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WTF is IHK?

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Vereinbarkeit als Fachkräftesicherung

equaly: Berliner Start-up macht Familienfreundlichkeit zum Wettbewerbsvorteil

Viele Unternehmen wollen familienfreundlicher werden – doch oft bleibt es bei einzelnen Angeboten. Das Berliner Start-up equaly will Vereinbarkeit strategisch in Organisationen verankern. Warum das für Arbeitgeber im Fachkräftemangel immer wichtiger wird, erklärt Mitgründerin Louisa Plasberg.

Von: Jana Illhardt
Porträtfoto von Ronja Hoffacker und Louisa Plasberg, CEO und Geschäftsführerinnen von equaly.

Ronja Hoffacker (links) und Louisa Plasberg gründeten equaly 2023 in Berlin.

Vereinbarkeit ist längst kein reines Familienthema mehr. Für Unternehmen wird sie zunehmend zu einer wirtschaftlichen Frage: Wie lassen sich Fachkräfte halten? Wie gelingt mehr Diversität in Führung? Und wie schaffen Organisationen Strukturen, in denen berufstätige Eltern langfristig arbeiten und wachsen können?

equaly hat es sich zur Aufgabe gemacht, Antworten auf all diese Fragen zu geben. Berliner Start-up unterstützt Arbeitgeber dabei, Vereinbarkeit nicht nur über einzelne Benefits zu denken, sondern über Prozesse, Führung und Unternehmenskultur. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Care-Arbeit und berufliche Entwicklung besser zusammenpassen können.

Warum Vereinbarkeit für Unternehmen zum Fachkräftethema wird

Gegründet wurde equaly 2023 von Louisa Plasberg und Ronja Hoffacker. Plasberg hat zuvor unter anderem im Bundestag gearbeitet. Aus der Beobachtung heraus, dass viele Paare zwar gleichberechtigt Karriere machen, die Care-Arbeit aber häufig doch mehrheitlich von Frauen erledigt wird, hat sie Interviews geführt – mit Paaren, die Vereinbarkeit für sich anders gelöst haben.

Porträt von Louisa Plasberg
Berufstätige Eltern bringen Fähigkeiten mit, die für Unternehmen besonders wertvoll sein können. Sie sind extrem effizient, auf den Punkt, kompetent und souverän.“
Louisa Plasberg Mitgründerin equaly

Heute arbeitet das mittlerweile vierköpfige Unternehmen sowohl mit Paaren als auch mit Arbeitgebern – und will Vereinbarkeit als strategischen Faktor in der Arbeitswelt etablieren. „Ein Drittel aller Frauen geht nach der Elternzeit nicht zu ihrem Arbeitgeber zurück – häufig, weil sie glauben, die neue Familienrolle sei nicht mit dem bisherigen Job vereinbar“, so Plasberg. 

„Das verursacht enorme Kosten bei den Arbeitgebenden. Neueinstellung, Onboarding etc., da ist schnell ein zusätzliches Jahresgehalt weg. Diese Kosten könnte man sich sparen, wenn man es schafft, die guten Leute zu halten.“ Aber wie?

equaly: Familienfreundlichkeit braucht mehr als Benefits

„Um Familienfreundlichkeit bei einem Unternehmen zu gestalten, braucht es drei Ebenen: Angebote, Prozesse und Kultur“, so Plasberg. Die meisten Arbeitgeber würden Familienfreundlichkeit vor allem mit Angeboten verbinden, also sichtbaren Maßnahmen: etwa zusätzliche Kinderkrankentage, Zuschüsse zur Kinderbetreuung, eine Notfall-Kita oder Beratungsangebote für Eltern und pflegende Angehörige. Sie können Beschäftigte zwar konkret entlasten, bleiben aber oft punktuell. Laut Plasberg reicht das nicht aus.

