IHK Berlin. Offizieller Unterstützer der Berliner Wirtschaft.

Nach einer aufmerksamkeitsstarken Teaserphase geht die Kampagne der IHK Berlin in die nächste Stufe. Mit „WTF is IHK?“ wurde bewusst Neugier geweckt und Gespräche angestoßen.

Jetzt löst die Kammer diese Frage auf – klar, sichtbar und mit Haltung. 

Die Unternehmer stehen stellvertretend für die Vielfalt der Berliner Wirtschaft. 

Durch ihre Perspektiven wird deutlich, was der Claim konkret bedeutet – und wie die IHK Berlin Unternehmen tatsächlich unterstützt. 

IHK Berlin. Offizieller Unterstützer der Berliner Wirtschaft.

Datacenter

Digitale Souveränität: Warum immer mehr Rechenzentren in Berlin stehen

Cloud-Anwendungen und KI-Boom: Der Bedarf an Rechenleistung wächst. Mit neuen Rechenzentren wird in die Zukunft investiert. Was macht Berlin dafür als Standort so relevant?

Von: Laura Dörling
Ein Mann läuft durch ein Rechenzentrum

Unternehmen werden zunehmend mit dem Bau neuer Rechenzentren in Berlin und Umland beauftragt.

Hochtief soll für NTT Global Data Centers in Berlin ein Rechenzentrum mit drei Stockwerken nur für Server errichten. Das Berliner Unternehmen AM:PM hat kürzlich zwei der größten Datacenter-Projekte in Wustermark und Nauen entwickelt. Und das Zuse Institut investiert gemeinsam mit dem Helmholtz-Zentrum den Aufbau eines neuen Rechenzentrums für die Berliner Wissenschaft in Adlershof. Dass derzeit besonders viele Rechenzentren in Berlin entstehen, ist kein Zufall. 

Cloud-Daten auf Berliner Boden: Warum der Bedarf gerade jetzt wächst

Cloud-Dienste oder KI-Tools erleichtern den Arbeitsalltag vieler Berliner Unternehmen – und steigern zunehmend den Bedarf an Rechenleistung. „Die hierfür erforderlichen Rechenkapazitäten sind schon jetzt Mangelware“, weiß Thomas Moraux, CEO beim Berliner Rechenzentren-Entwickler AM:PM. 

Neue Datacenter werden zur wichtigen Standortfrage, denn: „Je näher und redundanter kritische Infrastruktur angesiedelt wird, desto besser kann sie regionale und überregionale Bedarfe abdecken.“ Thomas Moraux sieht Berlin in einer Vorreiterrolle in der Etablierung moderner Rechenzentren, die künftig weiter intensiviert werden sollte – „das ist Berliner Zukunft.“

Digital
50
Rechenzentren
werden heute im Großraum Berlin betrieben
Kapazität
146
MW
IT-Anschlussleistung verzeichnete Berlin Ende 2025
Ausbau
220
MW
weitere Kapazität sind angekündigt in den kommenden Jahren

Kim Juchem, Chief Commercial Officer beim Berliner Glasfaser- & Rechenzentren-Betreiber DNS:NET, betont außerdem die Bedeutung lokal angesiedelter Rechenzentren für die digitale Souveränität der Stadt: „Daten Berliner und Brandenburger Unternehmen bleiben in der Region, bei einem Betreiber, der hier verwurzelt ist – nicht irgendwo bei einem internationalen Großkonzern.“

Modell-Campus ringberlin und GASAG starten Energieprojekt mit DATA2HEAT in Mariendorf
Das Areal des Modell-Campus ringberlin verbindet Bestandsgebäude mit neuen Nutzungs- und Energiekonzepten.
Zukunftsweisende Nutzung von Abwärme Modell-Campus ringberlin und GASAG starten Energieprojekt mit DATA2HEAT in Mariendorf
Open Source und digitale Souveränität in der Praxis
Foto von DanLahiri Agboli, Geschäftsführer der office company
Schwerpunktthema Cybersicherheit Open Source und digitale Souveränität in der Praxis
Lesezeit: 7 Minuten
Eva Scharmann
Nachhaltigkeit für die Cloud: der Boom der Rechenzentren
Reihen von Serverracks in einem Rechenzentrum mit Lichtspuren, die Datenfluss symbolisieren
Strom für die Digitalisierung Nachhaltigkeit für die Cloud: der Boom der Rechenzentren
Lesezeit: 7 Minuten
Eva Scharmann

Hauptstadt als Hotspot: Das macht Berlin als Datacenter-Standort so relevant

Frankfurt dominiert aktuell den deutschen Datenmarkt. Doch Berlin kann mithalten: als Start-up-Magnet, als digitales Drehkreuz, als Knotenpunkt für Wirtschaftsunternehmen, als Edge- und Co-Location-Markt oder eben zukünftig als zentraler Standort für KI-Infrastruktur. 

„Gerade für den Mittelstand in der Region zählt vor allem eins: Daten und IT-Infrastruktur in der Nähe, bei einem Anbieter, den man kennt und erreicht," weiß Kim Juchem von DNS:NET. 

Checkliste

Das macht Berlin so attraktiv und relevant für den (Aus-)Bau neuer und bestehender Rechenzentren:

  • Nähe zu einem großen Unternehmens- und Verwaltungsmarkt sowie politischen Entscheidungsträgern
  • starke Start-up-, Forschungs- und Tech-Szene – hohe Nachfrage nach zuverlässiger digitaler Infrastruktur
  • Bedarf öffentlicher Institutionen und regulierter Branchen 
  • regionale Redundanz zu anderen deutschen Standorten
  • kurze Wege für Anwendungen, bei denen geringe Latenz wichtig ist 
  • bestehende Rechenzentrums- und Netzinfrastruktur 

In Berlin sollen mehr Rechenzentren wie das Zentrum BER21 in Mittenwalde von Vantage Data Centers entstehen.

