Die Liga über den Unicorns

Decacorn: Was hinter der 10-Milliarden-Liga steckt – und warum Trade Republic dazugehört

12,5 Milliarden Euro: So hoch bewerten Investoren den Berliner Neobroker Trade Republic und machen ihn damit zum Decacorn. In Deutschland haben das bislang nur drei Start-ups geschafft. Warum es nicht mehr sind, erklärt Verena Pausder, Vorstandsvorsitzende des Startup-Verbands.

Von: Jana Illhardt
Zu sehen sind zwei Hände, die ein Smartphone halten. Auf dem Bildschirm ist die App von Trade Republic geöffnet, darin die Funktion Saveback und Sparpläne für Aktien von Adidas, Spotify und Meta.

Sparpläne und Saveback per App: Mehr als 10 Millionen Menschen nutzen Trade Republic, 70 Prozent von ihnen investieren laut Unternehmen zum ersten Mal.

In Deutschlands Start-up-Szene sind Einhörner längst keine Fabelwesen mehr. 39 Unternehmen mit einer Milliardenbewertung zählt der Deutsche Startup Monitor 2026, so viele wie nie zuvor. Doch über den Einhörnern beginnt eine Liga, in der die Luft dünn wird. Bislang haben es nur drei deutsche Start-ups hineingeschafft, eines davon aus Berlin.

Ihr Name: Decacorns. So heißen nicht börsennotierte Start-ups mit einer Bewertung von mindestens 10 Milliarden US-Dollar. Berlins Vertreter ist der Neobroker Trade Republic.

Was ist ein Decacorn? Der Unterschied zu Unicorn und Hectocorn

Der Begriff baut auf dem „Unicorn“ auf, den die US-Investorin Aileen Lee 2013 prägte. Gemeint ist ein Start-up mit einer Bewertung von mindestens 1 Milliarde US-Dollar. Die Vorsilbe „Deca“ steht für zehn, ein Decacorn ist also zehnmal so viel wert. Unternehmen ab 100 Milliarden US-Dollar heißen Hectocorn.

Für die Einordnung ist zweierlei wichtig: Die Bewertung entsteht nicht an der Börse, sondern durch Finanzierungsrunden oder den Verkauf von Anteilen zwischen Investoren. Sie kann daher auch wieder sinken. Außerdem gilt die Grenze in US-Dollar, während deutsche Bewertungen meist in Euro gemeldet werden.

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Unicorn, Decacorn, Hectocorn: Die Start-up-Ligen im Überblick

  • Unicorn: nicht börsennotiertes Start-up mit einer Bewertung ab 1 Milliarde US-Dollar
  • Decacorn: Bewertung ab 10 Milliarden US-Dollar
  • Hectocorn: Bewertung ab 100 Milliarden US-Dollar. In Europa gibt es aktuell nur ein einziges Hectocorn – das Londoner Fintech Revolut, das im Juli 2026 mit 115 Milliarden US-Dollar bewertet wurde.

Welche Decacorns gibt es in Deutschland?

Der Münchner Process-Mining-Spezialist Celonis war Deutschlands erstes Decacorn. Im Sommer 2025 folgte das Münchner DefenseTech Helsing. 2026 sammelte Helsing 1,8 Milliarden US-Dollar ein und wird inzwischen mit 18 Milliarden US-Dollar bewertet. Im Dezember 2025 stieg Trade Republic als erstes Berliner Start-up in diese Liga auf.

Deutschlands Decacorns

UnternehmenSitzBrancheDecacorn seitBewertung
CelonisMünchenProcess Mining202113 Mrd. US-Dollar (2022)
HelsingMünchenDefenseTech/KI202518 Mrd. US-Dollar (2026)
Trade RepublicBerlinFintech202512,5 Mrd. Euro (2025)

Stand: Oktober 2026

Quellen: deutsche-startups.de, Handelsblatt, Trade Republic

Trade Republic: Wie Berlin zu seinem ersten Decacorn kam

Trade Republic wurde 2015 von Christian Hecker, Thomas Pischke und Marco Cancellieri in Berlin gegründet und startete 2019 als Neobroker. Im Dezember 2025 kauften Investoren laut Unternehmensmitteilung Anteile im Wert von 1,2 Milliarden Euro, bei einer Bewertung von 12,5 Milliarden Euro.

