Köpfe der Berliner Wirtschaft

Vorgestellt: Patricia Oleksiak, Slows - The Mental Health Gym UG

Patricia Oleksiak hat mit „Slows - The Mental Health Gym UG“ im April 2025 Deutschlands erstes Fitnessstudio für mentale Gesundheit aufgebaut - in Berlin Mitte. Mit uns spricht sie über Einsamkeit in Großstädten wie Berlin und über ihre Vision, wieder mehr echte Offline-Verbindungen, Ruhe und mentale Regeneration in den Alltag zu bringen.

Ulrike Menn
Ein Team an Frauen steht in einem Kursraum. Vor der Gruppe sitzt eine Frau auf einem Hocker. Alle lachen entspannt in die Kamera

Mit Slows möchte Patricia Oleksiak (Mitte) einen Ort schaffen, an dem Menschen mentale Gesundheit trainieren, zur Ruhe kommen und neue Verbindungen knüpfen können.

Was hat Sie angetrieben, Slows zu gründen? 

Ich bin eigentlich studierte Wirtschaftsingenieurin, habe dann lange im Social-Media-Bereich gearbeitet und gemerkt, dass mir das nicht gut tut, ständig in dieser Marketingblase online zu sein. Dann wurden bei mir Depressionen diagnostiziert und ich habe eine Therapie dagegen gemacht und eine Ausbildung zur systematischen Coachin. Währenddessen habe ich mich gefragt, warum alle über Sport und Gesundheit und körperliche Optimierung reden, es aber kein wissenschaftlich-ansatzbasiertes Fitnessstudio für mentale Gesundheit gibt. Einen offline-Raum, in dem wir zusammenkommen und lernen, welchen Einfluss Ernährung und Schlaf auf uns haben, in dem wir vor allem aber lernen, in dieser schnelllebigen technologisierten Welt zu entspannen. 

Ich habe recherchiert und festgestellt, dass es in Amerika ein paar Ansätze gibt, die sich auch Mental Health Gym nennen, die aber mit viel Technologie arbeiten und wieder in die Optimierung gehen, und es in Deutschland nichts dergleichen gibt, das sich als Präventionsangebot versteht und sich von Therapien oder Selbsthilfegruppen abgrenzt. Einen Ansatz, den ich bei meiner Recherche mochte, war Brynja, Fitnessstudio für die Psyche in Bremen. Ich hatte mit meinem Konzept aber nochmal mehr in das Training gedacht, alltägliche Dinge, die wir gemeinsam zusammen wiederkehrend trainieren können. Und so habe ich Slows gegründet. 

Dabei habe ich oft das Gefühl, dass ich gar nicht so die klassische Unternehmerin bin, die super skalieren und krasse Umsätze fahren möchte, sondern dass ich mich in einer Nische befinde, mit der ich Impact schaffen kann. 

Eine Frau in einem beigen Zweiteiler steht in einem hellen Raum. Von einem Fenster kommen Lichtstrahlen. Sie guckt entspannt in die Kamera

Patricia Oleksiak setzt sich mit Slows für mehr mentale Gesundheit, echte Begegnungen und einen bewussteren Umgang mit digitalen Medien ein.

Wieso ist Ihnen das Thema mentale Gesundheit gerade heute so wichtig? 

Ich finde, wir sind in so einem Optimierungswahnsinn gekommen, auch durch die Nutzung von Schrittzählern, Schlafmessen und Instrumenten zur Überwachung des Herzrhythmus etc., dass wir ganz oft einfach vergessen, uns selber zu fühlen und und mit uns selbst in die Verbindung zu gehen. Ich habe das Gefühl - und das bekomme ich immer wieder gefeedbackt - dass wir in einer Zeit leben, in der die Menschen erschöpft sind und gleichzeitig nicht mehr wissen, wie sie Ruhe aushalten können.

Und: Ich habe Wirtschaftsingenieurwesen studiert und ich mag Technologie. Aber mir fällt auf, dass viele Menschen einfach deswegen so erschöpft sind, weil wir in jeden Lebensbereich mehr und neue Technologie einbauen und das halt voll viel mit uns macht. Wir verlieren unsere soziale Kompetenz, miteinander zu reden. Ich wünsche mir, dass wieder mehr im Offline-Leben stattfindet. 

 

Was konkret bieten Sie an? 

Wir haben Entspannungskurse, „Deep Rest“, in denen wir schauen, wie wir in einen Status kommen, in dem nicht nur der Körper, sondern auch der Kopf abschalten kann. Wir haben klassische Kurse wie Meditation und Yin-Yoga. Wir bieten für die Mittagspausen unter dem Namen „Stress Ade. Creative Hour“ Kurse an, in denen wir Achtsamkeitsübungen und Atemtechniken kreativ lernen. Wir haben Kurse zur Emotionsregulierung und „Community Classes“, in denen wir bei Gebäck und Tee einfach zusammen kommen und uns mit Menschen verbinden, die die gleichen Themen haben. 

Ein Thema, das gerade besonders hochkommt, ist das Thema Arbeitslosigkeit. Ich beobachte, dass derzeit viele Menschen hier in Berlin ihre Jobs verlieren. Ein anderes Thema ist Einsamkeit. Und: wir haben Kurse, die wir „digital Detox“ nennen. Da geht es um einen gesünderen Umgang mit der Technologie.

 

Was wünschen Sie sich von Politik und Gesellschaft? 

Ich würde mir wünschen, dass das Thema psychische Gesundheit endlich entstigmatisiert wird. Und: Ich würde mir wünschen, dass die Risiken von Social Media stärker gesehen werden und dann auch eine stärkere Regulierung stattfindet. Andere Länder greifen das ja schon auf, wie zB. das Social Media Verbot für unter 16jährige in Australien. Oder anderes, konkretes Beispiel: Ich finde, dass das Verbot des Filmens unter anderem in Freibädern stärker beachtet werden sollte. Ständig wird man überall im öffentlichen Raum gefilmt und landet damit im Internet. Das muss aufhören.