IHK Berlin. Offizieller Unterstützer der Berliner Wirtschaft.

Nach einer aufmerksamkeitsstarken Teaserphase geht die Kampagne der IHK Berlin in die nächste Stufe. Mit „WTF is IHK?“ wurde bewusst Neugier geweckt und Gespräche angestoßen.

Jetzt löst die Kammer diese Frage auf – klar, sichtbar und mit Haltung. 

Die Unternehmer stehen stellvertretend für die Vielfalt der Berliner Wirtschaft. 

Durch ihre Perspektiven wird deutlich, was der Claim konkret bedeutet – und wie die IHK Berlin Unternehmen tatsächlich unterstützt. 

IHK Berlin. Offizieller Unterstützer der Berliner Wirtschaft.

KI-Robotik in der Pflege

Exoskelett in der Pflege: Wie German Bionic bis zu 38 Kilo Last abnimmt

Das KI-Exoskelett Exia von German Bionic soll Pflegekräfte beim Heben um bis zu 38 Kilogramm entlasten. Berliner Kliniken testen, ob die Technik Rücken schont und den Pflegeberuf attraktiver macht.

Ulrike Menn
Eine Frau mit einem Exoskelett versucht eine andere Personen beim Aufstehen von einem Bett zu helfen.

Exoskelette sind in Berliner Kliniken derzeit im Probebetrieb.

Exoskelett in der Pflege: Technik gegen den Personalmangel

In Berlin herrscht – wie in Deutschland insgesamt – ein anhaltender Pflegenotstand. Der akute Mangel an Pflegekräften dürfte die Situation in den kommenden Jahren weiter verschärfen.

Deutschlandweit fehlen derzeit etwa 130.000 Pflegekräfte. In Berlin könnten bis 2030 in der ambulanten und stationären Altenpflege rund 20.000 Fachkräfte fehlen.

Gleichzeitig erreichen die geburtenstarken Babyboomer-Jahrgänge zunehmend das Rentenalter. Immer mehr Menschen werden immer älter und sind im Laufe ihres Lebens möglicherweise auf Pflege angewiesen.

Technologie und Künstliche Intelligenz könnten dabei helfen, den wachsenden Herausforderungen der Pflegebranche zu begegnen. Ein möglicher Ansatz ist der Einsatz von Exoskeletten in der Pflege.

Die körpergetragenen Systeme unterstützen Pflegekräfte bei körperlich belastenden Tätigkeiten. Sie sollen die physische Beanspruchung verringern und können damit zur Gesundheitsförderung, zur Arbeitszufriedenheit sowie zur Reduzierung krankheitsbedingter Ausfälle beitragen.

In der Logistik werden Exoskelette bereits erfolgreich eingesetzt – beispielsweise beim Heben, Tragen und Transportieren von Paketen. Nach und nach halten die intelligenten Hilfsmittel nun auch Einzug in Kliniken.

Eine Frau, die in einem Flur mit verschränktem Armen steht und nach vorne blickt.
Es ist das leistungsstärkste smarte Exoskelett, das momentan für den Markt verfügbar ist.“
Norma Steller Technologiechefin bei German Bionic

German Bionic testet das Exoskelett Exia in Berliner Kliniken

In Deutschland beschäftigen sich unter anderem die süddeutschen Unternehmen SuitX by Ottobock und Carl Stahl mit der Entwicklung von Exoskeletten.

Das Robotikunternehmen German Bionic, das einen Standort in Berlin hat, entwickelte das KI-Exoskelett Exia. Das System befindet sich derzeit in Berliner Kliniken im Probebetrieb.

„Es ist das leistungsstärkste smarte Exoskelett, das momentan für den Markt verfügbar ist. Es ist ein am Körper getragenes aktives Exoskelett. Das bedeutet, der Pflegende zieht das Exoskelett an und bekommt über eine externe Energiequelle, in unserem Fall eine Batterie, die zwei Elektromotoren antreibt, mehr Energie zur Verfügung gestellt, als der Körper selbst aufbringen kann. Es kompensiert bei Hebebewegungen 38 Kilogramm“, erzählt Norma Steller, Technologiechefin bei German Bionic.

Was sind Exoskelette?

Exoskelette sind körpergetragene Assistenzsysteme, die Menschen bei körperlichen Tätigkeiten unterstützen. Sie werden ähnlich wie ein Rucksack oder eine äußere Stützstruktur angelegt und stabilisieren oder verstärken bestimmte Bewegungen.

