Unternehmensnetzwerke

Gewerbegebiet Herzbergstraße: Wie Unternehmen gemeinsam energieautark werden wollen

Das Unternehmensnetzwerk Herzbergstraße verfolgt ehrgeizige Ziele für ihr Gewerbegebiet: Gemeinsam wollen die Betriebe unabhängig von fossilen Energien werden. Vorstandsvorsitzender Holger Klempnow erklärt, wie das Vorhaben gelingen soll.

Von: Katharina Lehmann
Foto von Holger Klempnow, Geschäftsführer

Holger Klempnow hätte gern ein ganzheitliches Energiekonzept für das Gewerbegebiet in der Herzbergstraße.

Solarstrom gemeinsam nutzen: Die Vision für die Herzbergstraße

Mit Zukunftstechnologien und erneuerbarer Energie kennt sich Holger Klempnow aus. Als Geschäftsführer der Klero GmbH hilft er Industrieunternehmen, ihre Produktion zu automatisierenund Roboter in die Produktionsprozesse zu integrieren. Als Vorstandsvorsitzender des Unternehmensnetzwerks Herzbergstraße wendet sich der Ingenieur nun einer anderen Vision zu: Das Gewerbegebiet rund um Herzberg-, Siegfried- und Vulkanstraße in Lichtenberg soll energieautark werden, so seine Vision. 

„Einige der Unternehmen im Gewerbegebiet, auch wir selbst, haben bereits Photovoltaikanlagen auf den Dächern“, erklärt Holger Klempnow. Das Problem: Im Sommer übersteigt die Produktion den Eigenverbrauch deutlich – überschüssiger Strom muss nahezu verschenkt werden. Im Winter dagegen fließt der Sonnenstrom nur spärlich. 

Energieautarkes Gewerbegebiet: Warum Einzellösungen nicht reichen

Nun könnte natürlich jedes Unternehmen eigene Speicher installieren, um den Sonnenstrom für den Winter einzulagern. „Aber wir wollen das cleverer lösen – gemeinsam. Unser Ziel ist ein autarkes, nachhaltiges Energiekonzept für das gesamte Gewerbegebiet.“ 

Aktuell laufen dafür detaillierte Untersuchungen, die klären sollen, wie hoch der Energieverbrauch der Betriebe ist, wann Spitzen auftreten und wie viel Potenzial in erneuerbarer Erzeugung und gemeinsamer Speicherung steckt. „Das wird ein Projekt für mehrere Jahre“, räumt Holger Klempnow ein und ist doch überzeugt: „Wenn wir Unternehmer an einem Strang ziehen, kann eine wirtschaftlich tragfähige und ökologisch vorbildliche Lösung entstehen.“

Netzwerk Großbeerenstraße: Wie internationale Player und KMUs gemeinsam ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern
Foto von Hinrik Weber, Vorstandsvorsitzender vom Netzwerk Großbeerenstraße e.V.
Unternehmensnetzwerke Netzwerk Großbeerenstraße: Wie internationale Player und KMUs gemeinsam ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern
Lesezeit: 3 Minuten
Jens Bartels

23 Unternehmen im Netzwerk: Das Betriebsnetzwerk wächst seit 2017

Ambitioniert ist das Vorhaben auch deshalb, weil es weit über den Kreis der Mitgliedsunternehmen des Netzwerks hinausreicht. Nur 23 von mehreren Hundert im Gebiet ansässigen Betrieben gehören bislang zum Netzwerk – Tendenz steigend. Seit seiner Gründung im Jahr 2017 wächst die Initiative stetig, getragen von engagierten Unternehmerinnen und Unternehmern, die Verantwortung übernehmen, Kooperationen stärken und Zukunft gestalten wollen – für ihren Standort und die Gemeinschaft. 

So hat sich das Unternehmensnetzwerk über die Jahre zu einem Sprachrohr für die Unternehmen im Gewerbegebiet und zu einem verlässlichen Bindeglied zwischen Wirtschaft und Politik entwickelt. „Wir gelten als Ansprechpartner für die regionale Politik, arbeiten eng mit Senat, Bezirk, Wirtschaftsförderung und dem Bürgermeister zusammen“, freut sich Holger Klempnow.

