IHK Berlin. Offizieller Unterstützer der Berliner Wirtschaft.

Nach einer aufmerksamkeitsstarken Teaserphase geht die Kampagne der IHK Berlin in die nächste Stufe. Mit „WTF is IHK?“ wurde bewusst Neugier geweckt und Gespräche angestoßen.

Jetzt löst die Kammer diese Frage auf – klar, sichtbar und mit Haltung. 

Die Unternehmer stehen stellvertretend für die Vielfalt der Berliner Wirtschaft. 

Durch ihre Perspektiven wird deutlich, was der Claim konkret bedeutet – und wie die IHK Berlin Unternehmen tatsächlich unterstützt. 

IHK Berlin. Offizieller Unterstützer der Berliner Wirtschaft.

Branchentreffen

Future of Festivals: Wie sich die Berliner Eventbranche neu erfindet

Lollapalooza Berlin, CSD und Karneval der Kulturen: In Berlin steht immer ein großes Event an. Doch die Branche steht unter Druck. Im Interview erklärt Robert Stolt, Gründer des Kongresses Future of Festival, wie sich die Branche trotz Kostendruck für die Zukunft wappnet.

Von: Aaron Baumgart
Robert Stolt auf dem Future of Festivals Kongress

Robert Stolt, Geschäftsführer und Gründer Future of Festivals

Dass Berlin Events austragen kann, beweist die Stadt täglich mit rund232 Veranstaltungen vor Ort. Die größte bleibt dabei der Karneval der Kulturen. Parade und Straßenfest besuchten mehr als 1,1 Millionen Menschen.

Auch am kommenden Wochenende pilgern erneut rund 120.000 Musikfans zum Olympiastadion, wenn dort eines der größten Festivals Berlins über die Bühne geht. Das Lollapalooza findet seit 2015 in der Hauptstadt statt und zählt auch wegen seines urbanen Charakters zu den bekanntesten Festivals Europas.

In den vergangenen Jahren hatten es Eventveranstalter dank Corona und steigender Preise nicht immer einfach. Im Interview erzählt Robert Stolt, Gründer des Branchentreffens Future of Festivals, wie sich die Branche immer wieder neu entwickelt – und was sich Berlin dabei von anderen Ländern abschauen kann. 

Future of Festivals: Das Treffen der Eventbranche in Berlin

Herr Stolt, warum haben Sie das Future of Festivals ins Leben gerufen?
Robert Stolt: Mein Ziel war es, Dienstleister und Festivals besser miteinander zu vernetzen. Festivals und Dienstleister arbeiten zwar miteinander, haben während einer Veranstaltung aber kaum Zeit für einen intensiven Austausch. 

Dank Corona fand die erste Future of Festivals digital statt, doch bereits da zeigte sich das große Interesse der Branche. Seit letztem Jahr findet die Future of Festivals in der STATION Berlin statt. Wir hatten über 8.000 Gäste aus ganz Europa, sogar aus den USA, unter anderem von Burning Man und Coachella. Mittlerweile präsentieren sich mehr als 220 Speaker, 400 Unternehmen, Start-ups und NGOs. Unser Ziel ist es, die gesamte Branche abzubilden – und mittlerweile sind wir tatsächlich das größte Branchentreffen für Großveranstaltungen und Festivals weltweit. 

Welchen Stellenwert hat die Festival- und Eventbranche in der deutschen Wirtschaft?
Die Eventbranche hat keine starke Lobby in der Politik, obwohl sie der sechstgrößte Wirtschaftszweig Deutschlands ist. Es gibt viele Verbände, aber es ist schwierig, alle an einen Tisch zu bringen. Deshalb fehlt bislang eine starke Interessenvertretung, die deutlich macht, wie wichtig die Veranstaltungsbranche wirtschaftlich ist.

Allein im Musikfestivalbereich gibt es in Deutschland über 1.400 Festivals. Damit gehört Deutschland zu den größten Festivalmärkten Europas. Die Branche spielt also eine enorme wirtschaftliche Rolle.

Festivals sollten nicht nur kulturell unterstützt werden, sondern auch als Innovationsplattformen wahrgenommen werden.“
Robert Stolt CEO Future of Festivals

Steigende Kosten setzen die Branche derzeit unter Druck. Wo ist dieser wirtschaftliche Druck am größten?
Wenn 80.000 Menschen zusammenkommen, entsteht tatsächlich eine Stadt – und die muss vollständig versorgt werden. Steigende Dieselpreise und höhere Logistikkosten wirken sich direkt aus. Hinzu kommen die Personalkosten. Durch Inflation und höhere Löhne steigen die Ausgaben deutlich. Das ist grundsätzlich richtig, denn gute Arbeit soll fair bezahlt werden. Gleichzeitig macht es einen großen Unterschied, wenn Sicherheitskräfte inzwischen 35 oder 40 Euro pro Stunde kosten und auf einem Festivalgelände sehr viele Menschen im Sicherheitsbereich arbeiten.

