IHK Berlin. Offizieller Unterstützer der Berliner Wirtschaft.

Nach einer aufmerksamkeitsstarken Teaserphase geht die Kampagne der IHK Berlin in die nächste Stufe. Mit „WTF is IHK?“ wurde bewusst Neugier geweckt und Gespräche angestoßen.

Jetzt löst die Kammer diese Frage auf – klar, sichtbar und mit Haltung. 

Die Unternehmer stehen stellvertretend für die Vielfalt der Berliner Wirtschaft. 

Durch ihre Perspektiven wird deutlich, was der Claim konkret bedeutet – und wie die IHK Berlin Unternehmen tatsächlich unterstützt. 

IHK Berlin. Offizieller Unterstützer der Berliner Wirtschaft.

Unternehmensnachfolge

Management-Buy-out: Der Weg in die unternehmerische Freiheit

Ein Management-Buy-out kann den Generationswechsel sichern oder Unternehmen den Weg in die Eigenständigkeit eröffnen. Wie das gelingen kann, zeigt der Berliner Unternehmensberatung hy Consulting Group, die sich Anfang des Jahres von ihrer Konzernmutter Axel Springer gelöst hat.

Von: Sirka Sander
Blick in einen Besprechungsraum am Firmensitz von hy Consulting in Berlin.

Die hy Consulting Group hat sich Anfang des Jahres von Axel Springer gelöst.

Die Berliner Unternehmensberatung hy Consulting Group wurde 2017 als Beratungstochter von Axel Springer gegründet. Damals passte die Partnerschaft gut: Axel Springer trieb die eigene digitale Transformation voran, hy Consulting unterstützte Unternehmen dabei, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und den digitalen Wandel zu gestalten. Mit den Jahren wuchs die heute rund 60-köpfige Beratungsfirma über ihre ursprüngliche Rolle hinaus. Heute zählen unter anderem Pricing und Sales, Strategy und Innovation sowie Digital Assets und Tokenization zu ihren Schwerpunkten. 

„Wir haben uns in den vergangenen neun Jahren selbst verändert. Deshalb mussten wir uns irgendwann die Frage stellen: Passt ein Medienverlag überhaupt noch als Eigentümer zu uns?“, sagt Dr. Sebastian Voigt, der hy Consulting gemeinsam mit Co-CEO Sebastian Herzog führt.

Von der Konzerntochter zur partnergeführten Unternehmensberatung

Auch zu den Wachstumszielen der Beratungsfirma passte die Eigentümerstruktur nicht mehr. „Wir wollten eine skalierbare, partnergeführte Unternehmensberatung sein“, so Voigt. In Beratungsunternehmen übernehmen erfahrene Mitarbeitende häufig schrittweise mehr Verantwortung – vom Consultant bis zum Partner und damit zum Mitunternehmer. Wachstum bedeutet deshalb nicht nur mehr Kunden, sondern auch, talentierte Mitarbeitende langfristig zu binden. Genau dafür wollte hy Consulting die passenden Strukturen schaffen. 

Die Beratungsfirma beteiligt heute nicht nur die sechs Partner am Unternehmen, sondern insgesamt 45 Mitarbeitende mit kleineren Anteilen. So wird aus einem Arbeitsplatz langfristig eine Beteiligung am Unternehmen.

Die sechs Partner der Beratungsfirma hy Consulting Group aus Berlin.

Die Partner der hy Consultign Group (v.l.n.r.): Steffen Vollmerding (Partner), Dr. Amadeus Petzke (Partner), Sebastian Herzog (Partner & Co-CEO), Dr. Sebastian Voigt (Partner & Co-CEO), Anne Schlösser (Partnerin), Frank Gehrig (Partner).

Was ist ein Managament-Buy-Out?

  • Ein Management-Buy-Out ist die Übernahme eines Unternehmens durch das bisherige Führungsteam.
  • Das Management erwirbt dabei die Mehrheit oder wesentliche Unternehmensanteile.
  • Finanziert wird der Kauf meist durch Eigenkapital, Bankdarlehen und externe Investoren.
  • Vorteile sind Kontinuität, Vertrauen und ein vergleichsweise reibungsloser Übergang.
  • Herausforderungen sind Finanzierung, wirtschaftliches Risiko und der Wechsel in die unternehmerische Verantwortung.

