IHK Berlin. Offizieller Unterstützer der Berliner Wirtschaft.

Nach einer aufmerksamkeitsstarken Teaserphase geht die Kampagne der IHK Berlin in die nächste Stufe. Mit „WTF is IHK?“ wurde bewusst Neugier geweckt und Gespräche angestoßen.

Jetzt löst die Kammer diese Frage auf – klar, sichtbar und mit Haltung. 

Die Unternehmer stehen stellvertretend für die Vielfalt der Berliner Wirtschaft. 

Durch ihre Perspektiven wird deutlich, was der Claim konkret bedeutet – und wie die IHK Berlin Unternehmen tatsächlich unterstützt. 

IHK Berlin. Offizieller Unterstützer der Berliner Wirtschaft.

Kreativszene als Wachstumsmotor

Yorck-Kino-Chef Christian Bräuer: "Die Kreativszene zählt zu Berlins Schwerindustrie"

Christian Bräuer ist für die 14 Programmkinos der Yorck Kinogruppe verantwortlich. Er erklärt, warum Filmtheater wieder im Aufwind sind – gerade bei jüngeren Menschen.

Von: Almut Kaspar
Zu sehen ist ein Mann mit weißem Shirt, der auf einem Sitz in einem leeren Kino sitzt und freundlich in die Kamera blickt.

Für Dr. Christian Bräuer ist die Filmbranche, so wie die gesamte Kreativwirtschaft, ein wichtiger Wachstumsmotor für Berlin. Das liegt seiner Ansicht auch daran, dass der Senat die Bedeutung dieses Wirtschaftszweigs erkannt und ihn gefördert hat. Bräuer hofft, dass das auch so bleibt, denn gerade die kleineren Kinos sind seiner Ansicht nach ein wichtiger Teil der Kiez- und Stadtkultur, die aber auch künftig immer wieder vor großen Herausforderungen stehen werden.

Filmbranche und Kreativwirtschaft als Wachstumsmotor für Berlin

Kinos zählen zur Kreativwirtschaft. Wie kreativ müssen Betreiber von Programmkinos tatsächlich sein?

Im engeren Sinne wird die Kreativleistung natürlich von den Filmschaffenden erbracht. Doch Kinos sind der Schlüssel zum Publikum, wirtschaftlich und gesellschaftlich die Herzkammer für Filme und damit Lokomotive der Wertschöpfungskette. Zugleich erfordern natürlich Filmauswahl und Programmgestaltung, die Gestaltung der Orte oder die Kommunikation auch einiges an Kreativität.

Worin liegt die Kreativität bei der Filmauswahl?

Filme können heute durch die Digitalisierung deutlich günstiger auf die große Leinwand gebracht werden. Deshalb ist das Angebot stark gewachsen – und damit natürlich auch unsere kuratorische Leistung, die das Publikum von Programmkinos erwartet. Heute ist es selbst für uns teils schwer, das Filmangebot komplett zu überblicken. Vor der Pandemie hat die Yorck Kinogruppe etwa 500 Filme pro Jahr gezeigt. Im vergangenen Jahr waren es über 1.100. Daher gewinnen kuratierte Auswahl, Gestaltung von filmbezogenen Events und Publikumsarbeit massiv an Bedeutung. Kurz: Hinter jedem Film steckt auch für uns eine Menge Arbeit.

Vor der Pandemie hat die Yorck-Gruppe etwa 500 Filme im Jahr gezeigt. Im vergangenen Jahr waren es über 1.100.“
Christian Bräuer Geschäftsführer Yorck-Gruppe

Berliner Filmszene und Arthouse-Kino

Wie eng ist Ihr Verhältnis zur Berliner Filmszene?