Entscheidender sind aus ihrer Sicht die Prozesse. Dabei geht es darum, wie Arbeit tatsächlich organisiert ist: Welche Arbeitszeiten gelten? Wie flexibel sind Büro- und Homeoffice-Regelungen? Wie wird Elternzeit vorbereitet? Gibt es klare Abläufe für Übergabe, Kontakt während der Elternzeit und Wiedereinstieg? Prozesse entscheiden darüber, ob Vereinbarkeit im Alltag funktioniert oder jedes Mal neu ausgehandelt werden muss.

Die dritte Ebene ist die Kultur. Sie beschreibt, welche unausgesprochenen Erwartungen im Unternehmen gelten: Wird Leistung mit ständiger Verfügbarkeit gleichgesetzt? Können Beschäftigte offen sagen, dass sie wegen eines kranken Kindes früher gehen müssen? Werden Eltern als weniger ambitioniert wahrgenommen oder als Mitarbeitende mit zusätzlicher Organisations- und Führungserfahrung?

Die Leistungsfähigkeit von Eltern wird noch zu sehr unterschätzt

Welche Qualifizierung Eltern durch ihr Elternsein mitbringen, werde noch immer zu sehr unterschätzt, sagt Plasberg: „Berufstätige Eltern bringen Fähigkeiten mit, die für Unternehmen besonders wertvoll sein können. Sie sind extrem effizient, auf den Punkt, kompetent und souverän.“ 

Für Unternehmen bedeutet das: Wer Eltern im Team hält, erhält Erfahrung, Priorisierungsfähigkeit und Belastbarkeit. Gleichzeitig ist Vereinbarkeit eng mit Diversity-Zielen verknüpft. Wer mehr Frauen in Führung bringen will, muss Strukturen schaffen, in denen Karriere nicht an Care-Arbeit scheitert. „Wenn ich mehr Frauen in Führungspositionen haben will, ist Vereinbarkeit ein wichtiger Hebel“, so Plasberg. 

Sie verweist darauf, dass Investitionen in Vereinbarkeit auch gesamtwirtschaftlich sinnvoll seien: Sie können die Erwerbstätigkeit von Frauen erhöhen und damit Wirtschaftswachstum fördern.

Wie equaly Unternehmen bei Vereinbarkeit unterstützt

Seit Unternehmensgründung hat equaly bereits mit mehr als 1.500 Paaren und rund 30 Unternehmen zusammengearbeitet. 

Unternehmenskooperationen werden dabei auf den individuellen Bedarf hin zugeschnitten, und reichen von Trainings und Workshops für die Belegschaft oder Führungskräfte, über Interviews mit Fokusgruppen bis zu tiefgehenden Analysen und Prozessveränderungen.

Das Führungsduo beobachtet, dass die Themen im Idealfall von der Geschäftsführung ausgehen und mitgetragen werden sowie Fortschritte kommuniziert werden. Oft kommen Anfragen aber auch aus Personalabteilungen oder wurden von Elternitiativen heraus angestoßen. 

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Vereinbarkeit in Berlin: gute Voraussetzungen, aber keine einfachen Antworten

Berlin sei in Sachen Vereinbarkeit Vorreiter. Plasberg verweist dabei vor allem auf Investitionen in den Kitaausbau. Hinzu komme eine offenere Haltung: „Der Vibe der Stadt ist freigeistiger. Dadurch kann man viele unterschiedliche Ansätze beobachten, wie Arbeit und Leben zusammenpassen können.“

Trotzdem warnt Plasberg vor einfachen Standortvergleichen. Vereinbarkeit sei dafür zu individuell: „Ob ich finde, dass mein Beruf und Privatleben vereinbar sind, hängt nicht nur an meinem Arbeitgeber, sondern auch an meiner Familiensituation, meiner Partnerschaft und meinen Kindern.“ 

Für Arbeitgeber bedeutet das: Familienfreundlichkeit muss systematisch geplant werden. Es geht um klare Prozesse vor, während und nach der Elternzeit. Um Führungskräfte, die individuelle Lösungen ermöglichen. Und um Strukturen, die verhindern, dass Elternschaft zur Karrierebremse wird.