Digitales Bezahlen

Kartenzahlung: Das Ende von „Cash only“ für Berliner Unternehmen

Mehr Flexibilität beim Bezahlen: Bundesfinanzminister Lars Klingbeil hat eine Pflicht zur Bereitstellung digitaler Zahlmethoden angekündigt. Was das vor allem für Berliner Kleinbetriebe bedeutet – und was der Berliner Payment-Anbieter SumUp empfiehlt. Chancen und Herausforderungen.

Von: Laura Dörling
Bezahlung per SumUp Kartenlesegerät

Kartenzahlung, Handyzahlung, Paypal oder Klarna – zukünftig sollen Unternehmen neben Bargeld auch digitale Zahlungsmöglichkeiten anbieten.

Ein Jubi? 3,50 Euro. Mit Karte? In vielen Kiezen längst Standard. Doch gibt es auch zahlreiche Berliner Kneipen, die bis heute an „Cash only“ festhalten. Das dürfte sich bald ändern. CDU und SPD im Bund wollen jetzt ein Vorhaben des Koalitionsvertrags umsetzen: Die Pflicht zur digitalen Zahlmöglichkeit. 

Ein Vorschlag vom Finanzministerium wird aktuell geprüft, bevor dann über einen Gesetzesentwurf abgestimmt wird. Berliner „Cash only“-Betriebe können sich schon jetzt auf die Umstellung 2027 vorbereiten. Sie betrifft große Ketten ebenso wie kleine Kiez-Kneipen, Cafés und Spätis. 

Barzahlung in Berlin: Unternehmen verzeichnen Wandel

Eine Studie der Commerzbank AG aus 2025 zeigt: Auch kleine Berliner Betriebe bieten zunehmend digitale Zahlarten an. Die Hälfte der befragten Hauptstadt-Unternehmen nimmt einen Rückgang der Barzahlung wahr. Ein Drittel akzeptierte bereits 2025 Kartenzahlung. Jedes vierte zudem Mobile- und Online-Payment via Paypal, Apple Pay oder Klarna.

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Die Akzeptanz digitaler Zahlungen ist dennoch nicht überall selbstverständlich, weiß Marc-Alexander Christ, Mitgründer des Berliner Fintechs SumUp. Das gilt für Unternehmen genauso wie für Kundinnen und Kunden: Trotz wahrgenommenem Wandel halten laut einer kürzlich veröffentlichten Studie der Bundesbank immer noch 80 Prozent der Befragten an der Bargeld-Option fest.

„Für Verbraucherinnen und Verbraucher sollte es selbstverständlich sein, beim Bezahlen zwischen Bargeld und digitalen Optionen wählen zu können.“
Marc-Alexander Christ Mitgründer von SumUp
Marc-Alexander Christ, Mitgründer des Kartenlesegeräte Anbieters SumUp.

Als Mitgründer von SumUp, einem Kartenlesegeräte Anbieter, befürwortet Marc-Alexander Christ das Vorhaben des Finanzministeriums.

Kartenzahlung als Pflicht? Was Berliner Unternehmen jetzt wissen müssen

Wird die Barzahlung abgeschafft? Was ist mit Beträgen unter 5 Euro? Geht statt Kreditkartenzahlung auch Paypal? 3 Take-aways für Berliner Betriebe (Stand: 09/2026):

  1. Die Pflicht bedeutet kein Cash ODER Card, sondern ein Cash UND Card. Scheine und Münzen sind in Deutschland gesetzliches Zahlungsmittel und werden nicht abgeschafft. 
  2. Digitale Zahlungsmöglichkeit bedeutet nicht nur Bezahlen mit EC-Karte. Dazu zählen auch Zahlungen per Kreditkarte, Apple Pay, Paypal, Klarna, Sofortüberweisung oder SEPA-Lastschrift. Unternehmen müssen offenbar EINE digitale Zahlart anbieten.
  3. Aktuell soll die Pflicht auch bei Kleinstbeträgen greifen. Mindestbeträge für Kartenzahlung wären demnach unzulässig. Unternehmen dürfen Kundinnen und Kunden keine Zusatzgebühren abrechnen.

Wie der konkrete Gesetzesentwurf lauten wird, bleibt abzuwarten. „Wichtig ist, dass eine solche Regelung praxistauglich und unternehmerfreundlich ausgestaltet wird. Sie sollte technologieoffen sein und nicht vorschreiben, welches konkrete Verfahren ein Händler einsetzen muss,“ betont Marc-Alexander Christ.

