IHK Berlin. Offizieller Unterstützer der Berliner Wirtschaft.

Nach einer aufmerksamkeitsstarken Teaserphase geht die Kampagne der IHK Berlin in die nächste Stufe. Mit „WTF is IHK?“ wurde bewusst Neugier geweckt und Gespräche angestoßen.

Jetzt löst die Kammer diese Frage auf – klar, sichtbar und mit Haltung. 

Die Unternehmer stehen stellvertretend für die Vielfalt der Berliner Wirtschaft. 

Durch ihre Perspektiven wird deutlich, was der Claim konkret bedeutet – und wie die IHK Berlin Unternehmen tatsächlich unterstützt. 

IHK Berlin. Offizieller Unterstützer der Berliner Wirtschaft.

Clubkultur

Publikum im Wandel: Wie Berliner Clubs sich jetzt neu erfinden

Die Gen Z legt Wert auf einen gesunden Lifestyle, viele Millennials priorisieren heute Kinder vor Clubnacht. Andere Voraussetzungen und neue Vorstellungen vom Feiern zwingen die Szene zum Handeln. Berliner Clubs reagieren kreativ und flexibel.

Von: Laura Dörling
Ein DJ legt in einem Club auf.

Berliner Clubs sterben nicht aus – sie erfinden sich nur neu.

Die Berliner Clubs gehen mit der Zeit – und erfinden dabei das „Ausgehen“ einfach neu. Best-Practice: Die Renate am Ostkreuz. Die Berliner Institution feiert 2026 einen Relaunch – mehr Angebote für unterschiedliche Zielgruppen und Bedürfnisse. 

„Wir wollen die Renate in die nächste Generation führen“, sagt Zoe Uellendahl. „Jetzt sind Gen Z und Millennials in den Büros und können Clubs für ihre Peers formen – genau darum geht es ja auch bei Clubkultur: konstanter Wandel.“

Die Renate ist kein Einzelfall. Auch andere Legenden des Berliner Nachtlebens setzen auf moderne Make-overs im Geschäftsmodell. Wie der Balanceakt zwischen Kommerzialisierung und Wahrung kultureller Identität souverän gelingt.

Der Wandel und die Lust, immer wieder neue Ideen umzusetzen, machen Clubkultur für mich erfolgreich.“
Zoe Uellendahl Clubmanagerin der Renate

Eine Frage des Geldes: Ausgehen als wohlüberlegte Investition

Hohe Mieten, spürbare Inflation und Schwierigkeiten mit dem Berufseinstieg: (Nicht nur) die Gen Z erlebt aktuell finanzielle Herausforderungen – die Clubnacht wird zur Kostenfrage. Das merken auch Betreieber: 

Preise
92
Prozent
der Berliner Clubs sehen die Eintrittspreise für bestimmte Zielgruppen als Hürde.
Kaufkraft
60
Prozent
der Veranstalter beobachten eine sinkende Kaufkraft der Gäste.
Druck
85
Prozent
der Clubs geben an, dass sich das Veranstaltungsprogramm durch wirtschaftlichen Druck verändert.

Die Renate setzt deshalb auf niedrigschwellige Formate. Kostenlose Events im Garten sollen neue Gäste begeistern und binden. “Tatsächlich platzt der Garten regelmäßig aus allen Nähten, wir sind richtig glücklich darüber, wie gut das angenommen wird, was auch zeigt, wie dankbar Menschen für niederschwellige Angebote sind”, sagt Uellendahl.

Ähnliches erwartet Besucherinnen und Besucher in den Outdoor-Bereichen anderer Clubgrößen wie dem ://about blank oder Kater Blau – zumindest in den Sommermonaten. Im Weißen Hasen haben Gäste zumindest bis Mitternacht freien Eintritt, um Partys für kleine Portmonnaies zu ermöglichen. 

Kein Alkohol und wenig Zeit? Kein Problem! Sober-Party im Szenekiez

Gastronomie und Getränkeverkauf machen heute nur noch 20 Prozent der Einnahmen aus.  Die Studie der Clubkommission belegt: 73 Prozent der befragten Clubs beobachten einen sinkenden Alkoholkonsum. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach alkoholfreien Getränken. 

Der neue Trend? Sober-Party. Immer mehr Menschen schwören dem Alkohol ab. Berliner Clubs gehen mit. Sie erweitern ihr Bar-Angebot oder setzen auf gänzlich alkoholfreie Formate: Cafés und Bars wie NOC oder die SaBar in Kreuzberg bieten Coffee Raves an, das Amphitheatre am Funkhaus versteht sich als „non-alcoholic sound space“.