Mehr Rechenzentren, mehr Möglichkeiten: Wie Berliner Unternehmen vom Bau-Boom profitieren

Thomas Moraux von AM:PM vergibt Berlin die Bestnote als Standort für neue Datacenter-Projekte und betont: „Rechenzentren können nur theoretisch überall stehen, brauchen aber faktisch eine bevorzugte Anbindung an bestehende Infrastruktur und Ballungsräume mit Arbeitsplätzen und Standortpräsenz.“ 

Neue Rechenzentren prägen die Berliner Wirtschaft – schon bevor sie überhaupt in Betrieb sind. „Die lokale Wirtschaft wird oft bereits in Planung und Bau einbezogen und profitiert von hohen Auftragspotentialen“, sagt Moraux. Auch nach Fertigstellung bedarf es Dienstleister für die dauerhafte Bewirtschaftung. 

Auf einen Blick: Noch mehr Vorteile für Berliner Unternehmen 

  • Mehr Auswahl: Zusätzliche Kapazitäten können den Wettbewerb zwischen Rechenzentrums-, Cloud- und Co-Location-Anbietern erhöhen. Berliner Anwender-Unternehmen haben die Wahl.
  • Kürzere Wege: Anwendungen lassen sich näher an Kunden, Produktionsstandorten oder Unternehmenszentralen betreiben – für noch schnellere, regionale Datenverarbeitung und weniger Störungen.
  • Höhere Ausfallsicherheit: Unternehmen können Daten und Anwendungen über mehrere Standorte in der Region verteilen. 
  • Bessere Voraussetzungen für KI: Gerade Unternehmen ohne eigene Serverinfrastruktur benötigen Zugang zu leistungsfähigen Rechen- und Speicherkapazitäten.

Strom, Abwärme, Fachkräftemangel: Die Schattenseiten der Zukunftsinvestitionen

Der Ausbau der Rechenkapazität in Deutschland wird auch von der Bundesregierung gefördert. Die im März von der Bundesregierung beschlossene Rechenzentrumsstrategie verdeutlicht die Relevanz. Neben den vielen Chancen, die neue Datacenter-Projekte mit sich bringen, darf man aber aktuelle Herausforderungen nicht vergessen.

Die größten Herausforderungen sind Stromverfügbarkeit im urbanen Raum sowie Lärmschutz – Rechenzentren brauchen viel Strom und Kühlung, und das ist im dicht besiedelten Raum nicht immer flüsterleise.“
Kim Juchem Chief Commercial Officer bei DNS:NET

Im Schatten eines Rechenzentrums: Die 5 größten Konfliktfelder

  • sehr hohe und langfristig benötigte Stromanschlüsse 
  • Flächenverbrauch und Lärmschutz in der dicht besiedelten Stadt 
  • Wasserbedarf bestimmter Kühlsysteme 
  • Nutzung der entstehenden Abwärme 
  • Fachkräftemangel bei Planung, Bau und Betrieb 

Der Bau-Boom kommt zunehmend an seine Grenzen. Kim Juchem meint: „Es braucht nicht zwingend immer Neubau: Oft wäre die Aufrüstung bestehender Infrastruktur der pragmatischere Weg, wenn Genehmigungsprozesse schneller liefen."

Politik und Wirtschaft sind gefragt, den Ausbau der Rechenkapazität stärker zu fördern. Bürokratiehürden müssen dafür abgebaut, Bauanträge schneller genehmigt werden. Denn „Rechenzentren sind die Fabriken der Zukunft“ – so Moraux. Sie stärken die digitale Souveränität – der Berliner Unternehmen, der Stadt, des Landes.

Der Souveränitätscheck: „Server aus Berlin" allein reicht nicht

Neue oder erweiterte Rechenzentren können Berlins digitale Handlungsfähigkeit stärken – aber ein Serverstandort in Berlin ist noch keine digitale Souveränität. Entscheidend ist, wer Infrastruktur und Daten kontrolliert, welchem Recht Anbieter unterliegen, ob Unternehmen ihre Systeme wechseln können und wie resilient die Rechenzentren betrieben werden. Man kann digitale (Daten-)Souveränität auf vier Ebenen betrachten:

  1. Physische Souveränität: Wo stehen die Server und wo werden die Daten verarbeitet? 
  2. Rechtliche Souveränität: Welchem Recht unterliegen Betreiber und Cloud-Anbieter? 
  3. Technische Souveränität: Wer kontrolliert Verschlüsselung, Administratorzugänge und zentrale Software? 
  4. Ökonomische Souveränität: Kann ein Unternehmen den Anbieter wechseln oder ist es dauerhaft an dessen Plattform gebunden? 

Digitale Infrastruktur wird zu einem eigenen Berliner Wirtschaftszweig. Für Unternehmen entstehen neue Kapazitäten, kürzere Wege und zusätzliche Dienstleistungen. Ob daraus auch mehr digitale Souveränität entsteht, hängt jedoch nicht an der Zahl der Gebäude. Entscheidend ist, ob Unternehmen Wahlmöglichkeiten behalten, ihre Daten kontrollieren und die Infrastruktur nachhaltig und resilient in die Stadt integriert wird.