Köpfe der Berliner Wirtschaft

Vorgestellt: Thomas Stephan, ams Umweltschutz GmbH

Thomas Stephan, Geschäftsführer des Reinickendorfer Großhandelsunternehmens ams Umweltschutz, spricht im Interview über Freud und Leid jahrzehntelanger Selbstständigkeit – und über den Heimatmarkt Berlin: In seinen Augen versagt die Stadt zunehmend.

Von: Sabine Hölper
Auf dem Bild ist ein Mann mit Glatze und Brille zu sehen, der in die Kamera lächelt.

Thomas Stephan, Geschäftsführer der ams Umweltschutz GmbH, wünscht sich weniger Regulierungen und Bürokratie.

Herr Stephan, was ist Gegenstand Ihres Unternehmens und was zeichnet es aus?

Die ams Umweltschutz GmbH mit rund 15 Mitarbeitern ist ein etabliertes Großhandelsunternehmen. Wir beliefern Kunden aus der Schadstoffsanierung, dem Abbruch, der Bauwirtschaft und dem Handwerk mit mehr als 1.000 hochwertigen Spezialprodukten von Folien und Säcken über Schutzkleidung bis hin zu Schleusensystemen. Uns zeichnen vor allem der sehr große Lagerbestand sowie die exzellenten Bezugsquellen aus Ländern in der ganzen Welt aus.

 

Sie haben das Unternehmen vom Vater übernommen, richtig?

Das stimmt formal; nach dem Tod meines Vaters 1989 habe ich das Unternehmen übernommen. Aber das war damals noch anders aufgestellt. Ich habe es komplett umgekrempelt und somit zu dem gemacht, was es heute ist.

Auf dem Bild ist eine Lagerhalle zu sehen, in der verschiedene Pakete liegen. Viele sind in weißem Plastik verpackt.

Die ams Umweltschutz GmbH liefert über 1.000 Spezialprodukte an Unternehmen der Bau- und Handwerksbranche.

Haben Sie je bereut, die Nachfolge anzutreten?

Nein, ich bin gerne Unternehmer, ich mag die Unabhängigkeit, die Möglichkeit, Dinge selbst gestalten zu können. Wenn Sie mich allerdings fragen, ob ich meinen beiden Kindern rate, eines nicht zu fernen Tages in meine Fußstapfen zu treten, schließlich werde ich bald 60, dann sage ich: eher nicht.

 

Warum?

Es macht nicht mehr so viel Spaß wie früher. Die Geschäfte laufen sehr gut, es gibt keinen Grund zur Klage. Aber: Alles ist überreguliert. Zwei Mitarbeiter sind mittlerweile damit beschäftigt, der Bürokratie Herr zu werden. Ein Beispiel ist die PPWR, eine Art europäische Verpackungsverordnung, die Anforderungen stellt, die ganz überwiegend nur beschriebenes Papier erzeugen.

 

Das klingt so, als würden Sie gerne den ein oder anderen Wunsch an die Politik adressieren.

Ja, und dazu brauche ich nicht mal in Richtung EU blicken, sondern in die eigene Stadt, unseren Heimatmarkt. Wie soll ich Produkte ausliefern, wenn zwei von drei wichtigen Straßen gesperrt sind? Verkehr, Bildung, Wissenschaft, Justiz: Überall sehe ich gescheiterte Strukturen.