Viele Berliner Clubs merken ebenfalls, dass Gäste kürzer bleiben. Daytime-Formate können darauf eine Antwort sein: Sie sprechen Menschen an, für die eine lange Clubnacht nicht mehr zum Alltag passt – etwa, weil sie abends auf ihre Kinder aufpassen oder morgens eine Pilates-Class gebucht haben. 

Clubs wie die Else, das Heideglühen oder Sisyphos öffnen ihre Türen am Wochenende häufig schon mittags. Jeder Gast kann feiern, wann und wie lange er oder sie möchte. Im Sommer kommt mit In- und Outdoor-Bereichen ein richtiges Festival-Feeling auf. Re-entry-Optionen ermöglichen flexibles Kommen und Gehen.

Der Outdoor-Bereichs des Club Renate.

Der Renate-Garten ist ein Community Space für alle Nachbarn, Newcomer Acts und Party-Fans.

Vom Dancefloor zum Community-Space: Angebote für Alle

Mehr als Raves: 62 Prozent der von der Clubkommission befragten Clubs haben ihre musikalische Ausrichtung erweitert. So finden im Techno-Club ://about blank seit Kurzem auch Indie-Pop-Partys statt. Das Sisyphos lädt Jung und Alt regelmäßig zum “generationS-Event” ein – Disco Hits statt Deep House. 

Hinzu kommen Kooperationen mit anderen Bereichen der Kreativwirtschaft, Initiativen oder NGOs. Das Ziel: neue Besucherinnen und Besucher in die Location locken, Austausch ermöglichen und Raum schaffen für Themen, die bewegen:

  • Das Sisyphos stellt seine Räume gelegentlich für Flohmärkte zur Verfügung – und veranstaltete im Sommer 2026 ein Kinderfest für die Clubgänger von morgen.
  • Im Cassiopeia fand im August 2026 eine immersive Kunstausstellung auf drei Floors statt.
  • Das Ritter Butzke stellt seine Fläche für FLINTA* DJ-Workshops bereit.
  • Sogar auf dem Berghain-Gelände konnten Kulturliebhabende 2026 bereits eine Kunstinstallation besuchen. 

Auch die Renate versteht ihren Garten ausdrücklich als Community Space. Dort treffen Nachbarn für einen Drink auf Newcomer Artists, Techno-Experten auf neugierige Touristen. „Clubs sind mehr als nur eine Nacht mit lauter Musik“, sagt Zoe Uellendahl. Sie seien Orte, an denen Menschen Kontakte knüpfen und soziale Netzwerke aufbauen.

Solche Dritträume im Herzen Berlins sind selten geworden, doch „die Szene ist alive and well, nur unsere Räume dafür müssen wir schützen", so Uellendahl.

Einigung zur Zukunft des RAW-Geländes erzielt
Zu sehen ist ein Graffiti am RAW-Gelände in Berlin.
Kulturwirtschaft Einigung zur Zukunft des RAW-Geländes erzielt
Lesezeit: 1 Minute
Future of Festivals: Wie sich die Berliner Eventbranche neu erfindet
Robert Stolt auf dem Future of Festivals Kongress
Branchentreffen Future of Festivals: Wie sich die Berliner Eventbranche neu erfindet
Lesezeit: 3 Minuten
Aaron Baumgart

„Fokus auf unsere queeren Peers“: Vielfalt in Programm und Publikum

In der Renate gehören Kooperationen zum Konzept. „Für uns funktioniert die Zusammenarbeit mit jungen Kollektiven und der Fokus auf unsere queeren Peers am besten“, sagt Zoe Uellendahl. Das erweitert nicht nur das Programm, sondern kann auch neue Communities an einem Ort (ver-)binden.

Den Gedanken scheint sie mit anderen Berliner Clubs zu teilen. So lädt das KitKat regelmäßig zur PiepShow ein – einem Techno-Rave für die queere Community. Auch die Gayhane-Eventreihe im SO36 hat sich längst im Party-Programm etabliert.

Lichter in Regenbogenfarben in der Renate.

Die Renate fokussiert ihre queere Community und Kooperationen mit jungen Kollektiven.

Der Wille zum Wandel: Was Berliner Clubs jetzt brauchen

Berliner Clubs zeigen, dass sie ihre Räume neu denken. Und auch die Nachfrage scheint ungebrochen. Ob aus allen Ideen tragfähige Geschäftsmodelle entstehen, entscheidet sich aber nicht nur auf dem Dancefloor: “Allein von Eintritt und Getränkeverkauf werden sich die wenigsten Venues noch lange halten können – von den sinkenden Touristenzahlen in Berlin mal abgesehen”, sagt Zoe Uellendahl. 

Die Clubmanagerin hat einen klaren Appell an die Politik: „Um kulturelle Teilhabe zu sichern, bedarf es staatlicher Unterstützung für Clubs.“