Fachkräfte gewinnen

Azubis früh gewinnen: Wie Profine Berliner Schüler direkt an die Ausbildung heranführt

Die Profine GmbH stellt Kunststoff-Profile für Fenster her. Seinen Fachkräftenachwuchs bindet das Unternehmen frühzeitig eng an sich.

Von: Eli Hamacher
Zu sehen sind ein Mann und eine Frau, die aus je einem Fenster eines Gebäudes freundlich in die Kamera schauen.

Marcel Schneider (Leiter Ausbildung) und Stefanie Werner (Ausbilderin) informieren Schülerinnen und Schüler über Ausbildungswege und den Arbeitsalltag bei Profine.

Wie der Funke bei jungen Menschen überspringt, das wissen Marcel Schneider und Stefanie Werner sehr gut. Bei Besuchen von Schulen geben der Leiter Ausbildung und die Ausbilderin der Berliner Profine GmbH Einblicke in die Ausbildung und zeigen, wie der Arbeitsalltag beim Hersteller von Kunststoff-Profilen für Fenster und Haustüren aussieht. „Bereits ab der siebten Klasse positionieren wir uns als Arbeitgeber bei den Schülern und bieten Praktika im Unternehmen an, sei es für einen Tag oder auch länger“, sagt Werner. 

Bewerbungsgespräche direkt in der Schule

Nach dem Halbjahreszeugnis der zehnten Klasse können Schüler mit ihnen konkret über Ausbildungsberufe sprechen, die sie interessieren, und sogar in der Schule Bewerbungsgespräche führen. „Das senkt die Hemmschwelle enorm, weil viele in dem Alter vor Vorstellungsgesprächen in einer Firma noch Angst haben oder den Aufwand scheuen“, berichtet die Ausbilderin. Gleichzeitig nutze man die Chance, um frühzeitig auf Einstellungshürden wie unentschuldigte Fehltage, Fehlstunden und Verspätungen hinzuweisen. Die innovative Idee kommt bei den Schülern gut an. Von 17 Stellen, die Profine im vergangenen Jahr mit Azubis besetzen konnte, wurden sieben an den Schulen direkt rekrutiert. Von den rund 450 Mitarbeitenden in Berlin sind zehn Prozent in der Ausbildung – etwa zu Kunststofftechnologen, Elektronikern für Betriebstechnik, Mechatronikern, Fachkräften für Lagerlogistik, Industriekaufleuten, Werkzeugmechanikern und schließlich auch duale Studenten.

Bereits ab der siebten Klasse positionieren wir uns als Arbeitgeber bei Schülern.“
Stefanie Werner Ausbilderin, Profine GmbH

Probezeit als Testlauf für beide Seiten

Sehr genau schauen sich die Personaler die angehenden Fachkräfte in der viermonatigen Probezeit an. „Wir sehen das als Testlauf für beide Seiten“, unterstreicht Schneider. Auch die Azubis können feststellen, dass Unternehmen oder Lehrberuf doch nicht gut zu ihnen passen. Um die hohe Übernahmequote von 80 Prozent stabil zu halten, wird nicht nur sorgfältig ausgewählt, sondern auch die Ausbildung eng begleitet. So treffen sich alle Auszubildenden des ersten Lehrjahres vom Hauptsitz in Pirmasens und vom Berliner Produktionsstandort auf halber Strecke, um eine Woche lang im Team-Camp Präsentationstrainings zu üben oder auch durch Teamspiele enger zusammenzuwachsen. Gleichzeitig lernen sie den Eigentümer kennen, der viel Wert auf den Austausch mit dem Nachwuchs legt. „Wir möchten eine enge Bindung an das Unternehmen aufbauen“, so Werner. Zum Abschluss des Camps setzen die Azubis gemeinsam ein nachhaltiges Projekt um. Einmal im Monat treffen sich zudem alle Azubis, um aktuelle Themen und Probleme zu besprechen. Viel Zeit investiert Profine schließlich in die Unterstützung bei der Vorbereitung zur Prüfung. Dazu gehören zahlreiche Inhouse-Seminare und Kooperationen mit anderen Firmen.

Azubia-Area zum Lernen und Kickern

Wie alle Mitarbeitenden profitieren die Auszubildenden von umfangreichen Benefits. „Besonders beliebt sind die Zuschüsse zum BVG-Ticket und zu den Mahlzeiten in unserer Kantine“, so Schneider. Gut angenommen wird auch die Azubi-Area, ein Raum mit Lernbereichen, Arbeitsplätzen und Kicker, der bewusst eine jugendliche Atmosphäre schafft. Hier finden interne Azubikonferenzen, Workshops und Seminare statt. Zudem empfängt Profine hier Schulklassen. Last but not least betreibt Profine eine Ausbildungswerkstatt, in der die Azubis aus den gewerblich-technischen Berufen eine Grundausbildung im Schleifen, Bohren et cetera erhalten. 

Besonders beliebt sind die Zuschüsse zum BVG-Ticket und zu den Mahlzeiten in unserer Kantine.“
Marcel Schneider Leiter Ausbildung, Profine GmbH

Mobiles Arbeiten erst nach der Ausbildung

Nur bei einem Thema muss Profine passen. Mobiles Arbeiten bietet das Industrieunternehmen den Schulabgängern nicht an. Das Lernen zu Hause sei weniger effektiv, nur im Unternehmen könne man die Azubis richtig anleiten. „Außerdem geht die Bindung zum Unternehmen verloren“, sagt Stefanie Werner. Nach Ende der Ausbildung sei mobiles Arbeiten jedoch möglich, sofern es die Aufgabe zulässt.