Unser Hauptpartner ist der Filmverleih, viel verbindet uns mit den weiteren Kinos. Aber wir sind auch in engem Kontakt mit vielen Festivals, Filmproduktionen oder direkt mit Kreativen – insbesondere, wenn sie bei uns Filmpremieren feiern, ihre Filme vorstellen. Der gesamte Film- und Kinomarkt – gerade im Bereich Arthouse – ist enorm gewachsen. Das gilt auch für die Berliner Filmszene. Es ist nicht so, dass jeder jeden kennt.

Gibt es für Sie so etwas wie den „Berliner Film“?

Ja. Filme, die hier in der Stadt spielen und Berlin-spezifische Themen behandeln, die sich mit der Vielfalt dieser Metropole beschäftigen. Für solche Filme gibt es bei unserem Publikum eine hohe Neugier. Generell sind für uns Filme mit urbanen Themen sehr wichtig. Als Betreiber von Programmkinos sind Kunstfreiheit und Filmvielfalt so etwas wie unsere DNA.

Berlin als Standort für Filmproduktionen

Wie sehen Sie die Entwicklung Berlins als Standort für Filmproduktionen?

Die Filmbranche und die Kreativwirtschaft insgesamt expandieren in der Stadt. Das ist ein Wachstumsmotor für Berlin. Die Kultur- und Kreativszene zählen sozusagen zu Berlins „Schwerindustrie“. Die Zahl der Drehtage wächst. Es kommen viele Produktionsfirmen gern nach Berlin. So gab es gleich zu Beginn des Jahres hier parallel drei Hollywood-Produktionen. Wir erfahren eine starke Unterstützung durch die Senatskanzlei und auch parteiübergreifend im Abgeordnetenhaus für den Film. Das Medienboard ist ein starker, hochkompetenter Partner. Das ist ganz wichtig. Dieses klare Bekenntnis für Berlin als film- und kinofreundliche Stadt brauchen wir auch in Zukunft.

Zweifeln Sie denn daran, dass diese Haltung andauert?

Auf die Leistung hinzuweisen, gerade vor Wahlen, kann sicher nie schaden. Ich will nicht, dass vergessen wird, wie wichtig dieses Ökosystem für die Stadt ist, wie stark sich die einzelnen Bestandteile befruchten, und dass dies alles keine Selbstverständlichkeit ist. Dahinter stecken harte Arbeit und weitsichtiges politisches Management. Wir haben mit der Berlinale das größte Publikumsfilmfestival der Welt. In keiner anderen Stadt auf der Welt gibt es mehr Kinos als in Berlin. In Berlin ist Arthouse keine reine Nische – dessen Marktanteil liegt bei einem Drittel. Dies schafft natürlich auch eine Anziehungskraft, die auch die vielen Filmschaffenden sehr schätzen.

Berliner Kinos gewinnen jüngeres Publikum

Wie läuft es für die Yorck Kinogruppe: Haben Sie mehr oder weniger Publikum als vor Corona?

Wir haben in den Yorck-Kinos deutlich mehr Besucher als vor der Pandemie. Besonders erfreulich ist die Entwicklung beim jüngeren Publikum. Das Durchschnittsalter ist nach der Pandemie von 49 auf 37 Jahre gesunken. Berlin kann aber auch insgesamt stolz sein: Kein anderes Bundesland steht im Vergleich mit der Zeit vor der Pandemie bei den Besucherzahlen so gut da. Kino ist Kiezkultur und ein ganz wichtiger Teil der Stadtkultur in Berlin. Keine andere Freizeit- und Kulturaktivität erreicht auch nur ansatzweise die ganze Vielfalt der Bevölkerung so stark wie die Kinos. Das sollten wir nicht als selbstverständlich hinnehmen.

Haben Sie für jedes Ihrer 14 Kinos eine eigene Idee oder würden Sie grundsätzlich überall die gleichen Filme spielen?

