Rogacki eröffnet Pop-up-Store

Daniel-Jan Girl zur Wiedereröffnung: „Wir wollen Rogacki nicht eins zu eins kopieren“

Ein Jahr lang war es still um Rogacki. Heute öffnete die Berliner Traditionsmarke wieder ihre Türen als Pop-Up-Store in der Markthalle Neun. Das Ziel: Eine fast 100 Jahre alte Geschichte neu zu erzählen, ohne das zu verlieren, was sie für viele Berlinerinnen und Berliner so besonders macht. Mit Inhaber Daniel-Jan Girl haben wir über die Wiedereröffnung und seine Pläne für das Unternehmen gesprochen.

Zu sehen ist ein Tablett auf grünem Hintergrund. Auf dem Tablett sind zahlreiche belegte Brötchen.

Die Feinkostinstitution Rogacki hat ein Jahr nach Schließung einen neuen Pop-up-Store eröffnet.

2025 hat das Stammhaus von Rogacki seine Tore geschlossen. Wie kam es nur ein Jahr später zur Wiedereröffnung?

Daniel-Jan Girl: Eigentlich ist es weniger eine klassische Wiedereröffnung als ein Neustart. Nach der Insolvenz des früheren Unternehmens stand offen, wie es mit Rogacki weitergeht. Wir haben die Markenrechte und die überlieferten Originalrezepte aus der Insolvenzmasse übernommen, weil wir nicht wollten, dass dieses Stück Berliner Esskultur einfach verschwindet. Einige von uns sind selbst mit Rogacki aufgewachsen und der Marke sehr verbunden. Seitdem bauen wir Rogacki Schritt für Schritt neu auf. Mit der Markthalle Neun bekommt Rogacki erstmals wieder einen eigenen Ort in Berlin.

Möchten Sie dieses Mal etwas anders machen?

Wir wollen nicht versuchen, das frühere Rogacki eins zu eins zu kopieren. Vieles, was Rogacki ausgemacht hat, möchten wir unbedingt bewahren: die Originalrezepte, die Klassiker, die unkomplizierte Atmosphäre, Essen im Stehen und natürlich die Nähe zu den Menschen. Gleichzeitig darf und muss sich eine fast 100 Jahre alte Marke auch weiterentwickeln. Deshalb verbinden wir Tradition mit neuen Produkten, neuen Orten und einer zeitgemäßen Kommunikation.

Was an Ihrer Arbeit macht am meisten Spaß?

Am schönsten ist tatsächlich die Reaktion der Menschen, die wir treffen und erreichen. Sei es auf der Straße vor dem ehemaligen Stammhaus, beim Dreh mit ROGACKI TV, per E-Mail oder in den Kommentaren auf Instagram. Viele erzählen uns sehr persönliche Geschichten: mit wem sie früher bei Rogacki waren, was sie dort immer gegessen haben oder an welche kleinen Rituale sie sich bis heute erinnern.

Genau diese Nähe macht die Arbeit für uns so besonders. Man merkt jeden Tag, dass Rogacki für viele Menschen eben nicht nur ein Feinkostgeschäft war, sondern ein Stück Berlin, mit dem ganz eigene Erinnerungen verbunden sind. Diese Geschichten mitzunehmen und daraus etwas Neues entstehen zu lassen, ohne den Charakter von Rogacki zu verlieren, macht uns sehr viel Freude.

Und gibt es auch Dinge, die Sie nerven?

Natürlich gibt es Momente, in denen wir uns wünschen, dass alles schneller geht. Gerade bei neuen Standorten hängen viele Dinge voneinander ab: Genehmigungen, Verträge, Planung, Finanzierung und ganz praktische Abläufe vor Ort. Vieles können wir deshalb nicht einfach von heute auf morgen umsetzen.

Gleichzeitig merken wir, wie groß die Erwartungen an Rogacki sind. Viele wünschen sich verständlicherweise, dass alles sofort wieder genauso ist wie früher. Aber unser Anspruch ist nicht, etwas zu überstürzen, sondern Rogacki Schritt für Schritt so zurückzubringen, dass wir langfristig erfolgreich sind.

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Welche Wünsche haben Sie für die Zukunft von Rogacki?

Unser Wunsch ist, dass Rogacki wieder zum Berliner Alltag gehört. Die Markthalle Neun ist dafür nur der Anfang. Auch nach Charlottenburg kehren wir zurück und können hoffentlich schon sehr bald mehr dazu erzählen. Unser großes Ziel bleibt ein neues Stammhaus in Charlottenburg zum 100-jährigen Jubiläum 2028. Für diesen Weg werden wir die Unterstützung aller brauchen.

Gibt es einen speziellen Wunsch an die Politik, den Sie gerne loswerden wollen?

Unsere Traditionen werden nur lebendig bleiben, wenn sich unsere Stadt wieder der Zukunft widmet. Wir brauchen jetzt den Aufbruch in eine spannende und inspirierende Stadt, die uns selbst  und die Welt begeistert. Dann schmeckt auch ganz Berlin wieder!

Zu sehen ist ein Mann im Anzug, der eine Urkunde hält. Es handelt sich um Rogacki-Inhaber Daniel-Jan Girl.

Rogacki-Inhaber Daniel-Jan Girl