IHK Berlin. Offizieller Unterstützer der Berliner Wirtschaft.

Nach einer aufmerksamkeitsstarken Teaserphase geht die Kampagne der IHK Berlin in die nächste Stufe. Mit „WTF is IHK?“ wurde bewusst Neugier geweckt und Gespräche angestoßen.

Jetzt löst die Kammer diese Frage auf – klar, sichtbar und mit Haltung. 

Die Unternehmer stehen stellvertretend für die Vielfalt der Berliner Wirtschaft. 

Durch ihre Perspektiven wird deutlich, was der Claim konkret bedeutet – und wie die IHK Berlin Unternehmen tatsächlich unterstützt. 

IHK Berlin. Offizieller Unterstützer der Berliner Wirtschaft.

Berliner Immobilienwirtschaft

Stolz und Frustration: Thomas Groth zieht nach 40 Jahren Baubranche Bilanz

Die Groth Gruppe hat jahrzehntelang das Berliner Stadtbild geprägt. Nun setzt der Immobilienunternehmer Thomas Groth den Schlussstrich. Eine Bilanz nach fast 40 Jahren Berliner Immobilienwirtschaft.

Von: Aaron Baumgart
Porträt von Thomas Groth.

Thomas Groth wickelt die Groth Gruppe ab und zieht sich aus der Immobilienbranche zurück.

Wenn in Berlin in den vergangenen Jahrzehnten neue Quartiere entstanden, war der Name Groth häufig nicht weit. Thomas Groth stieg 1989 in das von seinem Vater Klaus Groth gegründete Unternehmen ein. Seit ihrer Gründung 1982 entwickelte die Groth Gruppe nach eigenen Angaben rund 145 Wohn- und Gewerbeprojekte mit etwa 13.600 Wohnungen. Das Investitionsvolumen summiert sich auf rund 5,5 Milliarden Euro.

Nun zieht sich Thomas Groth aus dem operativen Geschäft zurück. Nachdem die Gesellschafter entschieden hätten, das Projekt Neulichterfelde nach vielen Jahren nicht mehr selbst fortzuführen, sei für ihn der Moment gekommen: „Ich habe für mich entschieden, dass das der ideale Zeitpunkt ist, um aufzuhören.“ Hinzu kämen die schwierige Marktlage, hohe Bau- und Grundstückskosten sowie das Zinsniveau.

Von Mittenmang bis Mauerpark: Spuren im Berliner Stadtbild

Die Groth Gruppe hat in vielen Teilen der Hauptstadt gebaut: das Quartier Mittenmang nördlich des Hauptbahnhofs, rund 700 Wohnungen am Mauerpark, das Maximilians Quartier in Schmargendorf oder den KunstCampus in der Europacity. In Karow-Nord entstanden bereits in den 1990er-Jahren Tausende Wohnungen.

Groth begleitete diesen Wandel nicht nur als Unternehmer. Als Präsidiumsmitglied der IHK Berlin und Mitglied des Ausschusses „Wachsende und lebendige Stadt“ mischte er sich immer wieder in die wohnungs- und wirtschaftspolitische Debatte ein.

Dabei hat sich die Branche während seiner Laufbahn grundlegend verändert. „Früher dominierten die Branche unternehmergeführte private Immobilienunternehmen, heute gibt es die kaum noch“, sagt Groth. Heute werde der Markt stärker von großen Konzernen geprägt.

Blick auf ein Gebäude des KunstCampus.

Der KunstCampus in direkter Nähe zum Hauptbahnhof wurde von der Groth Gruppe entwickelt.

Thomas Groth: "Heute noch einmal in Berlin anfangen? Eher nicht"

Ernüchternd fällt Groths Antwort auf die Frage aus, ob er heute noch einmal Immobilienentwickler in Berlin werden würde: „Ich glaube, eher nicht.“

Das begründet der Bauentwickler mit den immer komplexeren Planungsverfahren. Die Zahl der Beteiligten und Anforderungen sei gestiegen, insbesondere beim Natur- und Artenschutz. 

Sein Fazit: „Das B-Planverfahren wird dadurch unkalkulierbar in die Länge gezogen.“ Bei dem Projekt Neulichterfelde hätten zwischen dem Grundstückskauf und der Rechtskraft des Bebauungsplans zwölf Jahre gelegen. In den 1990er-Jahren seien vergleichbare Verfahren aus seiner Erfahrung in etwa zwei Jahren möglich gewesen.

Ich kann der Politik nur raten, ein zuverlässiger und konstruktiver Partner für jeden Bauherren, egal ob öffentliche, private oder Genossenschaften, zu sein.“
Thomas Groth Geschäftsführer Groth Gruppe

Neulichterfelde wird zum Symbol für langsames Bauen

Kaum ein Projekt steht stärker für Groths Kritik als Neulichterfelde. 2012 erwarb die Groth Gruppe das ehemalige militärisch genutzte Areal in Lichterfelde Süd. Rund 2.500 Wohnungen sollen dort entstehen. Im Frühjahr 2026 übernahmen die landeseigene Degewo und Wöhr + Bauer wesentliche Teile der weiteren Entwicklung.

Natur- und Artenschutz gehörten zu den komplexen Themen des Projekts. Auf dem Areal leben Zauneidechsen. Um sie zu schützen, wurde Thomas Groth mit Auflagen konfrontiert, die nicht nur teuer waren, sondern das Bebauen des Geländes mitunter unmöglich machten. Wie Groth so ein Großprojekt heute angehen würde? „Wahrscheinlich gar nicht mehr.“

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Thomas Groth wünscht sich Politik als „zuverlässigen Partner“

Damit berührt Groths persönliche Bilanz ein größeres Problem. 2025 wurden in Berlin nur 11.027 Wohnungen fertiggestellt, deutlich weniger als im Vorjahr. Fehlender Wohnraum belastet nicht nur Mieterinnen und Mieter. Er wird zunehmend auch für Unternehmen zum Problem, die Fachkräfte und Auszubildende für Berlin gewinnen wollen.

Die IHK Berlin fordert deshalb seit Langem schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren, klare Zuständigkeiten und verlässlichere Rahmenbedingungen. Beim Artenschutz setzt sie sich unter anderem für berlinweit einheitliche Standards und stärker standardisierte Prüfungen ein.

Auch Groth sieht den Staat dabei vor allem in der Rolle eines verlässlichen Partners. Zwar könne die Politik das derzeit schwierige Verhältnis zwischen Kosten und Zinsen nicht lösen. Sobald sich die wirtschaftlichen Bedingungen verbesserten, müsse sie jedoch dafür sorgen, dass Investitionen wieder möglich werden: „Dann kann ich der Politik nur raten, ein zuverlässiger und konstruktiver Partner für jeden Bauherren, egal ob öffentliche, private oder Genossenschaften, zu sein und sich klar zum Neubau zu bekennen.“

Was nach der Groth Gruppe bleibt

Der Rückzug Thomas Groths ist damit mehr als eine Personalie der Berliner Immobilienbranche. Er beendet eine fast vier Jahrzehnte dauernde unternehmerische Laufbahn in einer Zeit, in der Berlin dringend Wohnungen braucht – gleichzeitig aber private Investitionen schwieriger geworden sind.

Groth selbst blickt weniger auf die Probleme als auf das Gebaute. Ob in 20 Jahren noch jemand vor einem Gebäude stehen und wissen werde, dass es von der Groth Gruppe entwickelt wurde, bezweifelt er. Entscheidend sei etwas anderes: „Ich bin sehr stolz darauf, was wir alles geschaffen haben.“