IHK Berlin. Offizieller Unterstützer der Berliner Wirtschaft.

Nach einer aufmerksamkeitsstarken Teaserphase geht die Kampagne der IHK Berlin in die nächste Stufe. Mit „WTF is IHK?“ wurde bewusst Neugier geweckt und Gespräche angestoßen.

Jetzt löst die Kammer diese Frage auf – klar, sichtbar und mit Haltung. 

Die Unternehmer stehen stellvertretend für die Vielfalt der Berliner Wirtschaft. 

Durch ihre Perspektiven wird deutlich, was der Claim konkret bedeutet – und wie die IHK Berlin Unternehmen tatsächlich unterstützt. 

IHK Berlin. Offizieller Unterstützer der Berliner Wirtschaft.

Berliner Einzelhandel

Amore Store: Erfolgreich mit Laden und Online-Shop

Der stationäre Handel ist nicht tot – er verändert sich. Der Berliner Amore Store zeigt, warum Omnichannel heute der Schlüssel für erfolgreiche Handelskonzepte ist.

Von: Judith Hyams
Kerstin Finger, Gründerin von Amore Store, vor ihrem Non-Food-Warenangebot im Amore Store.

Lebt ihre Leidenschaft für Grafikdesign in ihrem Geschäft aus: Amore Store-Gründerin Kerstin Finger.

Der stationäre Handel ist tot? Diese Prognose hält sich hartnäckig. Während der Onlinehandel wächst, kämpfen viele Innenstädte mit sinkenden Besucherzahlen und steigenden Kosten. Erfolgreiche Konzepte setzen deshalb nicht auf ein Entweder-oder, sondern auf das Zusammenspiel von stationärem Geschäft und E-Commerce. Wie das gelingt, zeigt der Amore Store am Maybachufer in Neukölln.

Als die Grafikdesignerin Kerstin Finger den Amore Store 2015 eröffnete, konzentrierte sie sich zunächst auf das Ladengeschäft: „Ich wollte erst einmal sehen, ob das Konzept überhaupt funktioniert.“ Orangen-Balsamico-Essig, Pasta aus Sardinien und Kirschtomaten-Bruschetta entführen geschmacklich nach Italien. Im zweiten Verkaufsraum ergänzen ausgefallen designte Haushaltswaren, Geschenkartikel und ausgewählte Modeartikel das Sortiment, teils von der hauseigenen „Amore“-Marke.

2017 ergänzte Finger das Ladengeschäft um einen Online-Shop. Er war zunächst weniger Verkaufskanal als Instrument für Wachstum und Sichtbarkeit: „Wenn man in einer Zeitschrift wie der Brigitte erscheint, aber keine Website oder keinen Online-Shop hat, haben die Leute einen sofort wieder vergessen.“

Blick in den Amore Store in Neukölln mit Regalen voller Kaffee, Wein und Deko-Artikeln.

Der Amore Store in Neukölln nutzt Omnichannel-Commerce.

Amore Store: Der Online-Shop als Wachstumsmotor

Während der Corona-Pandemie wurde der Online-Shop, als stationäre Geschäfte zeitweise schließen mussten, zum wichtigen Umsatztreiber. Inzwischen erzielt das Unternehmen digital rund ein Fünftel bis ein Viertel seines Umsatzes.

Seit 2022 spürt der Berliner Einzelhandel wirtschaftliche Unsicherheit und stärkere Kaufzurückhaltung. Auch beim Amore Store seien die Menschen vorsichtiger, sagt Kerstin Finger: „Es werden weniger Geschenke gekauft – und auch Delikatessen gehören nicht zu den Produkten, die man zwingend zum Leben braucht.“

Die Menschen, die unsere Schals oder auch unsere Amore-Hoodies tragen, sind wie Markenbotschafter für uns.“
Kerstin Finger Gründerin Amore Store

Für kleine Händler bleibt erfolgreicher E-Commerce anspruchsvoll: Große Wettbewerber investieren Budgets in Suchmaschinenmarketing und Online-Werbung, die inhabergeführte Unternehmen kaum aufbringen können. Auch das Warenangebot zählt. Italienische Delikatessen seien auf Google hart umkämpft, sagt Finger. Deshalb testet sie Google Ads, SEO, Newsletter und Meta-Ads für Non-Food-Produkte auf Instagram.

Erfolg hat Finger mit eigens gestalteten „FC-Amore-Schals“, die mit Künstlern, Designern und Prominenten wie Herbert Grönemeyer und der bei Inter Mailand spielenden Fußballerin Lina Magull entstehen. „Und die Menschen, die unsere Schals oder auch unsere Amore-Hoodies tragen, sind wie Markenbotschafter für uns“, sagt Kerstin Finger.  

Regal mit bunten Hoodies, Mützen und Schals.

Seit kurzem gibt es auch eine eigene „Amore“-Marke mit Hoodies, T- und Sweatshirts, Jutebeutel und Baby-Bodys.

Omnichannel-Commerce: Online und stationär sind keine Konkurrenten

Deutschlandweit wächst der Onlinehandel weiter. Laut Handelsverband Deutschland (HDE) stieg er im vergangenen Jahr um 3,9 Prozent beziehungsweise 3,5 Milliarden Euro auf 92,3 Milliarden Euro. Sein Anteil am gesamten Einzelhandel liegt bei 13,5 Prozent.

Der stationäre Einzelhandel wächst langsamer, bleibt aber wichtig. Das erlebt Finger täglich: „Die Leute kommen aus dem Kiez vorbei und holen sich ein Päckchen Nudeln, einen Mozzarella oder Aufschnitt – deshalb haben wir unsere kleine Frische-Theke und starten jetzt auch mit einem Kaffeeausschank. Die Kundschaft liebt dieses Tante-Emma-Ladengefühl.“

Diese emotionale Bindung ist digital kaum reproduzierbar, stärkt aber den Online-Shop: Wer die Marke vor Ort kennenlernt, bestellt später oft online – oder umgekehrt.

E-Commerce: Kleine Händler brauchen andere Lösungen

Obwohl der Amore Online Store Lebensgenuss verkauft, sind trockene Themen wie Logistik, Versandkosten, Retouren und Technik ebenfalls geschäftsentscheidend.

Wie viele kleine Online-Shops kämpft der Amore Store mit Retouren. Rücksendekosten übernimmt er nur bei eigenen Fehlern. Das sei zunächst schwer zu vermitteln gewesen, sagt Finger, weil Kundinnen und Kunden anderes von großen Online-Händlern gewohnt seien. Die Kosten auf alle Produkte umzulegen, hätte jedoch sämtliche Einkäufe verteuert.

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Bei den Versandkosten wählt der Amore Store einen Mittelweg: Die Kundschaft trägt rund 80 Prozent. „Wir müssen uns am Markt orientieren und Wohlfühlpreise machen“, sagt Finger, denn schon ein oder zwei Euro könnten über den Kaufabschluss entscheiden.

Auch die Technik wird dabei oft unterschätzt. Rückblickend würde Finger die Shop-Software sorgfältiger auswählen: „Da hätte ich mich intensiver informieren müssen. Ein moderneres Shop-System hätte uns heute manches erleichtert.“

Digitalisierung bleibt ein kontinuierlicher Entwicklungsprozess. Entscheidend sei, sich weiterzuentwickeln, sagt Finger: „Auch wenn es derzeit nicht ganz einfach ist, verliere ich den Mut nicht. Man darf nur nicht stehenbleiben und muss kreativ bleiben – aber genau das macht ja auch Spaß.“