IHK Berlin. Offizieller Unterstützer der Berliner Wirtschaft.

Nach einer aufmerksamkeitsstarken Teaserphase geht die Kampagne der IHK Berlin in die nächste Stufe. Mit „WTF is IHK?“ wurde bewusst Neugier geweckt und Gespräche angestoßen.

Jetzt löst die Kammer diese Frage auf – klar, sichtbar und mit Haltung. 

Die Unternehmer stehen stellvertretend für die Vielfalt der Berliner Wirtschaft. 

Durch ihre Perspektiven wird deutlich, was der Claim konkret bedeutet – und wie die IHK Berlin Unternehmen tatsächlich unterstützt. 

IHK Berlin. Offizieller Unterstützer der Berliner Wirtschaft.

Diversität am Arbeitsplatz

Queerfreundliche Unternehmen: Vielfalt braucht klare Haltung

Rund um den Berliner CSD zeigen sich viele Unternehmen mit Regenbogenflaggen. Doch glaubwürdige Queerfreundlichkeit entscheidet sich vor allem im Arbeitsalltag. Stefan Spieker, Geschäftsführer der FRÖBEL gGmbH und Vizepräsident der IHK Berlin, erklärt, warum eine klare Haltung wichtig ist.

Von: Aaron Baumgart
Eine Frau arbeitet im Büro am Computer. Neben ihr steht eine Regenbogenfahne auf dem Schreibtisch.

Diversity am Arbeitsplatz kann das Arbeitsklima verbessern.

  • Queerfreundlichkeit: Zeigt sich nicht nur im Pride Month, sondern vor allem im Arbeitsalltag, in der Führung und bei beruflichen Chancen. 
  • Glaubwürdigkeit: Eine glaubwürdige Diversity-Kultur stärkt die Mitarbeiterbindung und macht Unternehmen attraktiver für Fachkräfte. 
  • Sichtbarkeit: Auch kleine Betriebe können mit klarer Haltung, aktivem Zuhören und sichtbaren Bekenntnissen Vielfalt wirksam fördern.

Regenbogenfarben in Unternehmenslogos, Fahnen vor Geschäftsgebäuden und Botschaften in den sozialen Medien: Rund um den Berliner Christopher Street Day machen viele Arbeitgeber sichtbar, dass sie für Vielfalt und die Rechte queerer Menschen eintreten. Doch wie ernst ein Unternehmen diese Haltung tatsächlich meint, zeigt sich weniger in den Wochen vor dem CSD als an den übrigen Tagen des Jahres.

Bei der FRÖBEL Bildung und Erziehung gGmbH soll Vielfalt deshalb nicht als Sonderthema behandelt werden. „Niemand muss bei uns einen Teil seines Lebens an der Tür abgeben“, sagt Geschäftsführer Stefan Spieker. Eine Kollegin könne am Montag selbstverständlich von ihrer Frau erzählen, ein Kollege seinen Mann zum Sommerfest mitbringen. „Das ist bei uns gar kein Thema, sondern Normalität.“

Vielfalt gehört zum Bildungsauftrag

Bei dem gemeinnützigen Träger betrifft Queerfreundlichkeit nicht allein die Unternehmenskultur und den Umgang innerhalb der Belegschaft. Sie prägt zugleich die pädagogische Arbeit in den Betreuungseinrichtungen. Kinder begegnen dort unterschiedlichen Familienformen – sowohl in ihrem Alltag als auch in den Büchern, die ihnen vorgelesen werden, und in Gesprächen mit ihren Familien.

Wer die besten Köpfe gewinnen will, muss ein Unternehmen sein, an dem Menschen gern arbeiten.“
Stefan Spieker Geschäftführer FRÖBEL Bildung und Erziehung gGmbH

„Kinder, die früh erleben, dass Verschiedenheit dazugehört, wachsen offener auf“, sagt Spieker. „Genau das ist unser Bildungsauftrag.“ Die Haltung des Arbeitgebers wirkt damit in zwei Richtungen: Beschäftigte sollen sich mit ihrem gesamten Leben akzeptiert fühlen. Zugleich erleben Kinder, dass Familien unterschiedlich aussehen können und diese Unterschiede selbstverständlich zur Gesellschaft gehören.