Wir sind keine Kette, sondern eine Gruppe individueller Kinos. Die einzelnen Häuser sind auf ganz unterschiedlichen Wegen zu uns gekommen. Hinter jedem Kino steht eine eigene Geschichte, zum Teil sogar eine andere Betreiberstruktur. Deshalb brauchen wir für jedes Kino eine eigene Herangehensweise und eigene programmatische Schwerpunkte, die zur jeweiligen Nachbarschaft passen. Zugleich ist der Film nur ein Teil – für ein schönes Kinoerlebnis braucht es viel mehr.

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Kino als Gemeinschaftserlebnis

Was gehört noch dazu?

Architektur, Bild, der Ton, der Komfort im Kinosaal, die Raumtemperatur, der Service des Kinoteams, eine Kultur der Gastfreundschaft, die Atmosphäre im Saal, die Gastronomie – es gibt so viele Komponenten, das Zusammenspiel macht das Kinoerlebnis aus. Doch es geht vor allem auch um die Menschen, denen wir begegnen: Kino ist ein Gemeinschaftserlebnis, Menschen gehen auch ins Kino, um Gleichgesinnte zu finden.

Was sind das für Communitys?

Grundsätzlich ist unser Ziel, die Vielfalt in unserer Stadt anzusprechen. Das erreichen wir besonders über Filmreihen: Aktuell sind es 15, dazu viele thematische Schwerpunkte. So gibt es zum Beispiel „Mongay“, eine wöchentliche queere Filmreihe, „In the Mood“ für ostasiatisches Kino oder auch „Cine en Español“ für die Spanisch sprechende Community. Wir haben aber auch den Craft Club für gemeinsames Handarbeiten im Kino, der immer voll ist.

Menschen gehen auch ins Kino, um Gleichgesinnte zu treffen.“
Christian Bräuer Geschäftsführer Yorck-Gruppe

Einnahmen und lokale Partnerschaften der Yorck-Kinos

Sind Ticketerlöse Ihre größte Einnahmequelle?

Ja, mit etwa 60 Prozent. Rund 15 Prozent entfallen auf Snacks und Getränke, auf Veranstaltungen auch noch einmal 15 Prozent. Der Rest sind Werbung, besondere Erlöse und Förderung.

Wie wichtig ist Popcorn?

Popcorn steht für Kino – wir stellen es selbst in unserer eigenen Popcornküche her, das sichert die beste Qualität. Wir merken, wie das Publikum dies wertschätzt, ebenso, wenn wir mit Partnern aus Berlin zusammenarbeiten, die ihrerseits lokale Marken sind. Das machen wir auch zum Beispiel mit der Biermanufaktur BRLO oder Kadó, von denen wir seit 20 Jahren vegane Lakritzmischungen beziehen. Das Publikum achtet stark auf die Qualität der Produkte und auch auf die Haltung der Unternehmen.

Kino, Streaming und KI: Die Herausforderungen für Filmtheater

Früher war oft von Kinosterben die Rede. Machen Ihnen Streamingdienste, Multiplex-Kinos oder das Fernsehen heute nicht mehr zu schaffen?

Kino machen war immer herausfordernd, und so wird es auch immer bleiben. Es wird immer technische und gesellschaftliche Veränderungen geben, auf die wir uns einstellen müssen. Heute müssen wir zum Beispiel beobachten, wie sich das Filmemachen durch KI verändert.

Welche Auswirkungen der KI erwarten Sie?

Die IT wird immer noch wichtiger. Früher hatten wir gar kein eigenes IT-Team, heute ist es eine wachsende Abteilung. Haus-, Kinotechnik, Kommunikation, Workflows, alles wird heute durch IT geprägt. Wir nutzen KI, um Prozesse zu vereinfachen, Kosten zu senken sowie zur Analyse und Kommunikation. Die Filmauswahl werden aber weiter Menschen treffen. Unser Publikum will menschliche Empfehlungen haben. Gleiches zählt im Kino: Während alles um uns herum sich verändert, wie sich Menschen über Filme informieren oder Tickets buchen, bleibt das Kinoerlebnis selbst unverändert wie 1895: ein Saal, eine Leinwand, ein Film, ein Publikum.

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