IHK Berlin. Offizieller Unterstützer der Berliner Wirtschaft.

Nach einer aufmerksamkeitsstarken Teaserphase geht die Kampagne der IHK Berlin in die nächste Stufe. Mit „WTF is IHK?“ wurde bewusst Neugier geweckt und Gespräche angestoßen.

Jetzt löst die Kammer diese Frage auf – klar, sichtbar und mit Haltung. 

Die Unternehmer stehen stellvertretend für die Vielfalt der Berliner Wirtschaft. 

Durch ihre Perspektiven wird deutlich, was der Claim konkret bedeutet – und wie die IHK Berlin Unternehmen tatsächlich unterstützt. 

IHK Berlin. Offizieller Unterstützer der Berliner Wirtschaft.

Migrantische Wirtschaft

Migration Berlin: Wie ausländisch geführte Unternehmen die Wirtschaft prägen

Jedes fünfte IHK-Mitgliedsunternehmen in Berlin wird von einer Person mit ausländischem Pass geführt. Von Bau und Gastgewerbe bis KI zeigen Firmen wie Jina AI, wie stark migrantische Unternehmen den Standort prägen – und welche Förderung sie erhalten.

Von: Almut Kaspar
Acht Menschen verschiedener Herkunft schauen freundlich in die Kamera.

Migrantisch geführte Unternehmen sind in Berlin in allen Branchen zu finden.

Berlin, sagt Dr. Han Xiao, sei ein Schmelztiegel für globale Talente. „Seine kosmopolitische Natur zieht Spitzenkräfte aus der ganzen Welt an und macht die Stadt zu einer Brutstätte für Innovationen und neue Perspektiven.“ 

Xiao gründete 2020 das Künstliche-Intelligenz-Start-ups Jina AI, mit Headquarter in Berlin und zwei Büros in den chinesischen Metropolen Peking und Shenzhen. Jina AI mit seinen aktuell rund 30 Beschäftigten hat ein Open-Source-Ökosystem entwickelt, das es Unternehmern und Entwicklern ermöglicht, mit hoher Verfügbar- und Skalierbarkeit nach Informationen aller Art zu suchen. Das Unternehmen wurde 2025 von Elastic übernommen.

Der gebürtige Chinese Han Xiao gehört zu jenen Zehntausenden migrantischen Unternehmern und Unternehmerinnen in Berlin, die mehr als je zuvor den hiesigen Wirtschaftsstandort prägen. Sie wirken heute in allen Branchen, vom Einzelhandel bis zu hoch spezialisierten KI-Firmen wie Jina AI. Nicht umsonst ist nach einer Studie der Technologiestiftung Berlin die Anzahl der Unternehmen, die künstliche Intelligenz einsetzen, in der Hauptstadt doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt.

 

Nicole Korset-Ristic, Vizepräsidentin der IHK Berlin
Die wirtschaftlichen Aktivitäten von Migrantinnen und Migranten spiegeln diese Diversität wider und stärken die Berliner Wirtschaft durch eine hohe Gründungsdynamik.“
Nicole Korset-Ristic IHK-Vizepräsidentin

Migration Berlin: Jede fünfte IHK-Firma wird ausländisch geführt

„Die migrantische Wirtschaft spielt für den Wirtschaftsstandort Berlin eine entscheidende Rolle und leistet einen wichtigen Beitrag zur Vielfalt und Innovationskraft der Stadt“, sagt Nicole Korset-Ristic, Vizepräsidentin der IHK Berlin. 

„In Berlin hat fast jeder Vierte eine nicht deutsche Staatsangehörigkeit, und die Zahl der Menschen mit Migrationshintergrund ist noch höher, wenn man Deutsche mit Zuwanderungsgeschichte berücksichtigt.“ Im vergangenen Jahr betrug der Ausländeranteil in Berlin 24,9 Prozent – bundesweit kam er auf 14,8 Prozent. Die größte Gruppe der Ausländer nach Staatsangehörigkeit stellen in Berlin die Türken mit fast 110.000 Menschen – hinzu kommen weitere rund 100.000 eingebürgerte Personen mit türkischem Migrationshintergrund.

