IHK Berlin. Offizieller Unterstützer der Berliner Wirtschaft.

Nach einer aufmerksamkeitsstarken Teaserphase geht die Kampagne der IHK Berlin in die nächste Stufe. Mit „WTF is IHK?“ wurde bewusst Neugier geweckt und Gespräche angestoßen.

Jetzt löst die Kammer diese Frage auf – klar, sichtbar und mit Haltung. 

Die Unternehmer stehen stellvertretend für die Vielfalt der Berliner Wirtschaft. 

Durch ihre Perspektiven wird deutlich, was der Claim konkret bedeutet – und wie die IHK Berlin Unternehmen tatsächlich unterstützt. 

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Unternehmen

Ein Schritt in die Zukunft: Wie Footprint Technologies den Online-Schuhkauf revolutioniert

Retouren sind im E-Commerce-Bereich ein Dauerthema. Das Start-up Footprint Technologies hat für den Online-Schuhhandel eine innovative KI-Lösung entwickelt – und damit sogar das Interesse des Militärs geweckt.

Von: Julia Frese
Ein Teil des Teams von Footprint Technologies

Teil des Footprint Technologies-Teams: Javier Escobar, Andrés Prada González, Marcin Matecki, Matthias Brendel und Jasmin Enterlein (v.l.n.r.)

So praktisch es ist, Schuhe online zu bestellen – für die meisten Menschen beginnt nach der Anprobe ein ermüdender Prozess: nicht passende Schuhpaare müssen wieder verpackt, der Händler über die Retoure informiert und das Paket zur nächsten Poststelle gebracht werden. Dieses Vorgehen ist lästig für den Kunden und teuer für den Händler. Das Unternehmen Footprint Technologies hat darum eine innovative Lösung für dieses Problem entwickelt: Per Handy können Kunden ihre Füße exakt vermessen und die korrekte Schuhgröße für ihr Wunschmodell ermitteln.

Die Idee zu Footprint Technologies entstand 2019 aus einer ganz persönlichen Frustration des Gründers Matthias Brendel: Er selbst hatte immer wieder Schwierigkeiten, passende Schuhe zu finden. „Ich habe relativ breite Füße“, erklärt der promovierte Umweltingenieur. Da Schuhgrößen und -breiten jedoch je nach Hersteller völlig unterschiedlich ausfallen, fand er sich eins um andere Mal mit großen Retoure-Paketen in der Warteschlange der Post wieder. 

An einem dieser Abende reifte in ihm ein Plan: eine technische Lösung zu entwickeln, mit der sich der Online-Schuhkaufeinfacher und nachhaltiger gestaltet.

Ohne das Wissen über die Grundgeometrie, das Material und weitere Fertigungsparameter des Schuhs hat man keine Chance, die richtige Größe vorherzusehen.“
Matthias Brendel CEO von Footprint Technologies

Mit zwei ehemaligen Audi-Kollegen, die er aus seiner Zeit in der Verbrennungsmotorenentwicklung und später als Leiter einer Einheit für neue Geschäftsmodelle kannte, gründete Brendel das Start-up Footprint Technologies. Ende 2020 kündigte er seinen Senior Management Vertrag bei Audi, um sich voll seinem neuen Geschäftsfeld zu widmen. Inzwischen gehören noch fünf weitere Mitarbeitende zum Team, sie leben und arbeiten in ganz Europa. 

„Ein paar Mal im Jahr treffen wir uns persönlich in Berlin“, erklärt Brendel. Trotz der überschaubaren Teamgröße hat sich Footprint Technologies zum Marktführer für Smartphone-basierte Fußvermessung und Schuhgrößenempfehlung entwickelt.

Matthias Brendel, Co-Founder und CEO von Footprint Technologies

Matthias Brendel, Co-Founder und CEO von Footprint Technologies

Wie die Technologie funktioniert: KI im Dienste des perfekten Schuhs

Das Herzstück der Technologie ist eine klassische KI-Anwendung, die Computer Vision (maschinelles Sehen) nutzt. Nutzer stellen ihren Fuß auf ein weißes Blatt Papier. Dann machen sie zwei Fotos – eines von vorne, eines von hinten. Diese Bilder werden auf einen Cloud-Server hochgeladen, wo speziell trainierte neuronale Netze die relevanten Punkte am Fuß identifizieren: die Enden jeder Zehe, die breitesten Punkte, das Fersenende sowie spezielle Gelenkpunkte. Aus diesen Informationen werden präzise Parameter wie Fußlänge, Fußbreite und Hallux-Winkel ermittelt.

Die eigentliche Herausforderung liegt jedoch nicht nur in der Fußvermessung, sondern in der präzisen Schuhgrößenempfehlung. Schuhgrößen sind weltweit nicht genormt, zwischen europäischen Größen liege etwa in der Regel ein Abstand von 6,7 Millimetern, zwischen britischen Größen betrage der Abstand 4,5 Millimeter, erklärt Brendel. Auch Höhe und Breite können variieren. 