Offenheit ist mehr als eine Personalstrategie

Eine queerfreundliche Unternehmenskultur ist aber nicht nur eine Frage gesellschaftlicher Verantwortung. Sie kann auch darüber entscheiden, ob ein Unternehmen qualifizierte Fachkräfte gewinnt und langfristig hält. Gerade in Branchen, in denen Personal dringend gesucht wird, spielt die Kultur eines Arbeitgebers eine wichtige Rolle.

Die Frage, ob Queerfreundlichkeit ein moralisches Anliegen oder ein wirtschaftlicher Faktor sei, hält Spieker allerdings für künstlich. „Natürlich ist es beides. Wer die besten Köpfe gewinnen will, muss ein Unternehmen sein, an dem Menschen gern arbeiten.“

Entscheidend sei dabei die Reihenfolge. Offenheit dürfe nicht bloß als Instrument des Personalmarketings geplant werden. Unternehmen müssten sie ernst meinen und tatsächlich leben. Eine stärkere Bindung der Beschäftigten, eine geringere Fluktuation und ein guter Ruf als Arbeitgeber stellten sich dann als Konsequenzen ein.

Stefan Spieker, FRÖBEL-Geschäftsführer und Vizepräsident der IHK Berlin, setzt sich für Vielefalt am Arbeotsplatz ein.

Glaubwürdigkeit zeigt sich in der Führung

Für Mitarbeitende macht es einen Unterschied, wenn sie sehen, dass ihr beruflicher Weg nach oben grundsätzlich offensteht, unabhängig davon, wen sie lieben. Sichtbare Vielfalt in der Führung kann damit mehr bewirken als eine zeitlich begrenzte Kampagne – und dazu gehört auch die öffentliche Positionierung der Geschäftsführung.

„Führung heißt, Orientierung zu geben, und Orientierung entsteht nicht durch Schweigen“, sagt Spieker. Wenn eine Unternehmensspitze klar benenne, wofür sie stehe, senke das auch für andere die Hürde, offen aufzutreten – für einen Beschäftigten, der sich outen möchte, ebenso wie für ein kleineres Unternehmen, das mit dem Thema noch zögert. Spiekers Fazit: „Haltung, die man nur intern hat, ist am Ende nur die halbe Haltung.“

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Mehr Vielfalt am Arbeitsplatz: Drei Schritt für KMU

Eine glaubwürdige Diversity-Strategie setzt für Spieker weder einen Konzernapparat noch eine eigene Fachabteilung voraus. „Man braucht keine Abteilung, man braucht Ernsthaftigkeit.“ Auch kleine und mittlere Unternehmen könnten mit wenigen konkreten Schritten beginnen.

Erstens sollten sie klar benennen, wofür sie stehen – beispielsweise im Unternehmensleitbild und in Stellenanzeigen. „Denn wer nichts sagt, überlässt anderen die Deutung.“ Zweitens sollten Führungskräfte ihren Beschäftigten aktiv zuhören und sie fragen, was sie benötigen. Die Antworten seien häufig konkreter und leichter umzusetzen, als Unternehmensleitungen zunächst vermuteten.

Als dritten Schritt empfiehlt Spieker, die Charta der Vielfalt zu unterzeichnen. Damit könne ein Unternehmen ein öffentlich sichtbares Bekenntnis abgeben. Entscheidend sei jedoch nicht die formale Struktur, sondern das Verhalten im Alltag: „Das kann ein Betrieb mit fünf Beschäftigten genauso gut wie ein Konzern.“

Charta der Vielfalt

Der Charta der Vielfalt e. V. ist Deutschlands größte Initiative für Vielfalt und Inklusion am Arbeitsplatz. Seit 2006 fördert er eine Arbeitswelt, in der jedes Talent wertgeschätzt wird.

Der gemeinnützige Verein setzt sich für die Verankerung von Vielfalt in Wirtschaft und Gesellschaft ein. 6.500 Unternehmen und Institutionen haben die Charta der Vielfalt bisher unterzeichnet, auch die IHK Berlin.