IHK Berlin. Offizieller Unterstützer der Berliner Wirtschaft.

Nach einer aufmerksamkeitsstarken Teaserphase geht die Kampagne der IHK Berlin in die nächste Stufe. Mit „WTF is IHK?“ wurde bewusst Neugier geweckt und Gespräche angestoßen.

Jetzt löst die Kammer diese Frage auf – klar, sichtbar und mit Haltung. 

Die Unternehmer stehen stellvertretend für die Vielfalt der Berliner Wirtschaft. 

Durch ihre Perspektiven wird deutlich, was der Claim konkret bedeutet – und wie die IHK Berlin Unternehmen tatsächlich unterstützt. 

IHK Berlin. Offizieller Unterstützer der Berliner Wirtschaft.

Gesundheitswirtschaft

Charité-Chef Kroemer: Brauchen mehr Risikokapital und Datenfreiheit

Charitè-Chef Professor Heyo Kroemer mahnt strukturelle Veränderungen im Gesundheitswesen an. Ansonsten breche das System zusammen, sagte er bei einer Veranstaltung der IHK Berlin. Notwendig seien auch mehr privates Kapital und eine Lockerung datenschutzrechtlicher Regelungen.

Von: Holger Lunau
An einem Rednerpult steht ein älterer Mann mit grauem Anzug und weißen Hemd.

Charitè-Chef Heyo Kroemer beim Wirtschaftspolitischen Frühstück der IHK Berlin.

Ohne Veränderungen in allen Bereichen der Gesundheitswirtschaft - von den Krankenhäusern über die Forschung bis hin zur Wertschöpfung - bricht das jetzige Gesundheitssystem zusammen, so Professor Heyo Kroemer, Chef der Berliner Charitè. Bei einer wirtschaftspolitischen Veranstaltung der IHK Berlin forderte er deshalb eine umfassende Digitalisierung, die Lockerung von Datenschutzregeln und den Einsatz von mehr privatem Kapital durch entsprechende Kooperationen zwischen Gesundheitswesen und Wirtschaft. Blieben diese strukturellen Maßnahmen aus, so der Vorstandsvorsitzende von Deutschlands größter Universitätsklinik, könne das jetzige medizinische Versorgungsniveau nicht mehr gewährleistet werden. Zudem verliere Deutschland den Anschluss an die internationale Forschung.

Zu sehen ist ein Hochhaus mit dem Chriftzug Charitè.

Die Berliner Charitè ist Deutschlands größte Universitäts-Klinik.

Allerdings sei die anstehende Krankenhausreform nicht geeignet, die Probleme zu lösen, kritisierte Kroemer. Das geplante Sparmodell nach der Rasenmäher-Methode werde für viele Häuser problematisch. So verliere die Charité ab nächstem Jahr 80 Millionen Euro. Kroemer verwies beispielhaft darauf,  dass die Charitè in der nächsten Dekade rund 30 Prozent ihres Personals aus Altersgründen ersetzen müsste. Aufgrund des demografischen Wandels sei es aber kaum möglich, diese Lücke zu schließen. Deshalb sei es notwendig, so viele Arbeitsprozesse wie möglich zu digitalisieren. Dadurch könnten nach internen Berechnungen die rund 25.000 Mitarbeitenden der Charitè rund ein Drittel ihrer Arbeitszeit wieder für den Dienst am Menschen nutzen. Die Charitè durchforste gegenwärtig alle Möglichkeiten und habe auch ein Institut für Künstliche Intelligenz in der Medizin gegründet. 

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Antonia Ostersetzer

Mehr Kapital und bessere Datenschutzregeln

Medizinischer Fortschritt koste, aber er soll dennoch möglichst allen Menschen zu Gute kommen, betonte Kroemer. Doch die “obere Grenze” der Finanzierbarkeit sei erreicht. Beispielsweise koste ein gentechnischer “Schuss” zur Bekämpfung der Sichelzellen-Krankheit zwei Millionen Euro. Und die Forschung bringe immer neue Präparate und Methoden auf den Markt, um Krankheiten zu heilen. Und hier setze die Verantwortung der Politik ein. Es müssten bessere Rahmenbedingungen für Risiko-Kapital geschaffen werden. “Ideen gibt es in Deutschland viele, aber sie werden mangels Kapital häufig exportiert, meist in die USA", beklagte der Charitè-Chef. 

Ein weiteres großes Hindernis zu mehr Effizienz im Gesundheitswesen seien die datenschutzrechtlichen Regulierungen, kritisierte Kroemer. Es seien unbedingt Lockerungen notwendig, um zum Beispiel Patientendaten zusammenzuführen - natürlich komplett anonymisiert. Dies sei zum Vorteil der Betroffenen, weil sich dadurch beispielsweise Fehlmedikationen vermeiden ließen, aber man so auch seltenen Krankheiten auf die Spur komme. Ein erster guter Schritt in diese Richtung sei eine entsprechende digitale Plattform aller Universitätskliniken.

Die Gesundheitswirtschaft in Berlin spielt eine gewichtige Rolle. In dem Bereich sind eine Viertelmillion Menschen beschäftigt. Die jährliche Bruttowertschöpfung beträgt rund 22 Milliarden Euro.