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Branche im Wandel

Momox setzt auf KI: Wie Re-Commerce massentauglich werden soll

Gebrauchte Waren weiterzuverkaufen mag einfach klingen, ist im großen Stil aber ein hochkomplexes Geschäft. Momox will Re-Commerce deshalb stärker automatisieren und setzt auf KI. Die entscheidende Frage: Wird Second Hand damit so bequem wie klassischer Online-Handel?

Von: Laurenzia Kiesche
Ein Smartphone wird in einer Hand gehalten, darauf ist die Seite von Momox geöffnet.

Momox kauft gebrauchte Produkte an, bereitet sie auf und verkauft sie unter anderem über ihren eigenen Online-Marktplatz medimops.de weiter

Jedes Buch, jede DVD, jedes Kleidungsstück ist bei Momox ein Einzelstück. Genau das macht Re-Commerce attraktiv – und gleichzeitig kompliziert. Denn bevor gebrauchte Ware erneut verkauft werden kann, muss sie angekauft, geprüft, bewertet, sortiert, gelagert und wieder sichtbar gemacht werden.

Für Momox wird diese Komplexität zur zentralen Zukunftsfrage. Das Berliner Unternehmen setzt deshalb verstärkt auf datengetriebenes Pricing, automatisierte Prozesse und Künstliche Intelligenz. Ziel ist es, Second Hand so einfach, zuverlässig und massentauglich zu machen wie klassischen Online-Handel.

Momox wurde 2004 in Berlin gegründet und zählt heute zu den führenden Re-Commerce-Unternehmen Europas. Das Unternehmen kauft gebrauchte Bücher, CDs, DVDs, Spiele und Kleidung an, prüft die Ware und verkauft sie anschließend weiter – unter anderem über den eigenen Shop medimops.de.

Warum Re-Commerce zum Technologiegeschäft wird

Re-Commerce folgt einer scheinbar einfachen Idee: Statt Produkte wegzuwerfen, werden sie erneut verkauft und dadurch weitergenutzt. So bleiben sie länger im Umlauf und Ressourcen werden geschont.

Was früher vor allem auf Flohmärkten oder in Secondhandläden stattfand, läuft heute über Online-Shops – und zwar sehr erfolgreich. Momox hat das früh erkannt und daraus bereits 2004 ein Geschäftsmodell gemacht.

Dass dieses Geschäft funktioniert, zeigen die Zahlen: Lag der Jahresumsatz von Momox 2019 noch bei rund 250 Millionen Euro, näherte er sich 2025 bereits der Marke von 400 Millionen Euro. Konkret erzielte Momox 2025 nach Unternehmensangaben einen Umsatz von 393,5 Millionen Euro. Seit 2019 ist der Umsatz damit um mehr als 50 Prozent gestiegen.

Re-Commerce ist kein Nischenthema mehr, sondern ein struktureller Wandel im Konsumverhalten.“
Claudia Frese CEO von Momox

Anders als bei klassischen Secondhand-Plattformen verkaufen Kundinnen und Kunden ihre Artikel nicht selbst. Stattdessen übernimmt Momox den gesamten Prozess – vom Ankauf über die Qualitätsprüfung bis zum Weiterverkauf. Verkäufer erhalten ihr Geld direkt, ohne Anzeigen erstellen oder Preise verhandeln zu müssen.

Claudia Frese, Geschäftsführerin von Momox, hält Kartons mit der Aufschrift „momox Fashion“ in den Händen.

Claudia Frese steht seit Ende 2025 an der Spitze von Momox und war zuvor unter anderem für eBay und Strato in Führungspositionen tätig

Dass dieses Konzept so gut ankommt, liegt neben dem Komfort auch daran, dass Nachhaltigkeit für die Gesellschaft eine immer größere Rolle spielt. „Re-Commerce ist kein Nischenthema mehr, sondern ein struktureller Wandel im Konsumverhalten“, sagt Claudia Frese, die seit November 2025 Geschäftsführerin von Momox ist.

Mitarbeitende
2.100
an drei Standorten.
Verkäufe
400
Millionen Artikel hat Momox bislan an- und wieder verkauft.

Für Frese bildet Nachhaltigkeit das Fundament des Unternehmens: „Jede Entscheidung – von Pricing über Logistik bis hin zu Technologie – zahlt darauf ein, Second Hand einfach, zuverlässig und massentauglich zu machen.“ So will Momox profitables Wachstum und nachhaltigen Konsum zusammenbringen.

Mehr als 20 Jahre Momox: Vom Start-up zum Big Player

Dabei fing Momox klein an: 2004 gründete sich das Unternehmen als Berliner Start-up mit dem Ziel, gebrauchten Büchern ein zweites Leben zu schenken. Heute ist daraus ein Re-Commerce-Anbieter mit mehr als 2.100 Beschäftigten an drei Standorten geworden.

Das Wachstum kam nicht von selbst: In mehr als 20 Jahren hat Momox eine eigene Online-Ankaufsplattform aufgebaut, in große Logistikzentren investiert, Momox Fashion gestartet und ist international gewachsen.

Zu sehen ist, wie die gebrauchten Artikel bei Momox sortiert und geprüft werden – hier anhand einer Schallplatte.

Der Prozess bei Momox: ankaufen, prüfen, sortieren, aufbereiten, verkaufen

Der neuen CEO Claudia Frese wurde schnell klar, wie komplex dieses Geschäft tatsächlich ist: „Von außen wirkt Re-Commerce relativ einfach – Dinge ankaufen und weiterverkaufen. In der Realität steckt dahinter ein hochkomplexes Zusammenspiel aus Logistik, Technologie und Daten.“

KI bei Momox: Automatisierte Preisberechnung für Secondhand-Mode

Genau deshalb setzt Momox heute stärker auf Technologie. Mit Investitionen in Künstliche Intelligenz, datengetriebenem Pricing und automatisierten Prozessen soll Secondhand-Shopping so einfach werden wie klassischer Online-Handel.

Ein Beispiel dafür ist der Fashion-Ankauf: Momox setzt dort inzwischen auf KI-gestützte Bilderkennung. Verkäuferinnen und Verkäufer können ein Foto ihres Kleidungsstücks hochladen. Die Technologie analysiert unter anderem Farben, Muster und Passformen und bezieht diese Informationen in die Preisermittlung ein. Dadurch sollen aktuelle Trends besser berücksichtigt und Modeartikel genauer eingeordnet werden.

Wenn Skalierung zur Herausforderung wird

Allerdings sind die strukturellen Hürden höher als im klassischen Handel: Es kann nur verkauft werden, was Kundinnen und Kunden einsenden, und jeder einzelne Artikel muss einzeln geprüft, sortiert, fotografiert und gelagert werden.

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Gleichzeitig steht das Unternehmen – wie andere auch – unter dem wirtschaftlichen Druck, das Geschäft rentabel zu betreiben. „Die größte Herausforderung liegt in der Kombination aus Komplexität und niedrigen Margen. Unsere Profitabilität bewegt sich im niedrigen einstelligen Prozentbereich – das heißt, Effizienz ist absolut entscheidend“, so Frese.