Köpfer der Berliner Wirtschaft

Vorgestellt: Eileen Liebig, clap clap GmbH

Als der erste Lockdown ihr Eventgeschäft praktisch über Nacht stoppte, entwickelte Eileen Liebig in nur wenigen Tagen ein neues Geschäftsmodell. Mit "clap clap" gründete sie eine Plattform, die Wertschätzung in Unternehmen automatisiert. Was ihre Geschenkboxen mit Mitarbeiterbindung zu tun haben und warum sie darin einen wachsenden Zukunftsmarkt sieht, erzählt sie im Interview.

Von: Fabian Nestler
Foto von Eileen Liebig auf einem Hocker, auf ihrem Schoß hält sie eine ihrer clap clap Geschenkboxen.

Die Geschenkboxen von clap clap personalisieren und automatisieren Wertschätzung in Unternehmen.

Wie kam es zur Idee für clap clap? Welchen Mehrwert bietet es für Ihre Kunden?

Ursprünglich hatte ich eine Eventagentur. Wir haben Firmenfeiern, Teamevents und Workshops für Unternehmen organisiert. Dann kam im März 2020 der erste Lockdown. Von einem Tag auf den anderen waren alle Events abgesagt. Mein komplettes Geschäft stand still. 

Ich war hochschwanger und habe in 72 Stunden ein neues Geschäftsmodell gebaut: die Online Event Box. Die Idee war einfach. Wenn die Menschen nicht mehr zum Event kommen können, kommt das Event zu ihnen nach Hause. Jedes Teammitglied bekam eine Box mit allem, was es für das gemeinsame Erlebnis brauchte, etwa für ein Tasting oder einen Workshop. Zusammen gefeiert wurde dann per Videocall.

Das hat funktioniert. Schon im ersten Jahr wurde daraus ein Millionenstartup. Gründerszene, das Wall Street Journal, Strive und andere Medien haben darüber berichtet. Dabei habe ich zwei Dinge gesehen. Wie viel so ein Geschenk in einem Team auslöst. Und wie viel Arbeit für die Personalabteilung dahintersteckt, bis es bei allen ankommt. Daraus ist 2023 clap clap entstanden.

 

Unser Mehrwert in einem Satz: Wir automatisieren Wertschätzung in Unternehmen. Ob Onboarding, Dienstjubiläum oder Weihnachten. Unternehmen suchen keinen Einmalkauf. Sie suchen einen Automatismus, der jedes Mal zuverlässig läuft.

Über unsere Plattform wählen sie ihre Geschenke und die Versandart. Abgerufen wird, wenn der Anlass da ist. Den Rest übernehmen wir: Konzept, Branding, Konfektionierung, Karte, Versand und auf Wunsch auch die Retouren. Und wir achten darauf, dass jedes Geschenk unter der steuerlichen Freigrenze bleibt. Damit Wertschätzung nicht beim Finanzamt als geldwerter Vorteil endet.

Porträtfoto von Eileen Liebig
„Nach vier Gründungen weiß ich: Fokus ist wichtiger als jede neue Idee.“
Eileen Liebig Gründerin & Geschäftsführerin von clap clap GmbH

Gibt es Pläne für die Zukunft des Unternehmens?

Ja, sehr konkrete. Wir bauen clap zur Plattform aus, die die gesamte Wertschätzung in einem Unternehmen automatisiert und personalisiert.

  • Ein Abo statt Einzelprojekte. Unternehmen wählen zwischen Basis, Pro und Enterprise. Sie zahlen einen festen Monatsbeitrag. Dafür laufen Konfektionierung und Branding dauerhaft im Hintergrund. Das Unternehmen entscheidet nur noch, welche Geschenke es möchte.
  • Wertschätzung, die von selbst passiert. clap verbindet sich mit der Personalsoftware oder dem CRM. Geburtstag, Jubiläum, erster Arbeitstag, Beförderung, Geburt, Hochzeit: Die Plattform erkennt den Anlass und erinnert rechtzeitig. Im Vertrieb genauso. Ein abgeschlossener Deal, eine Vertragsverlängerung, ein Kundenjubiläum oder auch mal eine Entschuldigung. Kein Moment geht mehr verloren.
  • Jede Führungskraft bekommt ihren eigenen Zugang. Mit eigenem Jahresbudget. Im Dashboard sieht sie: Bernd aus deinem Team wird in zehn Tagen 40. Dann wischt sie durch passende Geschenke. Ja, nein, nächstes. Oder sie stellt selbst etwas zusammen. Kartentext eingeben, klicken, fertig. Den Rest übernehmen wir.
  • Zentral oder individuell. Das Unternehmen entscheidet. Eine einheitliche Lösung für alle Jubiläen? Oder darf jedes Team selbst wählen, ob zum Geburtstag, zur Genesung oder als Dankeschön? Beides geht. Budgets, Kostenstellen und Freigaben steuern Geschäftsführung oder HR zentral.
  • Die Mitarbeitenden wählen selbst. Eine Führungskraft möchte Max Mustermann mit 50 Euro danken. Max bekommt einen Link, wählt aus 50 Geschenken sein Lieblingsstück, gibt seine Adresse ein. Und wir versenden. Auch Gutscheine und Erlebnisse gehören dazu.
  • International sind wir schon. Wir versenden heute weltweit. So können auch Unternehmen mit Standorten im Ausland alle Mitarbeitenden gleich wertschätzen.

