Fachkräftemangel hindert Wachstum

Volle Auftragsbücher, zu wenig Hände: Warum Lennie nicht schneller wachsen kann

Mehr als 50.000 Bestellungen im Jahr und genug Nachfrage für deutlich mehr: Bei Lennie Equipment läuft das Geschäft. Das Problem des Berliner Herstellers von Hunde- und Pferdezubehör ist nicht der Markt – sondern fehlendes Personal.

Von: Aaron Baumgart
Ein Hund sitzt an einer Nähmaschine in einer Werkstatt mit bunten

Hund Lennie in der Werkstatt von Lennie Equipment in Berlin-Weißensee.

Mehr als 50.000 Bestellungen im Jahr, rund 20.000 individuell gefertigte Artikel und ein Umsatz im Millionenbereich: Aus der Idee, Hundeleinen, Halsbänder und Geschirre nach Kundenwunsch herzustellen, ist in Berlin-Weißensee ein beachtliches Geschäft geworden. Geschäftsführer Sebastian Hövel hat mit Lennie Equipment eine Nische besetzt, in der die Nachfrage inzwischen größer ist als die eigenen Kapazitäten.

Dabei begann alles vor rund 14 Jahren mit Hövels Wunsch, sich selbstständig zu machen – und seinem eigenen Hund Lennie. Statt einen weiteren Tierbedarfsladen zu eröffnen, setzte der Diplom-Kaufmann auf individuell gefertigtes Zubehör aus BioThane, einem Kunststoff, der in der Haptik an Leder erinnert. „Das sollte am Anfang nur der USP werden“, sagt Hövel. Doch die Nachfrage wuchs schneller als erwartet: „Dann hatte ich schnell mehr Aufträge als Mitarbeiter.“

Heute fertigt Lennie in Berlin-Weißensee Hundeleinen, Halsbänder, Geschirre und weiteres Zubehör für Hunde und Pferde. Das Material ist wasserfest, robust und leicht zu reinigen. Vor allem aber können Kundinnen und Kunden Produkte individuell konfigurieren, die anschließend in Handarbeit hergestellt werden.

„Wenn wir neben der menschlichen Verstärkung auch den Platz und die Maschinen hätten, könnten wir locker verdoppeln.“
Sebastian Hövel Gründer Lennie Equipment

Fehlende Fachkräfte sorgen für Stillstand

Aufträge sind für Lennie kein Problem – Kapazitäten schon. Zehn Menschen arbeiten inzwischen für das Unternehmen, einige seit vielen Jahren. Hätte er ausreichend Personal, Platz und Maschinen, wäre deutlich mehr möglich. „Wir könnten locker verdoppeln“, sagt der Geschäftsführer.

Gesucht werden unter anderem Menschen für Zuschnitt und Nähen sowie Lager und Versand. Entscheidend seien weniger eine Ausbildung, sondern handwerkliches Geschick, Sorgfalt und Zuverlässigkeit. 

Warum trotzdem so wenige geeignete Kräfte zu finden sind? Hövel sieht ein grundsätzliches Problem: „Weil niemand Fachkräfte ausbildet!“ Tatsächlich habe Hövel auch schon früher Schwierigkeiten gehabt, „die richtigen Leute“ für sein Unternehmen zu finden. 

Sebastian Hövel gibt einem Hund ein Leckerli.

Sebastian Hövel mit seinem Hund Lennie.

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Ein Team, das Lennie Equipment weiterträgt

Wie wichtig Beschäftigte für ein Unternehmen sein können, hat Hövel noch aus einem anderen Grund erlebt. Nach einem schweren Unfall musste er seine Rolle im Betrieb neu ordnen. In dieser Phase trug das Team entscheidend dazu bei, dass Lennie weiterlief.

Warum seine Mitarbeitenden dem Unternehmen so treu geblieben sind? Hövel beantwortet das mit einer Mischung aus Ernst und Selbstironie: „Weil sie sich bei uns wohlfühlen. Und weil wir alle ein bisschen ‚verrückt‘ sind.“

Großes Wachstum um jeden Preis strebt Hövel inzwischen nicht mehr an, stattdessen blickt er stolz auf das zurück, was er bis jetzt geschafft hat. Potenzial sieht er dennoch – vor allem im Großhandel. Die Nachfrage dafür wäre da. Jetzt fehlen nur noch die Menschen, die sie abarbeiten können.