Zudem sind in der Stadt 72.000 ukranische Staatsbürger, knapp 51.500 polnische, 44.000 syrische und rund 45.000 indische Staatsbürger gemeldet. Aus Russland kommen etwa 36.500, aus Italien 34.000 und aus Bulgarien knapp 32.000 Einwohner. 

„Die wirtschaftlichen Aktivitäten von Migrantinnen und Migranten spiegeln diese Diversität wider“, so IHK-Vizepräsidentin Korset-Ristic, „und stärken die Berliner Wirtschaft durch eine hohe Gründungsdynamik.“ Allein unter den Mitgliedsunternehmen der IHK Berlin hat jedes fünfte Unternehmen eine Geschäftsführerin oder einen Geschäftsführer beziehungsweise eine Inhaberin oder einen Inhaber mit ausländischem Pass. Noch größer ist der Anteil Unternehmender mit Einwanderungsgeschichte.

Polen
8.251
IHK-Mitgliedsunternehmen
stehen unter polnischer Leitung, was die größte Gruppe unter nicht-deutschen Firmeninhabern darstellt
Türkei
7866
Firmen
haben eine Inhaberin oder einen Inhaber mit türkischem Pass
Rumänien
4163
Unternehmen
werden von Rumäninnen und Rumänen geführt, die drittgrößte Gruppe

Migrantische Unternehmen sind in allen Berliner Branchen aktiv

Das Spitzentrio: 8.251 IHK-Mitgliedsunternehmen stehen unter polnischer Leitung, 7.866 werden von türkischen Staatsbürgern geführt – darunter Dilek Dönmez, deren Firma Özcan Getränke GmbH zu den führenden deutschen Herstellern des Trinkjoghurts Ayran gehört und die mit ihrem Vater Mehmet Özcan eine beeindruckende Erfolgsgeschichte geschrieben hat. Dahinter folgen 4.163 migrantische Unternehmen mit rumänischen Geschäftsführern. 

Mit annähernd 13.000 IHK-Mitgliedsunternehmen unter migrantischer Führung dominiert die Bau- und Immobilienwirtschaft, dahinter rangiert mit rund 12.000 Unternehmen die Branche Tourismus und Gastgewerbe. Und mit jeweils weit über 6.000 Mitgliedsunternehmen sind Banken, Versicherungen, Finanzdienstleistungen sowie Digitale Wirtschaft und Gesundheitswirtschaft entsprechend registriert.

„Wir haben in Berlin einen gut aufgestellten Branchenmix und sind nicht nur in einigen wenigen Sparten erfolgreich“, sagt Michael Biel, Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe, „migrantische Unternehmen und Menschen mit Migrationshintergrund sind in Berlin in allen Bereichen aktiv.“ Das gelte zudem für die freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen und für das Gastgewerbe, aber genauso für die produzierenden Branchen der Industrie und des Baugewerbes.

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Einwanderer, so belegen es zahlreiche Studien, sind besonders gründungsaffin. Ihre Gründungsquote ist bis zu doppelt so hoch wie die der Nicht-Migranten. Und sie verfügen meist über einen akademischen Hintergrund, der es ihnen ermöglicht, mehr und mehr wissensintensive Dienstleistungen anzubieten. Fakten, die im totalen Widerspruch stehen zum Bild, das die Öffentlichkeit im Alltag von migrantischer Wirtschaft wahrnimmt: Dönerbuden, Nagelstudios, Barbershops oder Spätis sind aber längst zu Relikten vergangener Zeiten geworden.

