Bauen in Berlin

Zukunftsinvestition oder Kostentreiber: Worauf es bei der TGA-Planung ankommt

Nachhaltig, wirtschaftlich und smart: Die Anforderungen an Bauprojekte in Berlin steigen. Doch je komplexer die Technik, desto größer das Risiko für Fehlkalkulationen und steigende Kosten. Wie sich teure Überraschungen mit frühzeitiger TGA-Planung vermeiden lassen.

Von: Laura Dörling
Panorama von Berlin im Sommer.

Technische Gebäudeausrüstung wird zum Schlüsselfaktor für Berliner Neubauprojekte.

Heizung, Lüftung, Elektrik: Unter dem Begriff Technische Gebäudeausrüstung, kurz TGA, verbirgt sich ein erheblicher Teil dessen, was einen Neubau überhaupt nutzbar macht. Nach Angaben von gpc Berlin, Spezialist für technisches Bauprojektcontrolling, kann TGA heute mehr als ein Drittel des gesamten Bauvolumens ausmachen. Das war nicht immer so.

Neubauten: Technische Gebäudeausrüstung wird zum Schlüsselfaktor

„Diese Entwicklung hat mehrere Ursachen“, weiß Maik Pister, Geschäftsführer gpc Berlin. „Zum einen steigen die Anforderungen an Energieeffizienz und Nachhaltigkeit. Gleichzeitig werden Gebäude zunehmend mit Gebäudeautomation, intelligenter Steuerung und digitalen Systemen ausgestattet.“ Die Technik wird leistungsfähiger, ihre Planung anspruchsvoller – und teurer?

Maik Pister, der Geschäftsführer von gpc Berlin.

Maik Pister, geschäftsführender Gesellschafter bei gpc Berlin und TGA-Experte, beobachtet einen Wandel in Bezug auf die Anforderungen an einen Neubau.

TGA-Konzept: Hohe Investitionen können sich langfristig auszahlen

Wärmepumpen, Smart-Building-Lösungen, Photovoltaik oder Ladesäulen für E-Autos haben ihren Preis. Insbesondere neue Technologien sind zudem in ihrer langfristigen Wartung und Entwicklung schlechter kalkulierbar.

Doch aus Sicht der Experten sollte man das Investment nicht pauschal als Zusatzkosten betrachten.

„Viele dieser Technologien können bei einer sinnvollen Planung einen konkreten wirtschaftlichen Nutzen erzeugen,“ sagt Carsten Vetters, Co-Geschäftsführer bei gpc. Laufende Betriebskosten können beispielsweise durch den gezielten Einsatz regenerativer Energien langfristig reduziert werden.

„Der wirtschaftliche Nutzen entsteht häufig gerade durch das Zusammenspiel verschiedener Technologien. Nicht durch die isolierte Betrachtung einzelner Komponenten.“
Carsten Vetters Geschäftsführer gpc Berlin

Und: Zum Kostenrisiko wird die Technik häufig nicht deshalb, weil einzelne Anlagen besonders teuer sind. Probleme entstünden vor allem dann, wenn die TGA-Planung zu spät in das Gesamtprojekt einbezogen werde.

Solarpflicht in Berlin

Seit 2023 gilt in Berlin die Solarpflicht. Demnach müssen auf den Dächern oder anderen Gebäudeaußenflächen von Neubauten Photovoltaik- oder Solarthermie-Anlagen installiert und betrieben werden.

TGA im Neubau: Typische Fehler und wie sie sich vermeiden lassen

Architektur und Gebäudetechnik sind eng miteinander verknüpft. Dennoch wird die TGA häufig unterschätzt. Stehen Grundrisse, Schächte oder Deckenhöhen bereits fest, können spätere Änderungen aufwendig werden – ein häufiges Problem, wie gpc aus Erfahrung bestätigt. Typische Fehler seien:

  • fehlende oder zu klein dimensionierte Technikflächen
  • eine unzureichende Leitungs- und Schachtplanung
  • fehlende Koordination zwischen den Gewerken
  • ein nicht ausreichend abgestimmter Brandschutz

„Die Konsequenzen reichen von zusätzlichen Kosten über Terminverzögerungen bis hin zu Qualitätsverlusten,“ berichtet Maik Pister. Für nachträgliche Brandschutzanpassungen könnten beispielsweise Kosten von mehr als 100.000 Euro anfallen. 

Experten-Tipps: Nicht alles, was möglich ist, ist sinnvoll

Die Rechnung läuft auch nach erfolgreicher Fertigstellung eines Bauprojekts weiter. Eine Anlage, die in der Anschaffung günstig ist, kann über viele Jahre hohe Energie-, Wartungs- oder Reparaturkosten verursachen. Gerade beim Neubau in Berlin lohnt sich daher der Blick über die reine Investitionssumme hinaus.

„Bei Gebäudeautomation, Energieeffizienz, Wartungsfreundlichkeit und der Qualität zentraler technischer Anlagen sollte nicht vorschnell gespart werden. Gleiches gilt für Zukunftsfähigkeit und Erweiterbarkeit,“ betont Carsten Vetters. „Die wirtschaftlichste Lösung ist nicht zwangsläufig die günstigste Lösung bei der Vergabe.“

Carsten Vetters von gpc Berlin.

Carsten Vetters, geschäftsführender Gesellschafter bei gpc Berlin, empfiehlt, bei TGA-Investitionen nicht rein nach dem günstigsten Anschaffungspreis zu entscheiden.

Hinzu kommt: Nicht jede technisch mögliche Lösung muss auch wirtschaftlich sinnvoll sein. Mehr Technik bedeutet schließlich auch mehr Komponenten, die geplant, gewartet und irgendwann ersetzt werden müssen. Vetters und Pister geben Tipps, wie sich unnötige Kosten in der Bauplanung vermeiden lassen:

  • ganzheitliche Lebenszyklusbetrachtung
  • bedarfsorientierte Planung
  • Berücksichtigung standardisierter Komponenten 
  • Investition in optimierte Anlagenkonzepte

Einfacher bauen: Detaillierte Planung macht den Unterschied

Fakt ist: Die Berliner Neubau-Anforderungen an Energieeffizienz, Klimaschutz und digitale Gebäudesteuerung steigen. Gleichzeitig stehen Bauprojekte unter Termin- und Kostendruck. Die entscheidende Frage lautet: Welche Technik wird tatsächlich benötigt – und wie kann sie wirtschaftlich geplant und betrieben werden?

Eine frühzeitige und ganzheitliche TGA-Planung ist hier essenziell. Fehler, die auf dem Papier erkannt werden, lassen sich deutlich leichter korrigieren als solche, die erst auf der Baustelle auffallen. Ob die TGA am Ende zur Zukunftsinvestition oder zum Kostentreiber wird, entscheidet sich damit oft lange bevor die erste Leitung verlegt wird.