Tourismus & Kultur

Private Museen in Berlin: Zwischen Innovation und Existenzdruck

Vom DDR Museum bis zum Deutschlandmuseum: Private Museen gehören zu Berlins touristischen Attraktionen und setzen auf interaktive, multimediale Konzepte. Doch das angekündigte Aus für das Bud Spencer Museum und das Berlin Dungeon zeigt auch, wie verletzlich privat finanzierte Kultur- und Erlebnisangebote sind.

Von: Mateusz Hartwich

DDR-Museum: im Jahr 2022 mit 430.000 Besuchern das meistbesuchte Privatmuseum Berlins

Berlin ist eine Museumsstadt – und längst nicht alle Häuser gehören Bund, Land oder Bezirken. Rund 170 Museen zählt visitBerlin aktuell in der Hauptstadt. Kunst und Kultur gehören zudem zu den wichtigsten Gründen für eine Berlin-Reise: Im Qualitätsmonitor von VisitBerlin stehen Sehenswürdigkeiten auf Platz 1 der Besuchsgründe, Kunst und Kultur auf Platz 2.

Das macht Museen auch zu einem Wirtschaftsfaktor für den Tourismus. Allerdings ist das Umfeld anspruchsvoller geworden. Von Januar bis August 2026 kamen rund 8,1 Millionen Gäste nach Berlin, die Gästezahl blieb damit insgesamt stabil. Die Zahl der Übernachtungen sank gegenüber dem Vorjahreszeitraum aber um 2,6 Prozent. Bei ausländischen Gästen gingen sowohl Ankünfte als auch Übernachtungen zurück.

Private Museen trifft jede Veränderung der Nachfrage unmittelbar. Anders als öffentlich finanzierte Häuser müssen sie einen großen Teil ihrer Kosten selbst erwirtschaften. Das zwingt sie dazu, ihr Angebot permanent weiterzuentwickeln – macht sie aber gleichzeitig empfindlicher gegenüber sinkenden Besucherzahlen, steigenden Kosten oder Problemen am Standort.

Deutschlandmuseum: als erstes deutsches Museum mit dem THEA Award ausgezeichnet

Warum private Museen besonders innovativ sein müssen

Einer, der dieses Geschäftsmodell gut kennt, ist Robert Rückel. Nach Jahren als Geschäftsführer des beliebtesten Privatmuseums übernahm er 2016 das Deutsche Spionagemuseum und 2023 das Deutschlandmuseum. Nach nicht einmal einem halben Jahr erhielt Letzteres den „Museums-Oscar“, den THEA Award, als erstes deutsches Museum überhaupt. Inzwischen kamen weitere internationale Auszeichnungen hinzu.

Rückel, der auch IHK-Vizepräsident ist, sagt: „Private Museen sind auf Besucher angewiesen. Sie müssen also, um zu überleben, besucherorientiert arbeiten und die Wünsche ihrer Zielgruppe erfüllen. Das steigert die Innovationskraft und lässt private Museen interaktiver, multimedialer und barrierefreier sein als die meisten staatlichen Museen.“

Entsprechend konsequent müssten sie sich an den Bedürfnissen ihres Publikums orientieren. Genau daraus entstünden häufig interaktive, multimediale und niedrigschwellige Angebote.

DDR Museum: Zehn Millionen Gäste ohne öffentliche Förderung

Dass ein privat finanziertes Museum dauerhaft ein großes Publikum erreichen kann, zeigt das DDR Museum an der Spree. Im April 2026 begrüßte das Haus seine zehnmillionste Besucherin – knapp 20 Jahre nach der Eröffnung. Seit 2012 verzeichnet das Museum nach eigenen Angaben jährlich weit mehr als eine halbe Million Besucher.

Bemerkenswert ist dabei auch das Finanzierungsmodell: Das DDR Museum verzichtet nach eigenen Angaben vollständig auf öffentliche Förderung und finanziert sich über Eintrittsgelder und Umsätze aus dem Museumsshop. Einnahmen müssen entsprechend nicht nur den laufenden Betrieb, sondern auch Sammlung, Vermittlung und Weiterentwicklung des Hauses finanzieren.

Besucherorientierung ist bei solchen Häusern deshalb nicht nur eine Frage der Kulturvermittlung, sondern Teil des Geschäftsmodells.