Unser Ziel: Jedes Unternehmen mit einer guten Kultur nutzt clap als Infrastruktur für Wertschätzung.

Mehr zum Thema

Berlin stark vertreten: LinkedIn kürt Top 20 Start-ups
Zu sehen ist das Logo der Plattform LinkedIn, ein weißes "in" auf einem blauen Quadrat.
Start-up-Ranking Berlin stark vertreten: LinkedIn kürt Top 20 Start-ups
Lesezeit: 1 Minute
Mehr Frauen gründen – doch beim Venture Capital bleibt die Lücke groß
Foto von Dr. Andrea Schirrmacher, Vorstand der Weiberwirtschaft e.G.
Female Entrepreneurship Mehr Frauen gründen – doch beim Venture Capital bleibt die Lücke groß
Lesezeit: 3 Minuten
Ulrike Menn

clap clap ist nicht Ihre erste Gründung. Was lief hier anders?

Die Online Event Box ist aus der Not entstanden. 72 Stunden, volles Risiko, Tempo pur. clap baue ich bewusst anders auf. Ohne Investoren, aus dem eigenen Umsatz heraus. Jeder Euro, den wir ausgeben, kommt von Kunden. Das zwingt zu Klarheit. Wir entwickeln nur, was jemand wirklich braucht.

Und ich habe gelernt, früher Nein zu sagen. Nach vier Gründungen weiß ich: Fokus ist wichtiger als jede neue Idee.

Was macht am meisten Spaß an der Selbstständigkeit?

Dass ich selbst gestalte. Ich habe in meiner Festanstellung ein Jahr lang sonntagabends geweint, weil montags Arbeit war. Irgendwann habe ich verstanden: Ich muss nicht die Firma wechseln, ich muss die Seite wechseln. Selbst gründen, selbst finanzieren, selbst gestalten. Das ist bis heute mein Antrieb.

Und ich liebe den Moment, in dem jemand fragt: „Kannst du das?“ Und ich sage Ja, bevor ich genau weiß, wie. Das Ja ist der Anfang, nicht das Ergebnis. Man wächst da rein und überrascht sich jedes Mal ein bisschen selbst.

Und was nervt am meisten?

Die Momente, über die keiner spricht. Nachts um zwei am Schreibtisch sitzen und der IT zum vierten Mal denselben Fehler in einem System melden, das einfach nicht funktionieren will. Oben schlafen die Kinder.

Gründen ist mutig, ja. Aber richtig mutig wird es später: wenn keiner mehr klatscht und du trotzdem entscheiden musst, ob du weitermachst. Ich habe gelernt, Prioritäten zu verschieben, statt aufzugeben. Mein Podcast liegt gerade still, Netzwerktreffen sage ich oft ab. Das nervt. Aber es ist ein Zustand, kein Charakterzug.

Wirtschaftsschutz & Resilienz praktisch umsetzen

Wie krisenfest ist Ihr Unternehmen? Im Seminar der IHK Berlin identifizieren Sie Risiken und entwickeln konkrete Maßnahmen für Ihre Krisenvorsorge.

Inhalte:

  • Kritische Prozesse und Abhängigkeiten erkennen
  • Risiken bewerten
  • Maßnahmen für mehr Resilienz ableiten

20. November 2026, von 9:00 bis 17:00 Uhr
Jetzt anmelden

Gibt es konkrete Wünsche an die Politik?

Ja, drei.

  • Steuerliche Grenzen für Wertschätzung anheben und vereinfachen. Sachbezugsgrenze, Aufmerksamkeitsgrenze, Regeln für Kundengeschenke: Das versteht kaum jemand. Ein klarer, höherer Freibetrag für Wertschätzung würde Unternehmen helfen, ihre Leute zu halten.
  • Weniger doppelte Nachweise für kleine Unternehmen. Ein einheitliches Lieferantenprofil, das einmal geprüft und überall akzeptiert wird.
  • Gründerinnen mit Kindern ernster nehmen. Ich habe vier Kinder. Mutterschutz für Selbstständige und verlässliche Betreuung sind keine Nischenthemen. Sie entscheiden, ob Frauen gründen.