prozent B2B-Umsatz – für Berlins Wirtschaft werden Start-ups noch wichtiger

Start-ups verkaufen längst nicht mehr überwiegend an Privatkund. 76,5 Prozent ihrer Umsätze entstehen inzwischen im Geschäft mit anderen Unternehmen – ein neuer Rekord.

Für einen Standort wie Berlin ist das besonders relevant: Viele junge Unternehmen entwickeln Software, KI, Finanz-, Energie- oder Logistiklösungen für Firmenkunden. Beispiele reichen von n8n und Parloa über Moss bis Choco.

Doch ausgerechnet die Zusammenarbeit zwischen Start-ups und etablierter Wirtschaft geht zurück. Nur noch 54,1 Prozent der Start-ups kooperieren mit etablierten Unternehmen – 2024 waren es 61,9 Prozent. Dabei bewerten 74,2 Prozent der Start-ups, die solche Kooperationen eingehen, den Return on Investment positiv.

Für Berliner Unternehmen steckt darin Potenzial: Start-ups sind immer häufiger mögliche Technologiepartner – gleichzeitig kommen beide Seiten offenbar noch zu selten zusammen.

Trend 6: Fachkräftemangel verliert für Start-ups an Schrecken

Eine der größten Wachstumsbremsen der vergangenen Jahre verliert deutlich an Bedeutung. Nur noch 14,9 Prozent der Start-ups bewerten den Fachkräftemangel als großes oder sehr großes Problem. 2024 waren es noch 30 Prozent. Bei Start-ups ab 50 Beschäftigten fiel der Wert sogar von 56,3 auf 18,3 Prozent.

Für Berliner Scale-ups ist das eine gute Nachricht. Gerade schnell wachsende Tech-Unternehmen konkurrieren in der Hauptstadt seit Jahren um Softwareentwickler, KI-Spezialist und andere hoch qualifizierte Fachkräfte.

Gleichzeitig deutet der Deutsche Startup Monitor auf einen strukturellen Wandel hin: KI-Tools können insbesondere Softwareunternehmen produktiver machen. Trotz kleinerer durchschnittlicher Teams wollen 83 Prozent der befragten Start-ups in den kommenden zwölf Monaten neue Mitarbeiter einstellen.

Trend 7: Auch Berliner Start-ups hängen von US-Technologie ab

Cloud, Software, KI: 64,2 Prozent der deutschen Start-ups setzen bei ihrem Tech-Stack überwiegend oder vollständig auf US-Anbieter. Gleichzeitig versuchen 59 Prozent gezielt, europäische Alternativen zu nutzen.

Das Thema ist gerade für den Digitalstandort Berlin relevant. Unternehmen wie n8n zeigen, dass digitale Souveränität selbst zum Geschäftsargument werden kann: Bei der Zusammenarbeit mit Mercedes-Benz spielte laut Unternehmen auch die Möglichkeit eine Rolle, die Plattform unabhängig von den großen Cloud-Anbietern betreiben zu können.

Doch europäische Angebote haben noch Lücken. 63 Prozent der wechselwilligen Start-ups beklagen einen geringeren Funktionsumfang europäischer Lösungen, 54,8 Prozent finden für ihren Anwendungsfall gar keine europäische Alternative. Der Markt bietet damit zugleich eine Chance für neue Tech-Unternehmen aus Berlin.

Trend 8: 61,9 Prozent würden in den USA an die Börse gehen – auch für Berliner Scale-ups ein Warnsignal

Berlin kann Start-ups groß machen. Ob die größten von ihnen dauerhaft von Deutschland aus weiterwachsen, ist eine andere Frage.

Von den Start-ups mit Börsenambitionen bevorzugen 61,9 Prozent einen Börsengang in den USA. Nur 27 Prozent würden Deutschland wählen.

Gerade für Berlin ist das relevant: Die Hauptstadt bringt mit Unternehmen wie Trade Republic, n8n, Enpal oder GetYourGuide regelmäßig international erfolgreiche Scale-ups hervor. Der Startup Monitor zeigt jedoch, dass für die nächste Wachstumsphase weiterhin Kapital und attraktive Rahmenbedingungen fehlen.

Die Bilanz für Berlin ist deshalb zweigeteilt: Die Hauptstadt profitiert stark vom Boom bei KI, Wagniskapital und neuen Unicorns. Die nächste Herausforderung besteht darin, aus erfolgreichen Start-ups dauerhaft große Unternehmen zu machen – und sie am Standort zu halten.