Fachkräfte & New Work

Workation statt Büro: Wie flexible Arbeitsmodelle Fachkräfte binden

Die Softwareagentur Snazz setzt auf maximale Flexibilität und New-Work-Ansätze, um Fachkräfte zu gewinnen und langfristig zu binden. Team-Events und Workation-Konzepte ersetzen bei diesem Ansatz den klassischen Büroalltag.

Von: Eli Hamacher
Zu sehen ist ein junger Mann mit Glatze, welcher einen schwarzen Kapuzenpollover trägt. Er verschränkt die Arme vor seiner Brust und schaut freundlich in die Kamera.

Workation, Remote Work und Co-Working-Living: Flexible Arbeitsmodelle werden laut Hannes Trettin zu einem entscheidenden Faktor im Wettbewerb um Fachkräfte.

  • Flexible Arbeitsmodelle, Remote Work und Workation gewinnen im Wettbewerb um Fachkräfte zunehmend an Bedeutung
  • Berliner Softwareagentur Snazz setzt gezielt auf ortsunabhängiges Arbeiten und Co-Working-Living-Konzepte, um Mitarbeitende zu gewinnen und langfristig zu binden
  • Statt klassischem Büroalltag stehen Flexibilität, Vernetzung und neue Arbeitsformen im Fokus.

Flexibles Arbeiten als Antwort auf den Fachkräftemangel

Mit Ortswechseln kennt sich Hannes Trettin bestens aus. „Ich bin in den vergangenen Jahren für den Job elfmal umgezogen, unter anderem nach Stuttgart, in die USA und sogar nach China“, sagt der Geschäftsführer der Berliner Softwareagentur Snazz UG, die kleine und mittelständische Unternehmen bei der Digitalisierung begleitet. Das wäre aber gar nicht notwendig gewesen, um die jeweilige Aufgabe zu erfüllen.

Als Arbeitgeber dreht der 35-Jährige das Prinzip um. „Wir möchten, dass die Leute da arbeiten, wo sie leben wollen.“ Während die wirtschaftliche Lage in Deutschland angespannt ist und Unternehmen zunehmend Mitarbeitende entlassen, wirkt Trettins Ansatz fast anachronistisch – insbesondere im Kontext des Fachkräftemangels.

Doch der Wirtschaftsingenieur ist überzeugt: „Wir binden nicht unsere Mitarbeiter und finden erst recht nicht die besten Fachkräfte, indem wir sie aus dem Homeoffice ins Büro zurückholen.“ Stattdessen setzt das Unternehmen konsequent auf Remote Work und mobiles Arbeiten. Mit seiner zweiten Firma, der Project Bay, betreibt Trettin Workation-Spaces, etwa auf Rügen, wo der Unternehmer aufwuchs, auf Sylt, in Dresden sowie in Spanien, Italien, Albanien oder der Slowakei.

Seine Idee: Die eigenen Beschäftigten, aber auch Mitarbeitende anderer Unternehmen können an diesen Standorten nicht nur arbeiten, sondern auch leben – für einige Tage, mehrere Wochen oder länger. Das Konzept des Arbeitens von überall (Workation) wird damit gezielt gefördert

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Wir finden nicht die besten Fachkräfte, indem wir sie aus dem Homeoffice ins Büro zurückholen.“
Hannes Trettin Geschäftsführer Snazz UG

Co-Working-Living: Neue Nutzungskonzepte für Hotels

„Die Idee entstand, weil wir als Softwarefirma nicht mit den Gehältern der großen Wettbewerber mithalten können. Wir bieten deshalb flexible Arbeitsmodelle an und setzen daneben auf ,gemeinsame Team-Events Workshops und Retreats, um die Beschäftigten zu binden“, sagt der Geschäftsführer, für den die „Zeit der Obstkörbe und Kicker“ definitiv vorbei ist.

Um die Zahl der Co-Working-Living-Standorte von aktuell 20 auf 160 zu erhöhen, arbeitet Project Bay mit Hotels zusammen, die die notwendige Infrastruktur bereits bieten und so gleichzeitig ihre Auslastung steigern können – eine klassische Win-win-Situation. Gleichzeitig stärkt das Modell die Arbeitgeberattraktivität im Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte.

Trettin, der in seinem Firmenverbund derzeit rund 50 Mitarbeitende beschäftigt und bis Jahresende etwa 90 anstrebt, setzt dabei gezielt auf den Wunsch nach Vernetzung. „Wir haben viele Kollegen, für die der Aufbau neuer Netzwerke entscheidend ist.“ Über eine App soll künftig sichtbar werden, an welchem Standort Co-Worker mit welchen Schwerpunkten arbeiten. Gleichzeitig bleibt es für Beschäftigte weiterhin möglich, ausschließlich im Homeoffice zu arbeiten.