Air Uniqon

Wie eine virtuelle Fluglinie Berlin mit Sylt und dem Bodensee verbindet - und was der Chef vermisst

Eine virtuelle Airline verbindet Berlin mit dem Bodensee – und seit diesem Sommer auch mit Sylt. Air Uniqon versteht sich als Mobilitätsplattform ohne eigene Flugzeuge. Im Interview erklärt Gründer und Geschäftsführer Fabian Rosenberg das Geschäftsmodell, zieht Bilanz zur neuen Sylt-Strecke – und rechnet mit dem Standort Berlin ab.

Von: Hilmar Poganatz
Zu sehen ist ein Mann mit Brille und Bart vor dem Hintergrund eines Kleinflugzeugs, es ist Fabian Rosenberg, Geschäftsführer der AIR UNIQON GmbH

Fabian Rosenberg, CEO der AIR UNIQON GmbH

Herr Rosenberg, eine neue Fluglinie zu gründen, klingt riskant. Wie kam es dazu?

Das ist tatsächlich extrem riskant, die Aviation-Branche ist ein High-Risk-Unterfangen. Der Impuls kam aus der Bodenseeregion um Friedrichshafen. Die Region lag in einem „Verkehrsschatten": Wer dorthin wollte, musste über Zürich, Stuttgart oder München fliegen und dann noch zwei bis dreieinhalb Stunden mit dem Auto weiter – obwohl dort einige der größten deutschen Industrieunternehmen sitzen, etwa Liebherr, Airbus, MTU oder Rolls-Royce. Der Flughafen Friedrichshafen ist deshalb im April 2025 auf uns zugekommen, gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung Bodenseekreis.

…obwohl Sie aus der Filmproduktion und Pressearbeit kommen, nicht aus der Luftfahrt. Wie passt das zusammen?

Mein Team kommt aus der Kommunikation. Wir kümmern uns um Marketing, Ticketing und Social Media, den kompletten Flugbetrieb lagern wir aus – alles Behördliche übernimmt die Fluggesellschaft Avanti Air. Man kann uns also mit Flixbus vergleichen: Auch die besitzen keinen einzigen Bus, sondern beauftragen Busunternehmen und konzentrieren sich auf Marke und Verkauf. Wir sind eher eine Mobilitätsplattform als eine klassische Airline, auch wenn man in der Branche „virtuelle Airline" sagt.

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Jens Bartels

Die Startfinanzierung von Air Uniqon läuft über ein Treuhandkonto, auf das Unternehmen aus der Bodenseeregion 2,5 Millionen Euro eingezahlt haben. Ab wann wollen Sie laut Businessplan mit dem Flugbetrieb selbst schwarze Zahlen schreiben?

Aktuell planen wir die schwarze Null für 2. Quartal 2027. Aufgrund der aktuellen Energie/Treibstoffpreis-Thematik, ist dieses Ziel jedoch sehr ambitioniert. 

Haben andere Flughäfen Air Uniqon wirtschaftliche Anschubhilfe gewährt?

Wir haben ausschließlich vom Flughafen Hamburg eine Unterstützung bekommen. Die Flughäfen Berlin, Sylt oder Düsseldorf haben keine Anschubhilfe gegeben. 

Wie wichtig ist Berlin für Air Uniqon?

Ehrlich gesagt: gar nicht so spannend. Deutlich mehr Bewegung haben wir Richtung Hamburg, weil dort mehr Wirtschaftsstandorte nah beieinanderliegen – etwa zwei Airbus-Werke. Nach Berlin fliegen vor allem Pendler, etwa Bundestagsabgeordnete zur Sitzungswoche, montags hin, donnerstags oder freitags zurück. Dazu kommt seit diesem Sommer Berlin-Sylt.

Aus Düsseldorf mussten Sie sich nach einem halben Jahr zurückziehen. Woran lag das?

Wir haben uns da nicht verkalkuliert. Passagierprognosen haben es eben an sich, dass sie sich erst nach ein, zwei Jahren Flugbetrieb bestätigen oder widerlegen. Wir starten quasi jedes Mal auf der grünen Wiese. Weil wir Flugzeuge aber chartern statt eigene zu besitzen, können wir solche Strecken risikoarm testen: Wir schauen uns die Verkehrsdaten der Flughäfen an, und daraus ergibt sich, ob es weitergeht.

„Aus Berlin oder Brandenburg bekommen wir wirklich null Unterstützung, obwohl es um die Anbindung eines der größten Wirtschaftsstandorte Deutschlands geht“
Fabian Rosenberg CEO von Air Uniqon

Seit Juli fliegen Sie Berlin-Sylt. Sie werben mit „60 Minuten statt sechs Stunden Autofahrt“. Wie lief die erste Saison?

Wir haben die Strecke relativ spät angekündigt, die Auslastung lag zwischen 50 und 65 Prozent – für den Erstaufschlag ganz gut. Wegen der hohen Standortkosten in Berlin, insbesondere Luftverkehrsabgabe und Flugsicherungsgebühren sowie gestiegener Spritpreise müssten wir aber wohl auf etwa 75 Prozent kommen, damit sich die Strecke rechnet. Dieses Jahr war sie noch defizitär. Wie oft wir künftig zwischen Berlin und den Zielen fliegen, klären wir daher erst noch. Ehrlich gesagt ist das fast egal, denn aus Berlin oder Brandenburg bekommen wir wirklich null Unterstützung, obwohl es um die Anbindung eines der größten Wirtschaftsstandorte Deutschlands geht. 

Abgesehen von regionaler Förderung und Flughafengebühren – worin besteht die größte Herausforderung, als Mobilitätsdienstleister Gewinne zu erzielen?

Die "Produktionskosten" sind sehr herausfordernd. Besonders die Standortkosten am Flughafen Berlin-Brandenburg stehen in keinem Verhältnis. Berlin ist um ein Vielfaches teurer als Hamburg, Sylt oder Friedrichshafen. Hinzu kommen die Kosten für die deutsche Flugsicherung, Sicherheitsgebühren oder die Luftverkehrssteuer. Abgaben, die in anderen europäischen Ländern geringer oder komplett wegfallen. 

Fabian Rosenberg gründete 2002 als Filmproduzent, Produktionsleiter und Berater die Firma Rosenberg Entertainment. Seit November 2025 ist der Geschäftsführer der im Februar 2025 gegründeten Air Uniqon. Seit 2024 ist er außerdem freiberuflicher Pressesprecher des Verkehrslandeplatz Welzow bei Senftenberg.