Der Management-Buy-out als gemeinsamer Prozess

Die Beweggründe für den MBO waren klar, nun musste der Eigentümerwechsel gestaltet werden. Rund drei Jahre dauerte es von den ersten Gesprächen bis zum Notartermin Ende März 2026, an dem der MBO besiegelt wurde. Für Voigt war dabei vor allem eines entscheidend: partnerschaftlich miteinander zu arbeiten, nicht gegeneinander

„Es war ein sehr guter und sehr lehrreicher Prozess. Keiner wollte die andere Seite über den Tisch ziehen. Am Ende sollten beide das Gefühl haben: Das war die richtige Entscheidung.“ Der Eigentümerwechsel veränderte nicht die Zusammenarbeit, sondern lediglich die Rollen. Axel Springer bleibt ein wichtiger Partner von hy Consulting. „Es war ein sehr familiäres Auseinandergehen. Wir arbeiten auch weiterhin zusammen und unterstützen uns gegenseitig.“

Als Unternehmer steckt man noch mehr Leidenschaft hinein als ein Konzernangestellter – mit allen Risiken und mit allen Chancen.“
Dr. Sebastian Voigt Co-CEO hy Consulting Group

MBO-Finanzierung: Kreativität statt Standardlösung

Diese partnerschaftliche Haltung zog sich auch durch die Verhandlungen über die Finanzierung. Ziel war es, eine Lösung zu finden, von der beide Seiten profitieren. „Wenn man so einen Kaufpreis verhandelt – selbst wenn man ihn auf mehrere Schultern verteilt –, bekommt man ihn vermutlich nicht einfach über die eigene Sparkasse finanziert“, sagt Voigt. 

Gemeinsam entwickelten Käufer und Verkäufer deshalb ein Modell, bei dem ein Teil des Kaufpreises direkt bezahlt wurde, ein weiterer über künftige Beratungsleistungenfür Axel Springer und ein weiterer über spätere Dividenden finanziert wird. So entstand eine Win-win-Situation, in der der Erfolg beider Unternehmen auch wirtschaftlich miteinander verknüpft bleibt. 

„Diese Kreativität in der Lösungsfindung hat uns sehr geholfen. Man muss nicht alles sofort bar bezahlen – entscheidend ist, gemeinsam eine Lösung zu finden“, so Voigt.

Nach dem Management-Buy-out: Erst Kontinuität, dann Wachstum

Für Kundinnen und Kunden sowie die Mitarbeitenden sollte sich durch den Eigentümerwechsel zunächst möglichst wenig verändern. „Nach dem MBO haben wir drei Monate erst einmal genau das Gleiche gemacht wie vorher – außer das Klingelschild zu ändern“, erinnert sich Voigt. Das Führungsteam setzte dabei auf Kontinuität und Kommunikation. 

„Für unsere Kunden- und Partnerunternehmen war der MBO gar nicht so wichtig. Viel wichtiger war, unseren Mitarbeitenden zu vermitteln, warum wir diesen Schritt gehen und welche Möglichkeiten sich dadurch für das Unternehmen und jeden Einzelnen eröffnen.“

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Fünf Erfolgsfaktoren für einen Management-Buy-out

Ein MBO bietet Unternehmen große Chancen, bringt aber auch Risiken mit sich. Aus den Erfahrungen von hy Consulting lassen sich fünf Empfehlungen für Unternehmen ableiten, die einen ähnlichen Schritt planen.

  1. Frühzeitig ins Gespräch gehen. Ein MBO braucht Zeit. Wer früh plant, schafft Vertrauen und Handlungsspielraum.
  2. Partnerschaftlich verhandeln. Gemeinsame Lösungen führen oft schneller zum Ziel als harte Fronten.
  3. Win-win-Lösungen entwickeln. Entscheidend ist eine Einigung, von der beide Seiten profitieren.
  4. Finanzierung flexibel gestalten. Neben klassischen Krediten können individuelle Modelle den Eigentümerwechsel erleichtern.
  5. Mitarbeitende mitnehmen. Offene Kommunikation schafft Vertrauen und macht die Chancen des Eigentümerwechsels greifbar.

Für Voigt hat sich der Schritt gelohnt. Die Chancen der neuen Eigentümerstruktur überwiegen für ihn die Risiken. „Als Unternehmer steckt man noch mehr Leidenschaft hinein als ein Konzernangestellter – mit allen Risiken und mit allen Chancen“, sagt er. Heute trägt das Management nicht nur die Verantwortung für das Unternehmen, sondern gestaltet auch dessen Zukunft selbst.