Der dritte Punkt sind die gestiegenen Sicherheitsanforderungen. Festivals sind heute deutlich sicherer als früher. Große Unfälle sollen möglichst verhindert werden. Gleichzeitig steigen die Auflagen der Behörden, beispielsweise durch Zufahrtssperren. Dadurch entstehen erhebliche Kosten, bei denen oft noch geklärt werden muss, ob sie von Städten, Gemeinden oder Veranstaltern getragen werden. All diese Faktoren wirken sich letztlich auf den Ticketpreis aus.

Feuerwerk über dem Olympiastadion während des Lollapalooza Festivals

Das Lollapalooza Berlin rund um das Olympiastadion gehört zu den größten Festivals der Stadt

Welche Trends verändern die Festivalbranche aktuell besonders?
Ich sehe viele positive Entwicklungen im Bereich der Nachhaltigkeit. Festivals können echte Change Driver sein. Weil dort für kurze Zeit eine komplette Kleinstadt aufgebaut wird, entstehen Innovationen, die später auch in anderen Bereichen eingesetzt werden können.

Wie versorgt man Bühnen mit Solarstrom? Wie können Wasserstoffgeneratoren eingesetzt werden? Wie lassen sich temporäre Straßen effizient bauen? Veranstalter beschäftigen sich intensiv damit, diese temporären Städte nachhaltiger, sicherer und wirtschaftlicher zu gestalten.

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Kann sich Berlin hierbei etwas von anderen Ländern abschauen? 
In den Niederlanden gibt es die Initiative Innofest, die staatlich gefördert wird. Start-ups können sich dort bewerben und ihre Innovationen auf unterschiedlichen Festivals testen. Die Festivals selbst tragen keine Kosten, denn Innofest finanziert den Einsatz der Start-ups.

Am Ende der Saison werden die Ergebnisse ausgewertet. Wenn sich eine Innovation bewährt, etwa weil sie Wasser spart, übernehmen Festivals diese Lösung dauerhaft. So können erfolgreiche Unternehmen entstehen. Ich würde mir wünschen, dass es auch in Berlin vergleichbare Institutionen gibt, die Start-ups gezielt mit der Festivalbranche zusammenbringen und fördern. Festivals sollten nicht nur kulturell unterstützt werden, sondern auch als Innovationsplattformen wahrgenommen werden.

Fakt 1
86.814
Präsenz-Veranstaltungen
fanden 2025 in Berlin statt.
Fakt 2
13,67
Millionen Personen
nahmen an diesen Events teil.
Fakt 3
22,7
Prozent
aller Events waren international ausgerichtet.

Von Lollapalooza Berlin bis Karneval der Kulturen: Eventbranche Berlin ist bestens organisiert

Warum ist Berlin trotzdem der ideale Standort für Future of Festivals? 
Berlin hat als Club- und Festivalstadt eine enorme internationale Ausstrahlung. Mit Veranstaltungen wie Lollapalooza, dem CSD oder dem Karneval der Kulturen sowie den zahlreichen Festivals in Brandenburg bietet die Region eine außergewöhnliche Vielfalt.

Hinzu kommt die gute Organisation der Branche. Es gibt die Clubcommission Berlin und in Brandenburg den Verband Impuls Brandenburg. Diese starke Basis macht den Standort besonders attraktiv. Außerdem kommen immer mehr internationale Verbände zu uns. Unter dem Motto „Learn from Each Other“ können wir zeigen, wie die Branche in Berlin arbeitet und gleichzeitig vom Austausch mit anderen Ländern profitieren. Deshalb ist es uns wichtig, Future of Festivals dauerhaft hier zu halten.
 

Was wünschen Sie Ihren Kolleginnen und Kollegen aus der Eventbranche – und all denen, die dort Fuß fassen wollen? 
Mir ist wichtig, dass sich die Menschen in der Club- und Festivalbranche weiter vernetzen und gemeinsam für diese Kultur einstehen. Wir sprechen oft über Clubsterben oder Festivalsterben. Gleichzeitig habe ich allein in diesem Jahr über 50 neue Festivals in Deutschland gezählt. Diese Entwicklung darf nicht aufhören.

Kreativität und der Mut, eigene Ideen umzusetzen, sind entscheidend. Oft beginnt alles damit, dass Freunde gemeinsam ihr erstes Festival organisieren. Daraus kann etwas Großes entstehen – vielleicht sogar ein eigenes Unternehmen. Deshalb möchte ich junge Menschen ausdrücklich ermutigen, ihre Ideen umzusetzen und ihre Träume zu verwirklichen.