„Entscheidend für die Passform eines Schuhs ist der Schuhleisten“, so Brendel. „Ohne das Wissen über diese Grundgeometrie, das Material und weitere Fertigungsparameter des Schuhs hat man keine Chance, die richtige Größe vorherzusehen.“ Das gelte selbst für Schuhe desselben Herstellers: ein Gore-Tex-Schuh könne etwa eine halbe Nummer kleiner oder größer ausfallen als das Lederpendant.

Die deutsche Schubranche wehrt sich gegen die Digitalisierung

Die größte Hürde für Footprint Technologies ist die mangelnde Digitalisierung der Schuhbranche. Viele Hersteller verfügen nur über physische Werkzeuge und haben ihre Leistendaten nicht digital verfügbar. Zudem sehen einige Unternehmen ihr "Kern-Know-how" in diesen Daten und sind zögerlich, sie einem externen Anbieter zur Verfügung zu stellen. 

Theoretisch könnten er und die sechs weiteren Mitarbeitenden von Footprint Technologies die Schuhmodelle auch selbst vermessen, sagt Brendel. Es gibt kein Gesetz, das dies verbieten würde. Doch für alle auf dem Markt befindlichen Modelle wäre ein solches Vorgehen äußerst aufwändig und finanziell nicht tragbar – auch, da sich Modelle im Modesegment mindestens dreimal im Jahr ändern.

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Anfänglich lag der Fokus von Footprint Technologies auf der Reduzierung von Retouren im Onlinehandel. Eine Retoure kostet Händler schnell zwischen 15 und 18 Euro, inklusive Versand, Kontrolle, Neuverpackung und eventueller Abschreibung. Der Service von Footprint Technologies, der nur einen Bruchteil dieser Kosten verursacht, kann die Retouren im Monobrand-Bereich um bis zu 80 Prozent reduzieren. Inzwischen hat sich das Hauptgeschäftsfeld jedoch stark in Richtung B2B-Lösungen verschoben. Vor allem Anbieter von Arbeits- und Sicherheitsschuhen profitieren von dem Service, den Footprint Technologies bietet. 

Große Hersteller wie Uvex, Elten und U-Power nutzen die digitale Größenermittlung für ihre Kunden bereits. „Früher war es so, dass ein Außendienstmitarbeiter sich die Größen für jedes Schuhpaar, das ein Betrieb benötigt, per Hand aufgeschrieben hat“, so Brendel. Dadurch, dass die Größen software-gestützt ermittelt und digital festgehalten würden, würden Prozesse stark vereinfacht: „Wenn beim nächsten Mal ein anderer Außendienstmitarbeiter in den Betrieb fährt, hat der trotzdem alle Daten parat.“

Darüber hinaus arbeitet das Unternehmen eng mit verschiedenen Militär- und Polizeiorganisationen zusammen. In einer Armee erhalten neue Rekruten durchschnittlich sechs Paar verschiedene Schuhe als Erstausstattung. Da die Schuhe für Extrembelastungen wie kilometerlange Märsche gedacht sind, kann eine falsche Schuhgröße schnell zu Verletzungen und damit verbundenen Ausfallzeiten führen. 

„Mit Footprint Technologies konnten wir die Dauer für Schuheinkleidungsprozess zusammen mit dem Bundeswehr Innovation Center um 60 Prozent reduzieren - eine deutliche Effizienzsteigerung“, erklärt Brendel. Künftig will das Unternehmen sich im Militärbereich noch breiter aufstellen und dafür mit weiteren NATO-Staaten kooperieren. Auch mit der US Army gibt es bereits Gespräche über eine geplante Zusammenarbeit.

Nachhaltigkeit zieht als Argument nicht mehr beim Schuhhändlern

Die ursprüngliche Motivation des Gründers, die Vermessungstechnologie für mehr Nachhaltigkeit einzusetzen, spielt hingegen heute als Verkaufsargument kaum noch eine Rolle. Vor einigen Jahren seien Händler noch selbst bemüht gewesen, Retouren zu reduzieren und somit CO2-Emissionen und Verpackungsmüll einzusparen. Aktuell gehe es potenziellen Kunden jedoch fast ausschließlich um Kosteneinsparungen und Profitabilität, so Brendel. Dies spiegelt auch einen allgemeinen Trend wider, in dem Verbraucher in Zeiten der Wirtschaftskrise eher günstig kaufen und weniger Wert auf Nachhaltigkeitsnachweise legen.

Footprint Technologies plant, den Umsatz mit seiner aktuellen Teamgröße weiter zu steigern und perspektivisch den Vertrieb und die Kundenbetreuung auszubauen. Zu den aktuellen Kunden zählen Meindl, Josef Seibel und Earthbound. Als nächstes möchte Brendel versuchen, weitere große Direct-to-Consumer-Shops wie Adidas oder Puma als Kunden zu gewinnen. „Wenn wir die beiden schon mal als Kunden hätten, wären das gute Argumente, um auch Multibrand-Anbieter wie Zalando zu überzeugen“, so Brendel.