Angeführt wurde die Transaktion von bestehenden Geldgebern wie Founders Fund, Sequoia und Accel. Neu dazu kamen unter anderem Fidelity, Wellington und der Staatsfonds GIC aus Singapur.

Bemerkenswert ist die Art des Deals: Es war eine sogenannte Secondary-Runde. Neues Kapital floss also nicht ins Unternehmen, stattdessen verkauften frühe Anteilseigner ihre Anteile.

Trade Republic ist nach eigenen Angaben seit drei Jahren profitabel und auf frisches Geld nicht angewiesen. Das Unternehmen hat mehr als 10 Millionen Kundinnen und Kunden, die rund 150 Milliarden Euro Vermögen verwalten. 70 Prozent von ihnen investieren laut Trade Republic zum ersten Mal. 2023 erhielt das Unternehmen eine Vollbanklizenz der Europäischen Zentralbank.

Porträtfoto von Christian Hecker, Mitgründer von Trade Republic.

Christian Hecker hat Trade Republic 2015 mitgegründet. Heute ist der Berliner Neobroker mit 12,5 Milliarden Euro bewertet.

Bewertung
12,5
Mrd. Euro
Bewertung von Trade Republic nach der Secondary-Runde im Dezember 2025. Damit ist es Berlins einziges Decacorn.
Kundenvermögen
150
Mrd. Euro
So viel Vermögen verwalten die mehr als 10 Millionen Kundinnen und Kunden von Trade Republic (Quelle: Trade Republic).
Wagniskapital Berlin
1,69
Mrd. Euro
So viel sammelten Berliner Start-ups im ersten Halbjahr 2026, bundesweit Platz 1 (Quelle: EY-Startup-Barometer).

Warum gibt es in Deutschland so wenige Decacorns?

„An Ideen und Talenten mangelt es uns nicht, wohl aber am Kapital für die ganz großen Wachstumsschritte“, sagt Verena Pausder, Vorstandsvorsitzende des Startup-Verbands. In Deutschland und Europa lasse sich für Start-ups weniger Kapital mobilisieren als etwa in den USA. „Teil des Problems ist damit auch, dass genau in der Phase, in der aus einem erfolgreichen Start-up ein globaler Champion werden könnte, unsere Unternehmen fast immer auf ausländische Investoren angewiesen sind.“

Das zeigt sich auch bei Trade Republic: Angeführt wurde die Runde von US-Investoren wie Founders Fund und Sequoia.

Eine Illustration: Ein Mann reitet auf einem Pferd, das mehrere Hörner auf der Stirn trägt.

Seltener als jedes Einhorn: Decacorns sind nicht börsennotierte Start-ups, die mit mindestens 10 Milliarden US-Dollar bewertet werden. In Deutschland gibt es bislang drei.

„Der eigentliche Wettbewerb findet nicht zwischen deutschen Städten statt, sondern mit dem Silicon Valley.“
Verena Pausder Vorstandsvorsitzende des Startup-Verbandes

Berlin oder München: Wer hat die Nase vorn?

Bei der Zahl der Finanzierungsrunden ist Berlin führend. Im ersten Halbjahr 2026 sammelten Berliner Start-ups laut EY-Startup-Barometer rund 1,69 Milliarden Euro in 95 Runden ein, mehr als in jedem anderen Bundesland. Die ganz großen Summen fließen aber zunehmend nach München: Laut Startup Monitor kamen 5 der 10 größten Finanzierungsrunden 2026 von dort.

Hinzu kommt ein historischer Effekt: Berliner Schwergewichte wie Zalando, Delivery Hero und HelloFresh gingen früh an die Börse und erreichten ihre hohen Werte erst als börsennotierte Konzerne. In Decacorn-Listen tauchen sie deshalb nicht auf.

Einen Städtewettkampf sieht Pausder darin nicht: „Berlin und München sind keine Rivalen, sondern zwei Kraftzentren mit unterschiedlichen Stärken.“ Berlin punkte mit seiner enormen Gründungsdynamik und Internationalität, München mit der Nähe zu Industrie und Spitzenforschung. „Was wir nicht vergessen sollten: Der eigentliche Wettbewerb findet nicht zwischen deutschen Städten statt, sondern mit dem Silicon Valley.“

Porträtfoto von Verena Pausder, Vorstandsvorsitzende des Startup-Verbands.