„Berlin weist insgesamt ein dynamisches Gründungsgeschehen auf“, stellt Wirtschaftsstaatsekretär Michael Biel fest, „das von unserer Senatsverwaltung durch eine Vielzahl von Maßnahmen gezielt gefördert wird.“ Zum Beispiel mit der im Januar 2019 ins Leben gerufenen Lotsenstelle für migrantische Selbstständigkeit. „Diese Institution bietet Beratungsleistungen an, die die Bedürfnisse von Migrantinnen und Migranten adressieren, zum Beispiel bei der Kommunikation mit Behörden.“ In der Seminarreihe „Vielfalt gründet“ werden seit mehr als zwei Jahrzehnten Gründungsschulungen in mehreren Sprachen offeriert.

IHK und bbb-welcome fördern migrantische Gründungen

Zudem wurde 2022 das Landesbürgschaftsprogramm „bbb-welcome in Zusammenarbeit zwischen der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe sowie der Bürgschaftsbank Berlin eingeführt. „Dieses spezielle Programm soll Geflüchteten den Zugang zu Finanzierungen von unternehmerischen Vorhaben ermöglichen.“ Neben solchen Fördermaßnahmen wird in Berlin regelmäßig der Preis „Vielfalt unternimmt“ vergeben, der herausragende Unternehmerinnen und Unternehmer mit Migrationshintergrund würdigt.

Vielfalt unternimmt: Diese migrantischen Unternehmen wurden ausgezeichnet

In der Kategorie „Unternehmen mit mehr als 30 Beschäftigten“ gewann Safiye Ergün mit ihrem Unternehmen Dosteli GmbH. Der Pflegedienst beietet seit 2008 eine kultursensitive Pflege für pflegebedürftige Menschen mit Migrationshintergrund. 

In der Kategorie „Unternehmen mit 0 bis 30 Beschäftigte“ wurde Seneit Debese mit ihrem Unternehmen Greta & Starks Aps GmbH geehrte. Die App „Greta“ macht Kinofilme für Menschen mit Seh. Und Hörbeeinträchtigungen barrierefrei. 

In der Kategorie „Neugründer:innen“ ging der Preis an Ali Abderrahmane & Burak Erkovan, die mit dem Unternernehmen JUHI GmbH eine Alltagshilfe an Pflegebedürftige durch junge Menschen vermitteln. 

Zu den Partnern von „Vielfalt unternimmt“ gehört auch die IHK Berlin, die das wirtschaftliche Engagement von Menschen nicht deutscher Herkunft oder Unternehmen mit Migrationsgeschichte durch ein breites Spektrum an Maßnahmen und Programmen unterstützt. 

IHK-Vize-Präsidentin Nicole Korset-Ristic nennt nur zwei Beispiele: „Wir stellen sicher, dass Gründungsangebote in mehreren Sprachen zugänglich sind, um Sprachbarrieren zu reduzieren und eine bessere Integration in den Markt zu ermöglichen.“ Und gemeinsam mit anderen Partnern biete die IHK den Business Immigration Service an, der ausländischen Unternehmen, Existenzgründern und qualifizierten Arbeitskräften bei der Unternehmensgründung und der Ansiedlung hilft.

Migrantische Unternehmen und Entrepreneure setzen aber auch zunehmend auf Selbsthilfe. „In den ethnischen Communities sind Business-Netzwerke weit verbreitet“, sagt Dilara Erdem, IHK-Branchenmanagerin Tourismus und Gastronomie. „Dort wird man beraten oder berät zum Unternehmensauf oder -ausbau, zur Standortsuche oder zu kommunikativen Maßnahmen, um in Berlin Fuß zu fassen.“ 

Vor zwei Jahren hat Dilara Erdem selbst ein Netzwerk mit türkeistämmigen Unternehmerinnen aufgebaut. „Daraus hat sich eine Plattform gebildet, der mittlerweile 80 Unternehmerinnen, Freiberuflerinnen und gründungsinteressierte Frauen angehören.“