IHK Berlin. Offizieller Unterstützer der Berliner Wirtschaft.

Nach einer aufmerksamkeitsstarken Teaserphase geht die Kampagne der IHK Berlin in die nächste Stufe. Mit „WTF is IHK?“ wurde bewusst Neugier geweckt und Gespräche angestoßen.

Jetzt löst die Kammer diese Frage auf – klar, sichtbar und mit Haltung. 

Die Unternehmer stehen stellvertretend für die Vielfalt der Berliner Wirtschaft. 

Durch ihre Perspektiven wird deutlich, was der Claim konkret bedeutet – und wie die IHK Berlin Unternehmen tatsächlich unterstützt. 

IHK Berlin. Offizieller Unterstützer der Berliner Wirtschaft.

Gastbeitrag

Warum die duale Ausbildung jetzt mutige Reformen braucht

Die duale Ausbildung ist das Fundament für eine nachhaltige Fachkräftesicherung. Doch dieses Fundament bröckelt. Die Realität sind veränderte Anforderungen an berufliche Kompetenzen junger Menschen einerseits, weniger geradlinige Lebensläufe andererseits. Was überhaupt nicht hilft: die Ausbildungsplatzabgabe - schreibt der IHK-Präsident.

Sebastian Stietzel
Zu sehen ist ein Mann im Anzug. Er steht im Atrium eines futuristischen Bauwerks. Es handelt sich um Sebastian Stietzel, Präsident der IHK Berlin.

Der IHK-Präsident fordert Mut und Innovation, um die Ausbildung zukunftsfest zu machen

Die Zahl der Jugendlichen, die sich nach der Schule für eine duale Ausbildung entscheiden, sinkt bundesweit. Rund 517.000 neue Auszubildende waren es 2005, im vergangenen Jahr nur noch rund 440.000. Ursachen sind vor allem der anhaltende Akademisierungstrend bei jungen Menschen – und in den Elternhäusern -, und die demographische Entwicklung. Gleichzeitig verliert der Arbeitsmarkt in den kommenden Jahren hunderttausende erfahrene Fachkräfte. Allein in Berlin scheiden bis zum Jahr 2035 mehr als eine halbe Million Menschen aus dem Berufsleben aus. 

Ausbildungsplatzabgabe: Statements der Berliner Wirtschaft im Video
Aufsteller zum Thema Ausbildungsplatzabgabe
Ja zur Ausbildung. Nein zur Abgabe! Ausbildungsplatzabgabe: Statements der Berliner Wirtschaft im Video
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Alexandra Sulzmaier
Sebastian Stietzel fordert Kurswechsel: Öffentliche Vergabe Berlin darf Investitionen nicht länger ausbremsen
 Sebastian Stietzel, Präsident der IHK Berlin
Gastbeitrag des IHK-Präsidenten Sebastian Stietzel fordert Kurswechsel: Öffentliche Vergabe Berlin darf Investitionen nicht länger ausbremsen
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Sebastian Stietzel

Mit dem technologischen Wandel und neuen Produktions- und Arbeitsprozessen allein werden wir diese Fachkräftelücke nicht schließen. Wir müssen also wieder mehr junge Menschen für eine duale Ausbildung begeistern. Denn auch das gehört zur Realität: Die Welt dreht sich schneller, Anforderungen an Kompetenzen ändern sich - das Ausbildungssystem ist dagegen im Wesentlichen gleichgeblieben. Ein Fels in der Brandung – aber in Teilen eben auch genau so unbeweglich. Was wir brauchen, ist ein Ausbildungssystem, das zur Lebensrealität junger Menschen und zu den Anforderungen der Unternehmen passt. Wir brauchen innovative Impulse und mutige Reformen. 

Was sich ändern muss

Die duale Ausbildung muss flexibler werden. Modulare Ausbildungsmodelle mit Zwischenabschlüssen und flexiblen Einstiegs-, Pausierungs- und Wechselmöglichkeiten können dazu beitragen, unterschiedliche Lebenswege besser abzubilden, Ausbildungsabbrüche zu reduzieren und Leistungsstarke gezielt zu fördern. Lebensläufe sind heute weniger geradlinig. Unser Ausbildungssystem sollte das auch widerspiegeln.

Festival der Berliner Wirtschaft

Fachkräfte sichern – national wie international, das ist auch das Hauptthema des diesjährigen Festivals der Berliner Wirtschaft. Am 24. Juni kommen Unternehmerinnen und Unternehmer, internationale Expertinnen und Expertem sowie Entscheiderinnen und Entscheider aus Politik und Wirtschaft zusammen. Erleben Sie innovative Strategien, starke Impulse und echte Erfolgsgeschichten aus Unternehmen, die den Wandel bereits aktiv gestalten!

Wir brauchen mehr betriebliche Praxis in den Berufsschulen. Dafür müssen Berufsschule und Ausbildungsbetrieb enger und systematischer zusammenarbeiten. Bislang hängt es oft vom Engagement einzelner Schulen ab, ob das gelingt. Berufsschulen haben aber die Aufgabe, Jugendliche für die Anforderungen der Arbeitswelt fit zu machen. Wir benötigen deshalb verbindliche, gesetzlich fixierte Rahmenbedingungen für die Verzahnung beider Lernorte.

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Und schließlich müssen berufliche und akademische Bildung endlich auf Augenhöhe gebracht werden. Wer eine Ausbildung absolviert, erwirbt Kompetenzen auf hohem Niveau. Trotzdem werden in der Praxis akademische und berufliche Abschlüsse nicht gleichbehandelt. Das betrifft etwa den Zugang zu Hochschulen, tarifliche Eingruppierungen oder Karrierechancen im öffentlichen Dienst. Die Einführung eines bundeseinheitlichen Anerkennungssystems von Kompetenzen, verbunden mit der Vergabe von Leistungspunkten in der Ausbildung, würde hier Abhilfe schaffen und echte Gleichwertigkeit fördern. 

Berufliche Bildung gehört ins Zentrum der politischen Debatte

Berlin wählt im Herbst ein neues Abgeordnetenhaus. Den Kandidatinnen und Kandidaten möchte ich mit auf den Weg geben: berufliche Bildung ist kein Nischenthema, sondern wichtiger Pfeiler für den Wirtschaftsstandort Berlin. Ich erwarte deshalb von allen Parteien konkrete Antworten dazu, wie sie die duale Ausbildung weiterentwickeln, Flexibilität und Gleichwertigkeit fördern wollen ... und welche Impulse dafür aus Berlin auch in Richtung Bundesgesetzgeber gehen sollen. 

Pilotprojekte wären beispielsweise ein guter Hebel, um in Berlin modulare Ausbildungsmodelle zu erproben und bei Erfolg bundesweit auszurollen. Als Innovationsstandort und Weltmetropole kann Berlin so zum Reallabor für eine moderne berufliche Bildung werden.

Die gerade beschlossene Ausbildungsplatzabgabe ist dagegen eine Modernisierungsbremse. Denn Bürokratieaufbau und die Belastung von Unternehmen sind die falsche Antwort auf die strukturellen Probleme am Ausbildungsmarkt. 

Wir brauchen stattdessen echte Reformen. Dafür müssen Bund und Länder bereit sein, neue Ausbildungsmodelle zuzulassen und bestehende Strukturen weiterzuentwickeln. Das erfordert Mut, Experimentierfreude und Vertrauen in die Praxis. Aber der Einsatz lohnt sich, für die jungen Menschen, die Unternehmen und die Zukunftsfähigkeit unserer Stadt.