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Nischenmuseen in Berlin: Vom Computerspiel bis zum Samurai

Auch kleinere private Häuser setzen häufig auf Themen, die in den klassischen öffentlichen Museen wenig Platz finden. Das Computerspielemuseum  widmet sich der Geschichte und Kultur digitaler Spiele, das Samurai-Museum  japanischer Kultur und Kampfkunst. Das Illuseum setzt ganz auf optische Täuschungen und Interaktion.

Solche Konzepte zeigen eine Stärke privater Anbieter: Sie können relativ schnell neue Nischen besetzen, Zielgruppen sehr direkt ansprechen und Museum, Freizeitattraktion und Erlebnisangebot miteinander verbinden.

Doch gerade diese Abhängigkeit vom Publikum birgt Risiken. Zwei aktuelle Fälle machen deutlich, dass ein ungewöhnliches Konzept und eine bekannte Marke allein keine wirtschaftliche Sicherheit garantieren.

Bud Spencer Museum: Wenn Standortprobleme zum wirtschaftlichen Risiko werden

Das Bud Spencer Museum Unter den Linden wird Ende 2026 schließen. Am 23. Dezember sollen letztmals Besucher eingelassen werden, zum Jahresende endet der Betrieb am Standort endgültig. Dabei war die Ausstellung zunächst erfolgreich: Nach Angaben der Betreiber kamen allein in den ersten zweieinhalb Jahren mehr als 250.000 Besucher.

Die Betreiber führen das Aus auf mehrere Faktoren zurück: Mehr als ein Jahr lang hätten Bauarbeiten unmittelbar vor dem Museum Zugang und Sichtbarkeit beeinträchtigt und zu erheblichen Einbußen geführt. Hinzu kamen wohl Konflikte mit dem Bezirksamt Mitte etwa um Außenwerbung und die Nutzung von Außenflächen. Auch gestiegene Kosten, die Konsumstimmung und die fehlende öffentliche Förderung nennt die Betreibergesellschaft als Belastungen.

Der Fall zeigt damit eine Kehrseite des privat finanzierten Museumsbetriebs: Wenn Eintrittseinnahmen die wirtschaftliche Basis bilden, können äußere Faktoren wie eine langwierige Baustelle erhebliche Auswirkungen haben.

Ob das Bud Spencer Museum an anderer Stelle wiedereröffnet wird, ist bislang offen. Die Betreiber wollen Sammlung und Erinnerung an den Schauspieler grundsätzlich erhalten, konkrete Pläne für einen neuen Standort gibt es aber noch nicht.

Berlin Dungeon schließt nach 13 Jahren

Auch an anderer Stelle verändert sich Berlins privatwirtschaftliche Erlebnislandschaft. Das Berlin Dungeon an der Spandauer Straße schließt am 6. November 2026 nach mehr als 13 Jahren. Das Dungeon ist kein Museum im klassischen Sinne, bewegt sich mit seinen historischen Themen, Inszenierungen und Live-Shows aber im selben touristischen Wettbewerb um Zeit und Eintrittsgelder der Berlin-Gäste.

Auf rund 2.500 Quadratmetern inszeniert die Attraktion 600 Jahre Berliner Geschichte mit Schauspiel, Fahrgeschäften und interaktiven Elementen. Anders als beim Bud Spencer Museum hat Betreiber Merlin Entertainments bislang keine Gründe für die Schließung genannt. Das Unternehmen bleibt mit Madame Tussauds und dem Legoland Discovery Centre weiterhin in Berlin vertreten. Auch die Nachnutzung der Räume ist noch offen.

Foto des Pergamon Panorama Museums

Pergamon-Panorama: gelungene Zusammenarbeit privater und öffentlicher Träger

Pergamon-Panorama: Wenn private und öffentliche Museen kooperieren

Wie private und öffentliche Kulturangebote voneinander profitieren können, zeigt die Zusammenarbeit rund um Yadegar Asisis Pergamon-Panorama. Das 360-Grad-Panorama lässt die antike Stadt Pergamon wiederauferstehen und wird in Kooperation mit der Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin präsentiert.

Während das Pergamonmuseum saniert wird, sind dort ausgewählte Originalobjekte sowie Asisis monumentale Rekonstruktion zu sehen. Allerdings nicht mehr auf Jahre hinaus als alleinige Alternative: Am 4. Juni 2027 sollen der Nordflügel und der nördliche Mittelbau des Pergamonmuseums wieder öffnen – dann wird auch der berühmte Pergamonaltar wieder zugänglich sein. Die vollständige Sanierung soll voraussichtlich 2037 abgeschlossen werden.