„Wir gelten als Ansprechpartner für die regionale Politik, arbeiten eng mit Senat, Bezirk, Wirtschaftsförderung und dem Bürgermeister zusammen.“
Holger Klempnow Vorstandsvorsitzender des Unternehmensnetzwerks Herzbergstraße

Best Practices teilen: Wie Unternehmen voneinander profitieren

Dass das Netzwerk an Zugkraft gewinnt, liegt nicht zuletzt an den regelmäßigen Treffen, Diskussionen, Infoabenden und Workshops. Auf der Agenda stehen Themen, die alle angehen: Künstliche Intelligenz, Krisenmanagement oder der dringend benötigte Ausbau der Verkehrsinfrastruktur. Zwischen 50 und 60 Teilnehmende kommen regelmäßig zusammen – um voneinander zu lernen, sich auszutauschen und Impulse zu setzen.

Eine von ihnen ist Diana von Lützau, Geschäftsführerin eines mittelständischen Innenausbauunternehmens und heute selbst im Vorstand aktiv. Sie betreut die Website und den Instagram-Kanal des Netzwerks – und bringt ihre Stimme in den Dialog mit Politik und Verwaltung ein. „Durch unsere regelmäßigen Treffen tauschen wir uns offen über die Herausforderungen aus, die uns alle betreffen“, erzählt sie. „Wenn man über den Tellerrand schaut, andere Geschäftsmodelle kennenlernt und Erfahrungen teilt, entstehen Ideen, von denen alle profitieren – ein echter Best-Practice-Pool.“ 

Foto von Diana von Lützau, Geschäftsführerin und Gesellschafterin DSH GmbH | Hotel Projects

Diana von Lützau ist Geschäftsführerin der DSH GmbH, die 2023 als Lichtenberger Unternehmen des Jahres ausgezeichnet wurde.

Mehr Gewicht gegenüber Politik und Verwaltung: Kooperation verhilft zu politischer Relevanz

Für Diana von Lützau ist das Netzwerk mehr als eine Plattform zum Austausch. Durch ihre Mitgliedschaft und ihr Engagement im Vorstand fühlt sie sich mehr gesehen, stärker im Bezirk vernetzt und für die Politik relevanter. 

Zudem profitiert sie von den gemeinsamen Initiativen, Netzwerkveranstaltungen, Fachgruppen und Veranstaltungen, aber auch von Kooperationen mit anderen Netzwerkpartnern. „Insgesamt hilft uns die Netzwerkarbeit, Herausforderungen nicht isoliert, sondern gemeinsam und effizienter anzugehen“, freut sie sich. So kommt das Unternehmensnetzwerk Herzbergstraße dem Ziel, gemeinsam innovative Lösungen für die Herausforderungen der lokalen Wirtschaft – wie das Erstellen von erneuerbaren Energiekonzepten – zu entwickeln, Schritt für Schritt näher.

Unternehmensnetzwerk Neukölln: Warum immer mehr Start-ups dazugehören wollen
Foto von Armin Seitz, Vorstand des Unternehmensnetzwerks Neukölln
Vernetzung im Mittelstand Unternehmensnetzwerk Neukölln: Warum immer mehr Start-ups dazugehören wollen
Lesezeit: 4 Minuten
Katharina Lehmann
Standortinitiative: „In Spandau liegt die Zukunft Berlins“
Foto von Gabriele Fliegel vom Wirtschaftshof Spandau
Berliner Netzwerke Standortinitiative: „In Spandau liegt die Zukunft Berlins“
Lesezeit: 4 Minuten
Jens Bartels

KleRo GmbH Roboterautomation

Die KleRo GmbH wurde 2005 von Holger Klempnow in Berlin gegründet und hat sich auf die Automatisierung industrieller Produktionsprozesse mit Robotertechnik spezialisiert. Aus anfangs vier Mitarbeitenden ist ein Unternehmen mit heute rund 35 Beschäftigten an zwei Standorten in Berlin und Brandenburg geworden. Der Hauptsitz liegt in der Siegfriedstraße – mitten im Gewerbegebiet Herzbergstraße, dessen Unternehmensnetzwerk Klempnow seit dessen Gründung 2017 als Vorstandsvorsitzender mitprägt. Neben klassischer Industrierobotik bietet Klero auch Event-Robotik für Messen und Ausstellungen an.