Luftverkehr

Flughafen BER - Wirtschaftsmotor mit angezogener Handbremse

Der BER ist ein Motor für Berlin – doch ihm fehlt Schub. Neue Verkehrsrechte wecken Hoffnung auf Emirates. Gleichzeitig bremsen hohe Standortkosten, Krisen und die Debatte über längere Nachtflugverbote das Wachstum. Was jetzt auf dem Spiel steht.

Von: Dr. André Schmiljun
Zu sehen sind diverse Menschen, die in einem großen Gebäude mit Koffern einen Gang entlanglaufen. Es ist eine Szene aus dem Flughafen BER.

Der Flughafen BER ist ein essenzieller Wirtschaftsfaktor der Hauptstadtregion.

Wie wichtig der BER ist, zeigt eine neue Studie zur wirtschaftlichen Bedeutung des Flughafens. Jeder Arbeitsplatz am BER schafft 1,2 weitere Stellen in der Region. Damit verbunden sind rund 2 Milliarden Euro Einkommen und 3,7 Milliarden Euro Wertschöpfung. Allein in Berlin hängen knapp 19.700 Vollzeitstellen, 1,2 Milliarden Euro Einkommen und 134 Millionen Euro Steuereinnahmen mit dem BER zusammen.

Doch der Flughafen bleibt hinter seinem Potenzial zurück. Das zeigt auch eine Befragung der IHKs Berlin, Potsdam und Cottbus. Für 56 Prozent der Unternehmen ist ein gutes Langstreckenangebot wichtig. Fehlende Direktflüge erschweren Geschäftsreisen, Ansiedlungen, Messen und Kongresse. Auch der Tourismus leidet. Für Robert Rückel, Vizepräsident der IHK Berlin, ist deshalb klar: „Wer Berlin-Brandenburg als Wirtschaftsstandort erhalten will, muss die Konnektivität verbessern und den BER stärken.“

Zu sehen ist ein mittelalter Mann, der feundlich in die Kamera schaut. Es handelt sich um den Vizepräsidenten der IHK Berlin Robert Rückel.
„Wer Berlin-Brandenburg als Wirtschaftsstandort erhalten will, muss die Konnektivität verbessern und den BER stärken.“
Robert Rückel Vizepräsident der IHK Berlin

Weniger Flüge, schwächere Erreichbarkeit

Die Erholung am BER stockt. Im ersten Halbjahr 2026 sank die Zahl der Fluggäste auf 11,9 Millionen. 2019 waren 162 Ziele direkt erreichbar, 2026 sind es nur noch 150. Die Zahl der Flüge liegt rund 28 Prozent unter dem Niveau von 2019. Ryanair hat zudem seine Berliner Basis geschlossen und zwölf Strecken gestrichen. Für die Berliner Wirtschaft bedeutet das: weniger Auswahl, längere Wege und schlechtere Chancen im internationalen Wettbewerb.

Der Markt ist nur ein Teil des Problems. Krisen, gesperrte Lufträume und knappe Flugzeuge belasten die Branche. Hinzu kommen hohe Steuern, Gebühren und weitere staatliche Kosten. Deutschland ist für Airlines teuer. Sie kürzen Verbindungen oder verlagern Kapazitäten ins Ausland. Der BER verliert dadurch Angebot, Wachstum und Standortqualität.

Wie sich der Hauptstadtflughafen von der Lachnummer zum Erfolgsmodell entwickelte
Der Flughafen Berlin-Brandenburg ist Wachstumsmotor der Hauptstadtregion
IHK zieht Bilanz nach 5 Jahren Wie sich der Hauptstadtflughafen von der Lachnummer zum Erfolgsmodell entwickelte
Lesezeit: 2 Minuten
Wirtschaftskonferenz: Bessere Infrastruktur in Airportregion notwendig
Foto von Manja Schreiner, IHK Berlin, auf einer Bühne
Verkehr rund um den BER Wirtschaftskonferenz: Bessere Infrastruktur in Airportregion notwendig
Lesezeit: 1 Minute
Holger Lunau

Emirates: Neue Rechte, hohe Hürden

Auch die neuen Verkehrsrechte für die Vereinigten Arabischen Emirate bringen vorerst keinen Durchbruch. Emirates darf Berlin theoretisch anfliegen. Der Preis wäre jedoch hoch: Das Angebot an den vier bestehenden deutschen Standorten würde eingefroren. Zusätzliche Flüge wären dort nicht mehr möglich. Auch neue Weiterflugrechte, etwa von Hamburg nach New York, wären ausgeschlossen. Für Berlin-Brandenburg bleibt die neue Regelung damit bislang ohne Nutzen.

Immerhin: Die Lufthansa-Tochter Eurowings stationiert zwei zusätzliche Flugzeuge am BER und verfügt damit über elf Maschinen. Insgesamt nennt das Unternehmen 38 Ziele für den Winterflugplan 2026/27.

Neu beziehungsweise erstmals im Winter angeboten werden unter anderem Rom, Bologna und Kuusamo in Finnland. Ab dem 2. November fliegt Eurowings viermal wöchentlich nach Rom und dreimal nach Bologna. Außerdem bleiben Bilbao, Porto, Lissabon und Sarajevo im Winter erreichbar. Auch die Verbindungen nach Fuerteventura, Gran Canaria, Lanzarote und Teneriffa werden ausgebaut.

Auch Wizz Air erweitert sein Angebot. Die Fluggesellschaft verbindet Berlin ab dem 26. Oktober dreimal wöchentlich mit Vilnius. Damit bleibt die litauische Hauptstadt trotz der Ryanair-Streichung direkt erreichbar. Ab dem 3. Dezember kommt Sarajevo hinzu. EasyJet ergänzt den Winterflugplan unter anderem um Newcastle und Verbindungen zu beiden großen Mailänder Flughäfen.

Was der neue Senat jetzt tun muss

Der neue Senat kann gegensteuern. Er sollte sich im Bund für niedrigere Standortkosten einsetzen, die Produktion nachhaltiger Flugkraftstoffe in der Hauptstadtregion stärken und die Anbindung des BER verbessern. Eine Ausweitung des Nachtflugverbots wäre dagegen das falsche Signal, meint auch IHK-Vizepräsident Robert Rückel. “Sie würde den Flugbetrieb weiter einschränken und neue Verbindungen erschweren. Wer den Wirtschaftsstandort stärken will, muss dem BER mehr Chancen geben – nicht weniger”. Dazu gehören auch mehr internationale Direktverbindungen, betont der Unternehmer.