Passive Exoskelette kommen ohne elektrischen Antrieb aus. Sie verteilen Kräfte beispielsweise mithilfe von Federn, Seilzügen oder mechanischen Stützelementen auf verschiedene Körperbereiche.

Aktive Exoskelette verfügen dagegen über eine eigene Energieversorgung und einen motorisierten Antrieb. Sensoren erkennen Bewegungen, während die Motoren zusätzliche Kraft bereitstellen.

In der Pflege können solche Systeme insbesondere bei körperlich belastenden Tätigkeiten helfen – etwa beim Aufrichten, Umlagern oder Mobilisieren von Patientinnen und Patienten. Sie sollen Pflegekräfte unterstützen, ersetzen aber weder das Fachpersonal noch klassische Hilfsmittel wie Patientenlifter.

Exoskelett für die Pflege entstand mit der Charité

Bei der Entwicklung des Exia für den Pflegebereich arbeitete German Bionic eng mit Dr. Sandra Strube-Lahmann zusammen. Sie leitet die Arbeitsgruppe Pflegeforschung an der Berliner Charité.

Auch Maximilian Knorre, stellvertretender Pflegedirektor am Sana Klinikum Lichtenberg, befürwortet einen zeitnahen Einsatz von Exoskeletten auf der geriatrischen Station: „In der Pflege steht das Wohl der Mitarbeitenden und der Patientinnen und Patienten im Mittelpunkt. Um diesem Anspruch auch unter zunehmendem Fachkräftemangel gerecht zu werden, benötigen wir innovative, praxisnahe Lösungen“, so Knorre. „Exoskelette sind eine davon.“

Foto von Prof. Dr.-Ing. Ivo Boblan von der Berliner Hochschule für Technik

Prof. Dr.-Ing. Ivo Boblan Berliner Hochschule für Technik

Können Exoskelette den Fachkräftemangel in der Pflege lindern?

Professor Dr. med. Herbert Schuster führt eine Arztpraxis in Wilmersdorf und hat sich auf Präventivmedizin spezialisiert. Er ist bekennender Fan von Exoskeletten in der Pflege: „Ich habe viele Exoskelett-Testläufe mitgemacht. Da ist erst Skepsis bei den Pflegekräften. Dann haben wir einen ganz einfachen Versuch gemacht. Die Pflegenden sollten einen Kasten Mineralwasser vom Boden auf einen Stuhl heben. Erst ohne, dann mit Exoskelett. Ich habe an den Gesichtern gesehen, wie sie schmunzeln und sagen: Ist ja unglaublich. Das ist ja, als wenn der Kasten Wasser mir entgegenkommt“.

Als Vorsorgeexperte überzeugt ihn vor allem, dass der Einsatz von Exoskeletten Bandscheibenvorfällen und anderen chronischen Rückenschäden vorbeugen kann. Er wünscht sich einen baldigen regelhaften Einsatz in Kliniken und Altenheimen.

Roboter könnten den Pflegenden in Zukunft Arbeiten abnehmen“
Professor Dr.-Ing. Ivo Boblan Lehrstuhl für Humanoide Robotik, Berliner Hochschule für Technik

Humanoide Roboter in der Pflege: Unterstützung statt Ersatz

Professor Dr.-Ing. Ivo Boblan teilt sich mit zwei Kollegen den Lehrstuhl für Humanoide Robotik an der Berliner Hochschule für Technik. Boblan und sein Team haben bereits mehrere Forschungsprojekte im Bereich Exoskelette durchgeführt, insbesondere mit Fokus auf ergonomische Unterstützung bei körperlich schwerer Arbeit. 

Doch es sind nicht nur die Exoskelette, die zukunftsweisend in der Pflege sind. Wenn Boblan in die Zukunft blickt, sieht er humanoide Roboter auf den Pflege- und Krankenstationen. Nicht um Menschen zu ersetzen, sondern um ihnen Arbeit abzunehmen. „Roboter könnten den Pflegenden in Zukunft Arbeiten abnehmen, wie etwa Spritzen aufziehen, Medikamente entblistern, oder auch das Mittagessen holen“. Die Technik, die Systeme und die Prototypen sind schon da. Wann die Roboter aber tatsächlich über Klinikflure „geistern“ – das sei, wie so oft, eine Frage des Geldes. 

Pflegewirtschaft in Berlin

Der Trendreport des regionalen Netzwerks Gesundheitsstadt Berlin e.V. gibt Überblick über Trends, Themen, Technologien der Branche

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