SumUp: Kartenlesegerät made in Berlin

SumUp wurde 2012 von einem fünfköpfigen Team aus London und Berlin gegründet – darunter Marc-Alexander Christ. Heute verzeichnet das Fintech-Unternehmen rund 3.000 Angestellte an 26 Standorten. Es gilt als milliardenschwer und ist somit eines der wertvollsten Fintechs aus Deutschland. SumUp ist vor allem für Payment-Lösungen wie Kartenlesegeräte, Tap to Pay auf dem Handy oder digitale Bestell-Terminals bekannt.

SumUp: Transparenz stärken, Zahlungsbarrieren abbauen

Vier von fünf Berliner Unternehmen sehen den sicheren Zahlungseingang als Vorteil bargeldloser Systeme – so die Ergebnisse der Commerzbank-Studie 2025. Hinzu kommt die hohe Akzeptanz seitens Kundinnen und Kunden. 

Doch: „Digitale Zahlungsoptionen sind nicht nur eine Frage des Komforts. Sie stärken die Transparenz im Wirtschaftsverkehr und reduzieren Zahlungsbarrieren,“ so Christ. „Bargeld muss weniger häufig gezählt, verwahrt und zur Bank gebracht werden. Zahlungen lassen sich direkt digital dokumentieren. Das kann insbesondere für kleinere Händler und Gewerbetreibende den administrativen Aufwand reduzieren.“

Mit Karte zahlen: Diese Herausforderungen erwarten Kneipen, Cafés und Co.

Trotz administrativer Vorteile sehen sich Berliner Unternehmen laut Commerzbank-Studie vor allem technische Hürden gegenüberstehen. Aus den Ergebnissen gehen drei weitere zentrale Herausforderungen hervor:

Herausforderung 1
36
Prozent
fehlt die Zeit, sich um die Einrichtung digitaler Zahlarten zu kümmern.
Herausforderung 2
34
Prozent
beklagen sich über die Kosten für die Einrichtung digitaler Zahlarten.
Herausforderung 3
40
Prozent
sehen Datenschutz und Sicherheit als Herausforderung.

Auch emotionale Gründe tragen zu einer kritischen Haltung bei. Dominik Borrmann, Inhaber der Kiez-Kneipe „Kallasch“ in Moabit, berichtet: „Die analoge Transaktion von physischem Geld am Tresen im Nachtleben ist für die persönliche Atmosphäre enorm wichtig.“ Dieses Gefühl würde unter der digitalen Bezahlung leiden. Barkräfte fürchten zudem einen Trinkgeld-Einbruch durch vermehrte Kartenzahlung.

Dominik Borrmann ist Besitzer der Kneipe Kallasch.
„Es macht einfach was mit der Stimmung, ob physisches Geld über den Tresen wandert, oder ob alle nur noch mit ihren Handys hantieren.“
Dominik Borrmann Kneipenbesitzer

Nicht zu vergessen organisatorische Aspekte. Borrmann: „Für uns als Bar würde die Einführung der Kartenpflicht die Buchhaltung verkomplizieren, da wir zwei unterschiedliche Zahlungseingänge hätten. Zudem wären die Karteneinnahmen nicht direkt verfügbar und es entstünden Zusatzkosten.“

Von „Cash only“ zu kontaktlos zahlen: Worauf es jetzt ankommt

Jedes Unternehmen hat andere Voraussetzungen und Anforderungen an die (technische) Abwicklung digitaler Bezahlungen. Borrmann wünscht sich beispielsweise „ein Tool, mit dem wir zwar Kartenzahlung ermöglichen könnten, aber die Möglichkeit bekämen, diese so zu steuern, dass sie möglichst wenig genutzt wird.“

Christ betont, dass kleine Betriebe schon heute aus einer Vielzahl einfacher und kostengünstiger Lösungen wählen können. Welche Lösung am besten passt, hänge demnach von der Größe des Betriebs, dem Transaktionsvolumen sowie individuellen Abläufen ab. 

„Für digitale Zahlungen müssen Datenschutz und Datensicherheit selbstverständlich gewährleistet sein,“ betont Christ. Für eine erfolgreiche Umstellung von „Cash Only“ auf zusätzliche digitale Zahlarten komme es laut dem SumUp-Gründer jetzt „auf einen klar definierten Anwendungsbereich, ausreichende Übergangsfristen sowie faire Kostenbedingungen an.“ Transparenz als Schlüssel zur Transformation.