Verena Pausder, Vorstandsvorsitzende des Startup-Verbands, fordert mehr Wachstumskapital aus Deutschland und eine einheitliche europäische Rechtsform für Start-ups.

Was sich ändern müsste: Mehr Wachstumskapital und die EU Inc.

Für mehr Decacorns braucht es laut Pausder zwei Dinge. Erstens: „Wir müssen das Kapital, das in Deutschland längst vorhanden ist, bei Versicherungen, Pensionskassen und Stiftungen, endlich für Innovation öffnen.“

Zweitens brauche Europa einen Kapitalmarkt, „der tief und attraktiv genug ist, dass der Börsengang hierzulande stattfindet“. Bislang zieht es viele in die USA: Laut Deutschem Startup Monitor 2026 würden 61,9 Prozent der Start-ups mit Börsenambitionen dort an die Börse gehen. 

Pausder sieht auch die Rechtsform als Hürde: „Ein amerikanisches Start-up gründet einmal, in Delaware, und kann dieselbe Gesellschaft direkt an die Nasdaq bringen. In Europa musst du heute für jeden Markt eine neue Struktur aufbauen und vor dem Börsengang oft noch einmal die Rechtsform wechseln.“ Ihre Forderung: „Darum muss die EU Inc. kommen – als Rechtsform für den gesamten Lebenszyklus, vom ersten Tag bis zum Börsengang.“

Die EU-Kommission hat am 18. März 2026 einen Vorschlag für diese einheitliche europäische Rechtsform vorgelegt. Nun verhandeln das Europäische Parlament und der Rat darüber.

Welche Berliner Start-ups könnten das nächste Decacorn werden?

Am nächsten dran, Decacorn zu werden, ist aktuell das Automatisierungs-Start-up n8n. Nach einem Investment von SAP im Mai 2026 wurde es mit rund 5,2 Milliarden US-Dollar bewertet. Das DefenseTech STARK kam im Juni 2026 nach einer Finanzierungsrunde über 500 Millionen Euro auf mehr als 3,5 Milliarden Euro.

N26 zeigt, dass der Weg nicht geradlinig verläuft. Die Berliner Neobank wurde 2021 mit 9 Milliarden US-Dollar bewertet und stand damit kurz vor dem Decacorn-Status. Danach geriet sie unter Druck der Finanzaufsicht, und der Aufstieg blieb aus.

Welche Berliner Start-ups steigen als nächstes in die Liga der Einhörner auf?
Stefan Ostwald und Malte Kosub von Unicorn Parloa
Hohe Unternehmensbewertungen Welche Berliner Start-ups steigen als nächstes in die Liga der Einhörner auf?
Lesezeit: 7 Minuten
Eva Scharmann
Häufige Fragen zu Decacorns

Ein Decacorn ist ein nicht börsennotiertes Start-up mit einer Bewertung von mindestens 10 Milliarden US-Dollar. Der Begriff leitet sich vom „Unicorn“ ab, einem Start-up mit mindestens 1 Milliarde US-Dollar Bewertung. Die Vorsilbe „Deca“ bedeutet zehn.

Welche Decacorns gibt es in Deutschland?

Stand Oktober 2026 gibt es drei: Celonis (München, Decacorn seit 2021), Helsing (München, seit 2025) und Trade Republic (Berlin, seit Dezember 2025).

Ist Trade Republic ein Decacorn?

Ja. Seit einem Anteilsverkauf über 1,2 Milliarden Euro im Dezember 2025 wird Trade Republic mit 12,5 Milliarden Euro bewertet. Damit ist das Unternehmen Berlins einziges Decacorn.

Warum gibt es in Deutschland so wenige Decacorns?

Laut Startup-Verband fehlt vor allem Kapital für späte Wachstumsphasen. Große Finanzierungsrunden kommen deshalb häufig von ausländischen Investoren, und viele Start-ups planen ihren Börsengang in den USA. Der Startup-Verband fordert, Gelder von Versicherungen und Pensionskassen zu öffnen und mit der EU Inc. eine einheitliche europäische Rechtsform einzuführen.